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„Death Stranding“ ist großes Kino. Quelle: Sony

„Death Stranding“ im Test: So ist das neue Spiel von Star-Entwickler Hideo Kojima

Es wird schon jetzt als Spiel des Jahres gehandelt: In „Death Stranding“ von Hideo Kojima trifft Spielfilm auf Videospiel und Lyrik auf Lieferando. Bepackt wie ein Pizzabote stapft Schauspieler Norman Reedus durch ein zerstörtes Amerika.

Es ist Zeit, sich zurückzulehnen. Wenn in „Death Stranding“ ein neues Kapitel beginnt, verschwimmt die Grenze zwischen Spiel und Spielfilm. In teils länger als zehnminütigen Sequenzen erzählt das neue PS4-Abenteuer von „Metal Gear“-Erfinder Hideo Kojima eine Geschichte, die zunächst Ratlosigkeit auslöst – in jedem Fall lässt „Death Stranding“ aber genug Raum für die Einnahme von Mahlzeiten auf dem Sofa.

Die cineastische Präsentation ist eine der Besonderheiten, die das Spiel des japanischen Star-Entwicklers zu einem der außergewöhnlichsten Titel jüngerer Zeit macht. Von manchen Kritikern wird „Death Stranding“ schon jetzt als Videospiel des Jahres gehandelt. Dabei ist das Gameplay eher simpel. Wo wir uns befinden, was da wann genau passiert, ist zunächst nebensächlich. Im Mittelpunkt steht die düstere, schwer zu fassende Stimmung.

„Death Stranding“: Norman Reedus als Lieferdienst in der Apokalypse

Der Beginn des Spiels erinnert an Lieferando: Hollywoodschauspieler Norman Reedus – bekannt aus der Serie „The Walking Dead“ – stapft als Sam Porter Bridges mit einer großen Box auf seinem Rücken durch ein zerstörtes Amerika. Eine Katastrophe hat die Vereinigten Staaten in eine von Todeswesen bewohnte und mit mystischen, in den Himmel reichenden Seilen ausgeschmückte Apokalypse verwandelt. Die felsige, moosige, menschenleere Einöde in „Death Stranding“ sieht aus wie Island. Tatsächlich holte sich Hideo Kojima – dessen „Metal Gear“-Reihe sich millionenfach verkauften – dort seine Inspiration für die Kulissen der mindestens 30-stündigen Open-World-Odyssee.

Als Bote muss Sam Porter Bridges überlebenswichtige Güter zwischen Städten und Bunkern transportieren. Er soll beim Aufbau der United Cities of America (UCA) helfen. Seine Reisen bewältigt der Held zunächst zu Fuß, später ist er auch mit Motorrädern und Autos unterwegs. Dabei baumelt ihm in einem leuchtenden Glasbehälter ein Embryo auf dem Bauch herum – er warnt ihn vor Gefahren.

Auch Mads Mikkelsen und Guillermo del Toro spielen bei „Death Stranding“ mit

Hauptprotagonist Norman Reedus ist nicht der einzige bekannte Darsteller, der via Motion-Capturing-Technologie im Spiel auftaucht. Unter anderem Mads Mikkelsen („Hannibal“) und Guillermo del Toro (Regisseur von „Shape of Water“) spielen in Form ihrer digitalen Klone mit. Das gab es in anderen Actionspielen zwar auch schon, mit konventionellen Genretiteln hat „Death Stranding“ trotzdem wenig gemeinsam.

Durch die ausgiebigen Filmszenen und zunächst fehlenden Kampfpassagen wirkt das neue Hideo-Kojima-Spiel eher wie eine interaktive Folge der Netflix-Serie „Black Mirror“. Spieler müssen länger darauf warten, ihre erste Waffe in der Hand zu halten, als die Story-Kampagne in manchen „Call of Duty“-Teilen insgesamt dauert.

Spieler sind bei „Death Stranding“ online miteinander verbunden

Dem grafisch beeindruckenden Dystopieszenario wird noch eine interaktive Ebene hinzugefügt. Einen klassischen Multiplayer-Modus besitzt „Death Stranding“ nicht, aber die Spieler sind online vernetzt – innerhalb der Welt. So werden zum Beispiel Leitern, die Spieler über Flüsse bauen, Briefkästen oder Smiley-Schilder, die sie in der Welt von „Death Stranding“ hinterlassen, auch anderen Gestrandeten angezeigt.

Der Gedanke der Vernetzung, der sich auch durch die Handlung zieht, wird dadurch spielerisch intelligent metaphorisiert. Es ist die Poesie, die „Death Stranding“ zu einem modernen Meisterwerk macht, der Spieler aber Zeit geben müssen. Dann wird aus diesem Spielfilm großes Kino, das in seinen besten Momenten philosophische Tiefe erreicht.

„Death Stranding“ ist für die PS4 erhältlich, ab 16 Jahren freigegeben und kostet rund 70 Euro. 2020 soll auch eine Version für den PC erscheinen.

Von Robert Nößler/RND