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Viel Licht, etwas Schatten: Die Elbphilharmonie, Hamburgs neuer Magnet, von ihrer schlanken Seite. Foto: oc

100 Tage Elbphilharmonie: Was läuft gut – was nicht?

Hamburg. Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano hatte sich schon vor der Eröffnung aus dem Fenster gelegt, als er meinte: „Die Elbphil harmonie wird der beste Saal der Welt.“ Seit 100 Tagen begeistert das neue Konzerthaus Hamburger und Touristen. Klassik-Stars wie Riccardo Muti, Yo-Yo Ma und Cecilia Bartoli geben sich die Klinke in die Hand. Aber auch Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Schauspieler John Malkovich oder Sänger Tim Bendzko wurden gefeiert. Doch an manchen Ecken hapert‘s noch.

Was läuft gut?

Akustik: Die Akustik im großen Konzertsaal wird heiß diskutiert. Die meisten Kritiker und Musiker stellen dem neuen Konzerthaus ein positives Zeugnis aus und schwärmen vom „glasklaren Klang“ und der „Transparenz“. Fest steht, dass der Saal keine Fehler verzeiht. Wenn ein Musiker oder Sänger den Ton nicht genau trifft, fällt das auf. Das heißt aber auch: Je besser ein Orchester, desto besser der Klang. Was man als Zuhörer vermeiden sollte: husten oder rascheln, denn auch das ist allzu gut zu hören. Auch, wenn man in der „Elbphi“ eigentlich von jedem der 2100 Plätze gleich gut hören soll, gibt es Unterschiede. So finden einige Besucher, dass der Saal, der wie ein Amphitheater gebaut ist, am besten klingt, wenn man gegenüber dem Orchester sitzt.

Programm: In den Eröffnungswochen kam das „Who is Who“ der Klassik: von den Wiener Philharmonikern bis zum Chicago Symphony Orchestra, von Yo-Yo Ma bis Cecilia Bartoli. Hinzu kamen anspruchsvolle Themenfestivals wie „New York Stories“ oder „Salam Syria“. So wird es in der kommenden Saison weitergehen: Angekündigt sind das London Symphony Orchestra, das Cleveland Orches­tra, Anne-Sophie Mutter und Hélène Grimaud.

▶ Nachfrage: Sie ist so groß, dass schon vor der Eröffnung sämtliche Konzerte bis Juli ausverkauft waren. Und immer, wenn es neue Karten gibt, bricht der Server wegen Überlastung zusammen. Was die Veranstalter freut, sorgt bei zahlreichen Elbphi-Fans für Frust, weil sie regelmäßig leer ausgehen. Intendant Lieben-Seutter geht davon aus, dass der Hype bis Anfang 2019 anhält.

Architektur: Die Eröffnung wurde sogar auf dem Times Square in New York gefeiert – die ganze Welt ist begeistert von Hamburgs neuem Wahrzeichen. Tausende Menschen strömen auch ohne Konzertkarte jeden Tag auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe, um den Rundumblick über den Hamburger Hafen und die Stadt zu genießen. Bisher wurden bereits 1,5 Millionen Besucher auf der Plaza gezählt – rund 250 000 Besucher konnten außerdem bisher ein Konzert im spektakulären Großen Saal erleben.

Was läuft nicht so gut?

▶ Treppen: Die einzigartige Architektur der Schweizer Herzog & de Meuron führt zu einigen Problemen. So ist es wegen der steilen Treppen, die manchmal wie eine einzige Fläche wirken, schon zu etlichen Stürzen gekommen. Hier wollen die Verantwortlichen mit baulichen Maßnahmen nachbessern. „Wir arbeiten zusammen mit den Architekten an einer Lösung“, sagt Pressesprecher Tom R. Schulz. So soll die Erkennbarkeit der Stufen verbessert und zusätzliche Geländer sollen angebracht werden. Die Theaterärzte, die bisher ehrenamtlich gearbeitet haben, wurden bereits durch professionelle Sanitäter ersetzt.

Toiletten/Garderoben: Vor Toiletten und Garderoben der Elbphilharmonie bilden sich regelmäßig lange Schlangen. Dabei steht die Elbphilharmonie im Vergleich zu anderen Konzertsälen gut da: 125 Toiletten (51 für Damen, 74 für Herren) kann die Elphi vermelden. „Die Leute haben noch nicht verinnerlicht, dass es auf jeder Etage Toiletten gibt. Man muss sich nicht unbedingt in die längste Schlange stellen“, sagt ein Sprecher der Kulturbehörde.

An-/Abfahrt: Ein von drei Seiten von Wasser umgebenes Gebäude ist schwer zu erreichen. Wenn bei Konzertende 2100 Menschen nach Hause wollen, kann es eng werden. Die nächste U-Bahnstation am Baumwall ist 450 Meter entfernt, bei Sturm und Regen kann der Weg ungemütlich werden – vor allem im Abendkleid. Auch der Platz für Taxen vor dem Konzerthaus ist begrenzt.

Applaus: Dürfen Zuschauer zwischen den Sätzen eines Stückes klatschen? Um das Verhalten bei Klassikkonzerten ist eine heftige Diskussion entbrannt. Denn die Elbphilharmonie lockt auch ein Publikum, das sich bisher nicht so sehr für Klassik interessiert hat und weniger mit den ungeschriebenen Regeln bei Konzerten vertraut ist.

Von Carola Große-Wilde

4 Kommentare

  1. gut läuft es nur für die,,strolche,, die diese steuerverschwendung erst möglich gemacht haben.

  2. „Applaus: Dürfen Zuschauer zwischen den Sätzen eines Stückes klatschen? …“

    Was hat das mit „Licht- und Schattenseiten“ des Gebäudes zu tun? Dafür können die Planer nun rein gar nichts.

    • Oskar
      Dafür können die Planer nun rein gar nichts.
      sind sie da sicher? für den,,pöbel,, war dieser bau doch nie gedacht. er soll denen dienen, die es nicht bezahlen , sondern nur die dummheit des,,pöbels,,auszunutzen wissen. die eintrittskartenpreise werden schon bald so sein, dass nur noch die klientel den bau betreten können, die wissen, wann es sich gehört zu klatschen. die vornehme gesellschaft wird auch hier schnell wieder unter sich sein.

  3. “ Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano hatte sich schon vor der Eröffnung aus dem Fenster gelegt“. als rasender Reporter sollte man schon Sprichwörter und Redewendungen kennen, sonst blamiert man sich bis auf die Haut….

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