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Tinder ist eine der weit verbreitetsten Dating-Apps - doch es gibt auch neue Alternativen

Tinder adé: Neue Dating-Apps drängen auf den Markt

Mehr als 50 Millionen Nutzer verzeichnet die Dating-App Tinder weltweit. Doch nicht immer kommen die erwünschten Dates zustande. Drei alternative Apps wollen ihre Nutzer häufiger vor die Tür locken.

London. Eine Auswahl aus Hunderten Profilen, Wischen nach rechts oder links, Dutzende Textmessages und immer noch kein persönliches Treffen. Die Nutzung einer Dating-Apps ist heute kaum jemandem peinlich, aber der Weg zu einer langfristigen Beziehung ist immer noch kein einfacher. Die IT-Branche sucht daher nach neuen Möglichkeiten, die Nutzer von ihren Smartphones zu lösen und schneller zu Begegnungen in die reale Welt zu schubsen.

Die Nutzer treffen sich persönlich: Inner Circle

Einer dieser IT-Unternehmer ist David Vermeulen. Er startete 2012 die App Inner Circle, die ihre Nutzer danach auswählt, ob sie stabile Beziehungen suchen. Vermeulen bietet Veranstaltungen in Städten weltweit an, bei denen sich seine zwei Millionen Nutzer persönlich begegnen können. Ihm sei gegen Ende des Jahrzehnts aufgefallen, dass die Menschen „Tinder-müde“ geworden seien, erklärt er. „Sie suchen jetzt etwas Ernsthafteres, etwas Echteres.“

Eine “App zum Löschen”: Hinge

Sein Konkurrent Justin McLeod verfolgt mit der 2011 gestarteten App Hinge das gleiche Ziel: Die Menschen sollen sich offline begegnen. Und so bewirbt McLeod seine App mit dem Slogan, sie sei „entworfen, um sie zu löschen“. Seit 2016 können die Nutzer bei ihm gar nicht mehr wischen, um die Menschen zu bewegen, stärker untereinander zu agieren. Als die Entwickler von den Nutzern hörten, dass diese sich angesichts der großen Auswahl überwältigt fühlten, kam kurzerhand noch eine Funktion hinzu, die die kompatibelsten Kandidaten auflistet. Das helfe den Menschen, schneller persönliche Treffen zu vereinbaren, sagt McLeod.

Inner Circle will als nächstes einen Button für die Funktion „Wollen wir uns treffen“ einführen. „Wenn beide klicken, kann man innerhalb des Chats Tage und Orte auswählen, die wir vorschlagen und dann kommt man wirklich schnell zu einem Date“, erklärt Vermeulen. „Und ich meine damit einen Kaffee. Das ist der erste Schritt. Aber für viele Menschen ist es ein großer Schritt und den wollten wir leichter machen.“ Eher mundfaule Charaktere sollen es künftig schwerer haben. Wer nur ein kurzes „Hi“ an einen anderen schickt, bekommt dann eine automatische Antwort. „Wir werden mitteilen, dass das nicht der beste Start in ein Gespräch ist. Das kannst du besser.“

Partnersuche zwischen Brexit und Klimawandel: OkCupid

Nicht nur die jüngere Generation der App-Unternehmer hat die veränderten Wünsche der Nutzer bemerkt. Eine der ersten Dating-Sites war 2004 in den USA das Angebot OkCupid, das als Website begann und mit Erfindung des Smartphones zu einer App weiterentwickelt wurde. Heute vermittelt OKCupid nach eigenen Angaben rund 50.000 Dates pro Woche. Auch dort bemühen sich die Entwickler, Nutzer herauszufiltern, die gar nicht an persönlichen Treffen interessiert sind. Und die App stellt Fragen. Wer an die alte Regel glaubte, über Politik und Religion sollte beim ersten Kennenlernen nicht gesprochen werden, wird nun eines Besseren belehrt. Denn genau diese Fragen muss der Nutzer beantworten, kann dann aber auch später bei der Suche nach einem Date nach den persönlichen Ansichten der anderen Singles filtern, vom Brexit bis zum Klimawandel.

“In den USA könnten wir nach den Ansichten zur bevorstehenden Wahl fragen. Wir könnten fragen, ob man jemanden kennen lernen möchte, der gar nicht wählt”, erklärt die Marketingchefin von OKCupid, Melissa Hobley.

Neue Märkte in Indien, Thailand und der Türkei

In den USA ist das Online-Dating einer Studie von Pew Research zufolge nichts Ungewöhnliches mehr: Drei von zehn Amerikanern haben schon einmal eine solche Website oder App genutzt. Zwölf Prozent geben an, ihren festen Partner über ein solches Angebot kennengelernt zu haben.

Diese Entwicklung will Hobley weitertragen und nennt unter anderem Indien, die Türkei, Thailand, Japan und Südkorea als spannende Märkte des neuen Jahrzehnts für das Unternehmen. So besuche in Indien inzwischen eine neue Generation von Frauen die Universitäten und sei berufstätig. Sie wollten keine arrangierten Ehen mehr eingehen, sondern ihre eigene Wahl treffen. Hobley sieht noch weitere Vorteile der App. Dort könnten Mitglieder der LGBTQ-Community frei und sicher ihre Wünsche äußern und potenzielle Partner treffen. „Geschätzt beginnen 70 bis 80 Prozent der LGBTQ-Partnerschaften mit einer Dating-App“, sagt die Marketingchefin. LGBTQ ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, Transgender und queer.

Für Hobley zahlt sich ihre Arbeit auch privat aus. Fünf bis 20 Hochzeitsankündigungen und -einladungen erhält sie pro Woche. „Ich sprenge gerne die Party“, sagt sie lachend. „Aber wir schicken auch ein Geschenk.“

AP/RND