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Das Moviemento in Berlin-Kreuzberg Quelle: imago images/Sabine Gudath

Aufruf der Regisseure: Rettet die unabhängigen Kinos!

Der Ausnahmezustand Berlinale geht am Sonntag zu Ende. Wim Wenders fordert die Unterstützung unabhängiger Kinos. Das Berliner Moviemento-Kino kämpft ums Überleben.

Berlin. Es gibt ein Leben nach der Berlinale – auch wenn das nach eineinhalb Festivalwochen nur schwer vorstellbar ist und Fiktion und Wirklichkeit allmählich verschwimmen. Mit dem Ausnahmezustand ist es nach der Preisvergabe an diesem Sonnabend und dem Publikumstag am Sonntag vorbei und damit auch mit dem unwiderstehlichen Sog vor die Leinwände. Und dann gilt wieder, was namhafte Filmemacher am Rande der Berlinale gefordert haben: Unabhängige Kinos müssen gestärkt werden, denn die stehen in Zeiten von Streamingdiensten und leinwandgroßen Flachbildschirmen unter Druck.

Altmeister Wim Wenders sprach in Berlin: “Das Kino ist eine der letzten Kulturstätten, die wir haben.” Es werfe ein seltsames Licht auf den Kulturbegriff, dass Theater und Orchester öffentlich sind, Filmtheater aber nicht. “Kinos, die voll sind und die sich bewähren, die müssten auf eine andere Art auch unterstützt werden”, so der Regisseur von Filmklassikern wie “Der Himmel über Berlin”.

Wim Wenders will keine Kino-Ketten fördern

Wichtig war Wenders wie auch seinen Mitstreitern jedoch, dass nicht alle Kinos in einen Topf geworfen werden. Eine Unterstützung von “Filmfabriken” sei damit nicht gemeint, sagte Tom Tywker (“Lola rennt”, “Babylon Berlin”) – und bezog sich damit wohl auf die großen Kinoketten, die sich mittlerweile in Superheldenfilm-Abspielstätten verwandelt haben. Betreiber kleiner Kinos dagegen achten nach Tykwers Worten auf ein stimmiges Kinoerlebnis.

Die Rückendeckung fürs Kino hatte einen besonderen Anlass: Das 1907 eröffnete Moviemento in Berlin-Kreuzberg, eines der ältesten Kinos Deutschlands, steht vor dem Aus. Die Säte sollen verkauft werden – zu einem für die Kinobetreiber eigentlich unerschwinglichen Preis.

Iris Praefke und Wulf Sörgel haben sich jedoch etwas einfallen lassen, um ihr Haus zu retten. Sie haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die 1,6 Millionen Euro einbringen soll. Ob das in einer kinobegeisterten Stadt wie Berlin klappt?

Wer nicht dran glaubt, sollte den Worten des Regisseurs Burhan Qurbani nachspüren, der bei der Berlinale mit seiner Neuverfilmung von “Franz Biberkopf” Begeisterungsstürme ausgelöst und dem “Tagesspiegel” gesagt hat: “Kino ist gelebte Lebenszeit. Ich stecke in der Haut eines anderen, das Handy ist abgeschaltet, ich bin fokussiert. Ein Riesenprivileg. Deshalb wird das Kino überleben.” Hoffentlich auch das Moviemento.

Von Stefan Stosch/RND