Donnerstag , 14. November 2019
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Reden und reden lassen: Talkshows sind ein großer Bestandteil im deutschen Fernsehen. Dazu gehört auch die MDR-Talkshow "Riverboot", die es bereits seit 1992 gibt. Quelle: imago images/STAR-MEDIA

Neuer Nachttalk von Domian: Das deutsche Fernsehen hat noch Redebedarf

Lass uns reden: Im deutschen Fernsehen wird viel getalkt. Oder anders – es wird viel geredet und oft wenig gesagt. Am Freitagabend startet nun Domian mit einer neuen Show. Muss das sein? Ja, denn endlich sind mal andere Gäste am Zuge.

In den 90er-Jahren wurde mehr geredet. Zumindest im deutschen Fernsehen. Schon nachmittags wälzten Arabella, Bärbel und Co. öffentlich die kleinen privaten Probleme dieser Welt, die großen politischen Sorgen wurden meist im Abendprogramm diskutiert. Ja, es war schön, als das teilweise unsägliche Gequatsche mit der Zeit leiser wurde.

Viel reden, wenig sagen

Auch heute noch gibt es reichlich Talkshows – von „3 nach 9“ über „Markus Lanz“ bis hin zum „Riverboat“ kann der Deutsche ohne Ende anderen auf den Mund schauen. Nahezu jeden Tag wird ein Polittalk gesendet. Und dabei sind häufig dieselben Politiker zu Gast. 2018 hat Robert Habeck von den Grünen das Ranking der geladenen Gäste in Talkshows angeführt. 13-mal erklärte er in den Sendungen „Menschen bei Maischberger“, „Hart aber fair“ und „Maybrit Illner“ seine Sicht der Dinge. Ihm folgten FDP-Mann Christian Lindner (zehn Auftritte) und Peter Altmaier von der CDU (ebenfalls zehn Auftritte).

Manche mögen‘s, doch es ist bei Weitem nicht immer sehr erhellend, wenn Politikprofis, die sich tagtäglich mit Kommunikation beschäftigen müssen, reden. Nach dem Motto: Viel reden, wenig sagen.

Es gibt im deutschen Fernsehen noch Redebedarf

Am Freitag kehrt nun Jürgen Domian nach einer langen Pause mit einer Livesendung ins WDR-Fernsehen zurück. Er talkt mit nicht prominenten Gästen. Zunächst ist die Sendung auf vier Folgen begrenzt, danach will man weiter schauen, wie es läuft. Die Frage stellt sich, ob es im deutschen Fernsehen tatsächlich noch Redebedarf gibt.

Ja, den gibt es. Denn bei vielen Talkshows kommt eines zu kurz: der ganz normale Gesprächspartner, der Spannendes zu erzählen hat, der ganz alltägliche Sorgen hat, der auch etwas von sich preisgibt. Wenn diese Leute dann auch noch gut interviewt und nicht vorgeführt werden – und das beherrscht Jürgen Domian –, kann eine neue Talksendung durchaus bereichernd sein.

Die Herausforderung für Jürgen Domian ist groß – er kann sich nicht auf seine „Überraschungsgäste“ vorbereiten. Darin besteht der Reiz für den Zuschauer und das Risiko für den Moderatoren. Denn eine Sendung steht und fällt mit den geladenen Gästen. Menschen mit spannenden Geschichten können furchtbar langweilig erzählen und umgekehrt.

Deshalb sind Sendungen wie „Markus Lanz“ oft qualitativ so unterschiedlich. Mal grandios, mal grottig. Eine Talkshow ist für den Zuschauer eine Wundertüte. Und ist nicht das Richtige drin, einfach abschalten!

Von Heike Manssen/RND

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