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Google hat einen Deal mit einem großen Gesundheitsanbieter geschlossen. Quelle: Marc Müller/dpa

Projekt „Nightingale“: Google hat Zugriff auf Millionen Patientendaten

Google wertet in den USA Daten von Millionen Patienten aus. Sie stammen aus einer Kooperation mit einer der größten US-Gesundheitsorganisationen. Weder Ärzte noch Patienten sollen vom „Project Nightingale“ gewusst haben.

Das US-Unternehmen Google hat heimlich die Informationen von Millionen Patienten aus 21 US-Bundesstaaten gesammelt. Dies geschah mittels einer Kooperation mit Ascension, einer der größten Gesundheitsorganisationen der USA, wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Dienstag berichtete. Die Aktion läuft unter dem Decknamen „Project Nightingale“. Laut dem Bericht wurden jedoch weder Ärzte noch Patienten darüber informiert, dass ihre Daten an Google weitergegeben wurden.

Die gesammelten Informationen enthielten demnach sensible Inhalte, wie Laborergebnisse, Diagnosen und Aufzeichnungen über Krankenhausaufenthalte, sowie Namen und Geburtsdaten der Patienten. Laut WSJ hatten bereits mindestens 150 Google-Mitarbeiter Zugriff auf die Daten der Patienten. Google und Ascension haben ihre Zusammenarbeit mittlerweile bestätigt.

Tech-Giganten im Gesundheitswesen

Googles Zusammenarbeit mit Ascension ist laut WSJ der bisher größte Vorstoß eines Tech-Giganten in die Gesundheitsbranche. Google möchte die Daten von Ascension unter anderem nutzen, um neue Software-Anwendungen zu entwickeln. Man wolle Ascension mit Technologien unterstützen, die ihnen helfen, Patienten in den Vereinigten Staaten besser zu versorgen, schreibt Google in einem Blog-Post. Laut dem WSJ hat Google dem Projekt „Nightingale“ Dutzende Entwickler zugewiesen, die ähnliche Systeme entwickeln sollen, um sie an andere Abnehmer im Gesundheitsbereich zu verkaufen.

Google ist nicht der einzige Tech-Konzern, der im Gesundheitssektor tätig ist. Auch Amazon und Apple sehen hier einen lukrativen Markt, wie etwa die EKG-Funktion der Apple-Watch zeigt. Doch ein Deal von dieser Größe ist noch keinem Unternehmen gelungen.

Unternehmen versprechen Datenschutz

Google und Ascension betonen dabei die Rechtmäßigkeit ihres Vorgehens. Dass geschützte Gesundheitsinformationen weitergegeben werden, sei laut Google ein gängiges Verfahren. Beide Unternehmen – Ascension veröffentlichte am Dienstag ebenfalls eine Pressemitteilung – versprechen ausreichenden Datenschutz, der sich an das US-Gesetz HIPAA halte. HIPAA ist für den Schutz von Gesundheitsinformationen zuständig, erlaubt aber grundsätzlich die Weitergabe von Gesundheitsdaten unter bestimmten Bedingungen. Google schreibt zudem: „Patientendaten können und werden nicht mit Verbraucherdaten von Google kombiniert.“

Von Alice Mecke/RND