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Oliver Mommsen hat nach 18 Jahren beim Bremer "Tatort" aufgehört.

Oliver Mommsen: „Ich mag den Macho als Figur, aber als Haltung – nein!”

Man kennt ihn als Bremer „Tatort”-Kommissar, doch seit seinem Ausstieg widmet sich Oliver Mommsen anderen Projekten – unter anderem dem Film „Der beste Papa der Welt”. Im RND-Interview spricht er über das Leben mit seinen Kindern und erklärt, was er von Männern hält, die keine Windeln wechseln.

Der Schauspieler Oliver Mommsen ist vielen aus dem Bremer „Tatort“ bekannt: Schließlich spielte der 50-Jährige 18 Jahre lang an der Seite von Sabine Postel den Ermittler Nils Stedefreund. Dieses Jahr ist er aus der TV-Reihe ausgestiegen und konzentriert sich auf neue Projekte und Filme. Mommsen ist verheiratet und hat zwei Kinder. Am Freitag, 13. Dezember, um 20.15 Uhr ist Mommsen im Film „Der beste Papa der Welt“ in der ARD zu sehen. In der romantischen Komödie spielt Mommsen den egoistischen Arzt Clemens, dessen alleinerziehende Schwester stirbt. So wird er plötzlich zum Adoptivvater dreier Kinder – und ist sichtlich überfordert damit. Im RND-Interview spricht der Schauspieler darüber.

Oliver Mommsen, Sie sind am 13. Dezember im Film „Der beste Papa der Welt“ als Arzt Clemens zu sehen. Etwas klischeebehaftet ist der Plot schon: Der egoistische Arzt wird überraschend zum Adoptivvater – und am Ende geht trotzdem alles gut aus. Warum sehnen wir uns nach einem Happy End?

Wenn wir beim „Tatort“ am Schluss keinen Täter hatten, gab es echt Ärger. Wenn du Leute mit auf eine Reise nimmst, musst du sie auch beenden. Bei dem Genre – einer romantischen Komödie, die ernst anfängt und dann versucht, die Leichtigkeit zu entdecken – hört man am besten mit einem Happy End auf. Es wäre doof, den Leuten da noch mal einen reinzuwürgen.

Mal angenommen, Sie würden drei Adoptivkinder „erben“: Wie würden Sie reagieren?

Ich wäre überfordert. Ich habe jetzt aber schon zwei Kinder, eins ist 22, eins 17 Jahre alt. Die beiden sind gewollt gewesen, und trotzdem kam es unerwartet. Aber heute wäre ich etwas lässiger als Clemens.

Mit Ihren Kindern haben Sie ja jetzt schon einen Großteil der Erziehung überstanden.

Nichts habe ich überstanden! (lacht) Was meinen Sie, was ich in der heutigen Zeit mit Greta Thunberg für ein Thema mit einer 17-Jährigen habe? Man muss nicht mehr jeden Abend zu Hause sein, aber hat andere Themen: Da will einer ins Berufsleben und hat Wünsche und es klappt vielleicht nicht so. Ich glaube, das mit der Erziehung hört auf, aber du bist immer für die Kinder da.

Also bedeutet das lebenslange Verantwortung?

Du kannst jedem Partner, der dich nervt, sagen: „Wir lassen das lieber.“ Das kannst du mit einem Kind nicht. Wenn du bis morgens getanzt hast, und um 7 Uhr will der Kleine bespaßt werden und knallt mit seiner Windel auf dein Gesicht, dann bleibt dir nichts anderes übrig als aufzustehen. Das soll mal ein Partner versuchen – mal abgesehen von der Windel.

Wie Ihre Figur im Film machen Sie Karriere. Wie haben Sie das mit der Vaterrolle vereinbart?

Erst mal hat meine Frau all das möglich gemacht, indem sie sich Berufe ausgesucht hat, die man machen kann, wenn man nicht selten allein mit zwei Kindern dasteht. Ich konnte mir so eine sehr schöne Karriere aufbauen. Aber wenn ich da war, war ich da. Dann ging es auch auf den Spielplatz und dann wurden Glühbirnen ausgewechselt und die Waschmaschinen gewuppt.

Und die Windeln gewechselt?

Windeln wechseln ist eine meiner leichtesten Aufgaben, das vermisse ich fast. Wenn ich da war, dann richtig. Aber ich hatte mit diesem Doppelleben aus Familienvater zu sein, aber auch mal im Hotelzimmer zu machen, was man will, eine besondere Stellung.

Ist denn Männlichkeit und modernes Vatersein gut zu vereinbaren?

Ja. Männer, die keine Windeln wechseln wollen, sollen zurück in ihre Höhle kriechen! Fürs Mittelalter und die Steinzeit ist echt keine Zeit mehr. Was ich empfehle, ist, dass niemand für den Familienwunsch seinen Job aufgibt. Unsere Gesellschaft ist immer noch so, dass selbst eine befreundete Künstlerin gefragt wird, was sie denn da für eine Lücke von fünf Jahren hätte. Die Leitung eines kleinen Familienunternehmens wird immer noch nicht in der Weise geschätzt. Deswegen sollen das verdammt noch mal beide machen. Ich mag den Macho als Figur gern, aber als Haltung – nein!

Bis vor Kurzem waren Sie noch Ermittler im Bremer „Tatort“, jetzt ist bekannt, dass Dar Salim, Jasna Fritzi Bauer und Luise Wolfram übernehmen. Wussten Sie schon länger davon?

Ich wusste es ein bisschen früher, aber jetzt darf ich endlich laut jubeln. Ich finde das eine Spitzenmischung – und mir gefällt die Idee, mit so einer Mockumentary an den Start zu gehen, in der man erst mal mitbekommt, wie aus diesen Menschen „Tatort“-Kommissare werden.

Sind Sie in solchen Momenten traurig, ausgestiegen zu sein?

Nein, der Ausstieg war genau zum richtigen Zeitpunkt. Und das Thema Plastikwaffe ist erst mal für mich durch – ich bin dann jetzt lieber mal auf der anderen Seite.

Also wollen Sie jetzt den Mörder oder Bösewicht spielen?

Nicht nur Mörder, ein Biest, ein richtiges Monster will ich spielen.

Von Hannah Scheiwe/RND