Aktuell
Home | Nachrichten | Medien | 50 Jahre ZDF-Hitparade: Jubiläumsshow mit Thomas Gottschalk
„Hier ist Berlin!“: Am 18.Januar 1969 moderierte Dieter Thomas Heck die erste Folge der legendären „ZDF-Hitparade“ (hier ein Foto der Ausgabe vom 1. März 1970). 31 Jahre lang gehörte sie zum ZDF-Programm, 368 Ausgaben zeigte der Sender.

50 Jahre ZDF-Hitparade: Jubiläumsshow mit Thomas Gottschalk

Vor 50 Jahren bekam der deutsche Schlager seinen festen Platz im Herzen des Fernsehens: Dieter Thomas Heck bat am 18. Januar 1969 zur ersten ZDF-Hitparade

„Fliegen, fliegen, in einer Schaukel aus Elfenbein, tanzen, tanzen, wir halten gar nichts vom Traurigsein“, sang Rex Gildo. Das hörte man damals am 18. Januar 1969 in der allerersten Sendung der „ZDF-Hitparade“. Gildos Song „Dondolo“ (das italienische Wort für „Schaukel“ erfüllte die Silbenzahlanforderungen des Refrains) ist heute nicht mal mehr eine Fußnote in der Popmusikgeschichte, was für so manche der 14 Lieder jenes denkwürdigen Vorabends gilt.

Nach „Daktari“ saßen drei Generationen vorm Bildschirm

Howard Carpendale immerhin brachte mit der deutschen Version des Beatles-Songs „Ob-la-di, Ob-la-da“ Deutschpop für Jüngere in die Wohnzimmer der alten Bundesrepublik. Gerhard Wendland vollführte mit „Liebst du mich“ den Brückenschlag ins brave Gestern der Wirtschaftswunderjahre. Und Heino kümmerte sich mit „Treue Bergvagabunden“ um Opas Bedürfnis nach der untergegangenen musikalischen Zackigkeit.

Ab diesem Sonnabend saßen um 18.50 Uhr – nach der Savannenoper „Daktari“ – drei Generationen einträchtig vor dem Bildschirm, entstachelten Mutters Käseigel, nippten an Limonade und Bier. Um im ZDF ungefähr allmonatlich 45 Minuten lang zu feiern oder zu bemäkeln, was so angesagt war in der Schlagerrepublik Deutschland.

„Hier ist Berlin! Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen die Ausgabe Nummer Eins der Hitparade!“, verkündete Moderator Dieter Thomas Heck an jenem Tag, gefolgt von einem tiefen Diener. Auch das Studiopublikum sah in seinen Pullundern und Midiröcken aus, als sei das wilde Jahr 1968 noch in ferner Zukunft und als sei beige die Königin der Farben.

Im Hintergrund zählte eine Hitparadenstoppuhr die Sekunden

Heck erklärte dem Zuschauer, dass alles, was er hier sehe, in Echtzeit passiere und nicht etwa aufgezeichnet oder nachgebessert sei: „Wir fahren live, nur das Orchester und der Chor kommen vom Band.“ Im Hintergrund (sie war immer zuerst im Bild) zählte eine Studiostoppuhr die Sekunden. Und zum Sendungsende ratterte Heck dann in basisdemokratischer Hektik die Namen all jener herunter, die hinter den Kulissen beteiligt waren.

Befragt, wer denn nun hitparadenreif sei, wurde – so verkündete Heck – der Schallplattenfachhandel (heute im Aussterben begriffen), die Musikboxenaufsteller (lange her, dass dieser Beruf mal relevant war) und – von Heck nicht näher benannte – „bestehende Hitparaden“. Fünf der vorgestellten Titel kamen weiter (später nur noch drei), nach drei Teilnahmen war ein Lied ausgeschieden.

Die Wette, dass Peter Maffays „Und es war Sommer“ nicht zurückkehren würde, gewann man – zu erotisch war die Geschichte um das „erste Mal“ zwischen pubertierendem Jüngling und reifer Frau. Es waren die großen Jahre von Leuten wie Michael Holm, Chris Roberts, Cindy & Bert, Jürgen Marcus, Bernd Clüver und Costa Cordalis, von Katja Ebstein, Lena Valaitis, Mary Roos, Ireen Sheer und Vicky Leandros.

Die Jugend wechselte zu „Disco“ – das war rockiger

Zwischen all dem Schubidu aus Liebe und Juchei brachte Juliane Werding 1972 allerdings auch Gesellschaftskritisches in die westdeutschen Wohnzimmer. In „Am Tag als Conny Kramer starb“ ging es um einen echten Drogentoten. Während das Lied im ZDF nur bis auf Platz zwei stieg, schaffte es Werding in den offiziellen deutschen Charts bis ganz nach oben.

183 Folgen moderierte der im Vorjahr verstorbene Heck, danach übernahm Viktor Worms, danach Uwe Hübner. Das jüngere Publikum wechselte ab 1971 zu Ilja Richters internationalem Gegenstück „Disco“, weil dort richig gerockt wurde.

Irgendwann in den späten Achtzigern und Neunzigern wurden die Melodien in der „ZDF-Hitparade“ beliebiger, die Hits und die Stars waren keine mehr – angesagt waren inzwischen zwar wieder die Klassiker von 1969, aber in den parodistischen Versionen von Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn. Ende 2000 war Schluss mit der Show. Die „wirklich großen Künstler“ (ZDF-Statement) stellten sich dem Wettbewerb nicht mehr, und „eine ,Hitparade‘ ohne Hits und Stars ist nicht mehr die ,Hitparade‘, die die Zuschauer in Erinnerung haben und sehen möchten.“

„Dondolo“ schaffte Platz 1 nicht – dafür siegte „Fiesta Mexicana“

„Dondolo“, die deutsche Version des Turtles-Songs „Sound Asleep“, hatte es übrigens in der dritten „ZDF-Hitparade“ im April 1969 bis auf Platz zwei geschafft, ohne Roy Blacks „Ich denk an dich“ überrunden zu können. Dafür kam Gildo 1972, einen Tag vor Heiligabend, mit dem völlig unweihnachtlichen „Fiesta Mexicana“ auf den Spitzenplatz. Hossa!

Für den 27. April 2019 plant das ZDF zum Jubiläum eine große Sonnabendabendshow in Erinnerung an die großen Tage der „ZDF-Hitparade“. Es moderiert Thomas Gottschalk. Ein Abend, um den alten Käseigel wieder neu zu bestacheln.

Von Matthias Halbig / RND