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Annette Frier nach der Aufzeichnung der WDR Talkshow "Kölner Treff" (Archivfoto). Quelle: Henning Kaiser/dpa

Annette Frier im Interview: “Mein Mann schmeißt meistens den Alltag zu Hause“

Ab heute ist die zweite Staffel der ZDF-Webserie “FilmFrauen. Die Interviews” mit Annette Frier im Netz abrufbar. Im RND-Interview spricht die Schauspielerin und Komikerin über Gleichberechtigung in der Branche – und darüber, wieso sie sich nicht als “Comedystar” sieht.

Annette Frier, Sie sind in den nächsten Monaten in zahlreichen ZDF-Projekten und -Filmen zu sehen.

Ich habe in Mainz beim ZDF eine kleine Pension im Keller und bin da jetzt total exklusiv verpflichtet. (lacht)

Eins dieser Projekte ist die zweite Staffel von “FilmFrauen. Die Interviews”. Darin geht es auch um Gleichberechtigung in der Film- und Medienbranche. Was haben Sie denn im Beruf an Ungleichberechtigung erlebt?

Glücklicherweise habe ich da persönlich nicht viele unangenehme Situationen erlebt. Das kann aber auch daran liegen, dass ich eine ziemlich große Klappe habe und aufgrund einer amtlichen Comedyschulung durch “Switch”, “Wochenshow” etc. sehr empfindlich reagiere, wenn mir jemand mit Machtspielchenambitionen begegnet. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle noch mal betonen, dass es klare Verhaltensregeln geben muss, unabhängig von Temperament oder Schlagfertigkeit der jeweiligen Person, die betroffen ist. Ein Opfer einer Vergewaltigung beispielsweise darf niemals mit einer Anklage konfrontiert werden à la „Da trägst du aber eine Mitschuld. Du hättest viel früher reagieren müssen …“. Nein heißt Nein, so einfach ist das. Die #MeToo Bewegung hat jedenfalls viel längst überfällige Aufmerksamkeit auf dieses sensible Thema gelenkt. Das ist in jeder Hinsicht gut. Wir überdenken Sprache und stellen viele sogenannte Traditionen infrage, warum denn nicht?

Manche Männer verunsichert diese Bewegung ja.

Ich verstehe diese Verunsicherung, finde sie logisch und nicht weiter schlimm. Es ist ja nur die Aufforderung, dass wir alle mal über ein paar Dinge nachdenken. Und am Ende einer langen Kette stehen dann auch relativ alberne Fragen wie Tür aufhalten, Mantel abnehmen und Stuhl zurechtrücken zur Disposition. Aber darum geht es natürlich nicht wirklich. Sie sind ein kleiner Teil der großen Deklination.

Wie stehen Sie zu solchen “Gentleman”-Gesten?

Mich persönlich muss niemand vorher fragen, ob er mir die Tür aufhalten soll. Es ist aber vollkommen okay, wenn wir uns ab jetzt gesellschaftlich darauf verabreden, dass man fragt. Ich bin dabei.

Sie haben Zwillinge, die schon seit einer Weile zur Schule gehen. Wie war das nach der Geburt und der Elternzeit – sind Sie problemlos zurück in den Job gekommen?

Das ging ganz gut, weil ich das Glück habe, dass mein Mann von zu Hause aus arbeitet. Trotzdem gibt es natürlich immer mal wieder schwierige Situationen. Wenn ein Kind krank ist, gibt es nichts Blöderes als die Tatsache, dass man als Elternteil trotzdem arbeiten gehen muss. Das fühlt sich dann immer wieder falsch an in dem jeweiligen Moment. Das kennt ja jeder. Aber ich glaube, Eltern und Kinder kriegen es trotzdem hin.

Wie ist bei Ihnen die Aufgabenverteilung als Eltern?

Mein Mann schmeißt meistens den Alltag zu Hause, es sei denn ich bin “off Season”, dann übernehme ich!

Neben “FilmFrauen” kommt bald auch die zweite Staffel der Comedyserie “Merz gegen Merz” mit Ihnen heraus. Heute gibt es einige Frauen im Comedybereich, das war nicht immer so. Wie schwer war es für Sie, in der Comedybranche Fuß zu fassen?

Ich wollte früher auf gar keinen Fall Witze machen vor der Kamera. Ich wollte als seriöse Staatsschauspielerin arbeiten und ans Theater gehen. Deswegen war das für mich ganz leicht – es ist einfach so entstanden. Ich war selbst total überrascht. In der Schauspielschule war ich nicht die Komödiantin, sondern die Tragödin.

Wie kam der Wandel?

Das ist alles ein großes Missverständnis, befürchte ich. Die Bezeichnung Comedystar beispielsweise finde ich bis heute befremdlich, da meine Berufsbezeichnung ja eigentlich Schauspielerin ist. Aber hey, es gibt schlimmere Missverständnisse, ich kann sehr gut damit leben.

Sind Sie denn mit den Frauen in der Comedybranche vernetzt?

Klar. So viele sind es ja gar nicht. Heut Abend treffe ich beispielsweise Cordula Stratmann, ursprünglich waren wir irgendwann mal Comedykolleginnen, nun sind wir seit Jahren dicke Freundinnen. Nein, nicht dick, sondern dick, Herrgott! (lacht)

Von Hannah Scheiwe/RND