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Was ist wahr, was Fälschung? Fake News kursieren im Internet.

Achtung, Fake News!

Unzählige Falschmeldungen kursieren in den sozialen Netzwerken. Staaten reagieren zunehmend mit Gesetzen und Abwehreinheiten gegen die Fake News. Wirksamer allerdings ist gesunde Skepsis beim Surfen im Netz, meint unser Kolumnist Tobias Gostomzyk.

Das Wort kann man kaum noch hören. Zu oft hat US-Präsident Donald Trump die Medien als Fake News beschimpft, weil sie kritisch berichteten. Und zu oft kursierten tatsächliche Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken. Doch die Diskussion über tatsächliche wie vermeintliche Fake News wird so einfach nicht wieder verschwinden. Zu leicht lassen sich Falschnachrichten verbreiten. Zu groß ist ihr Gefahrenpotenzial – vor allem vor Wahlen können Fake News die öffentliche Meinung beeinflussen oder gesellschaftliche Spannungen erhöhen. Am Dienstag hat Facebook etliche Scheinkonten gelöscht, weil sie unter Verdacht standen, vor den US-Kongresswahlen manipulativ Falschnachrichten zu verbreiten.

Fake News können nur deshalb so wirkungsmächtig sein, weil die Öffentlichkeit im Netz unübersichtlich und vielschichtig und das Internet technisch manipulierbar ist. Hierin liegt das Neue, nicht im Umstand der Falschinformation. Es überrascht also nicht, wenn sich Demokratien gegen Fake News schützen wollen. Die G-7-Staaten verabredeten den Aufbau eines Abwehrsystems, das länderübergreifend koordinierte Reaktionen auf Wahlmanipulationen ermöglichen soll. Länder wie Frankreich und Irland setzen auf Gesetze. Wirksamer als Verbote dürften aber technische – etwa das Entlarven von systematisch betriebener Falschinformation – oder soziale Gegenstrategien – etwa neue Formen des kollaborativen Faktencheckings – sein, die sich allerdings erst nach und nach entwickeln. Bis dahin ist ein gesunder Informationsskeptizismus angebracht – nicht nur vor Wahlen.

Tobias Gostomzyk ist Medienrechtler an der TU Dortmund.

Von Tobias Gostomzyk