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Gepanzerte türkische Fahrzeuge sind in der kurdischen Stadt im Norden von Syrien im Einsatz.

Die türkische Invasion macht nicht in Afrin Halt

Innerhalb von zwei Monaten hat die türkische Armee die kurdische Miliz YPG aus Afrin vertrieben. Am Sonntag triumphiert nun Präsidenten Erdogan, als er die Eroberung der Stadt verkündet. Doch damit dürfte die Invasion gegen die Kurden nicht beendet sein. Eine Einschätzung unseres Korrespondenten Gerd Höhler.

Seit Sonntagmorgen kontrollieren die türkischen Streitkräfte nach eigenen Angaben das Zentrum der nordsyrischen Stadt Afrin. Über der Stadt wehe nun die türkische Fahne, meldete Staatschef Recep Tayyip Erdogan triumphierend.

Auch wenn die Kurdenmiliz YPG das zunächst dementierte und von Kämpfen berichtete, scheint die Schlacht um die Stadt entschieden. Hunderttausende Menschen waren zuvor aus Afrin geflohen, vor allem kurdische Familien. Sie fürchten unter türkischer Besatzung um ihr Leben.

Angesichts der endlosen Flüchtlingstrecks klingt es zynisch, wenn Erdogan die Eroberung Afrins als „Befreiung“ bezeichnet. Und die Bilder der von Bomben und Artillerie zerstörten Gebäude wecken erhebliche Zweifel an der Darstellung der türkischen Regierung, wonach sich bei der Offensive kein einziger Zivilist „eine blutige Nase“ geholt habe.

Nächstes Ziel könnte der Nordirak sein

Erdogan wird sich mit der Eroberung Afrins nicht zufrieden geben. Er plant, seine Invasion auch östlich des Euphrat auszudehnen und einen rund 400 Kilometer langen Streifen Nordsyriens an der Grenze zur Türkei unter seine Kontrolle zu bringen. Und danach, so hat Erdogan bereits angekündigt, werde die türkische Armee auch im Nordirak einmarschieren, um die dortigen Stützpunkt der kurdischen PKK zu zerstören.

Mit seinen Feldzügen riskiert Erdogan, dass der Kurdenkrieg im eigenen Land wieder aufflammt. Schon in der Vergangenheit hat die PKK bewiesen, dass sie ihren Terror mit Selbstmordattentaten auch in den Westen der Türkei und die Tourismuszentren tragen kann.

Erdogans Forderung, die Nato müsse der Türkei bei ihrer Offensive in Syrien beistehen, klingt zwar absurd. Doch tatsächlich darf die Allianz nicht länger untätig zusehen. Sie muss den türkischen Staatschef zur Ordnung rufen. Denn mit seinen militärischen Abenteuern gefährdet Erdogan die politische Stabilität seines Landes und damit die Verteidigungsbereitschaft der Allianz.

Die Bundesregierung genehmigte Rüstungslieferungen

Das darf auch die Europäische Union nicht kalt lassen. Das Thema gehört deshalb ganz oben auf die Tagesordnung des Spitzentreffens, zu dem Erdogan in einer Woche im bulgarischen Varna mit führenden EU-Politikern zusammenkommen will.

Deutschland ist in besonderer Weise von der Entwicklung in Syrien betroffen. Denn Erdogans Invasion schürt auch Konflikte zwischen Türken und Kurden in Deutschland. Es ist deshalb völlig unverständlich, dass die Bundesregierung auch nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Syrien Rüstungslieferungen an Ankara genehmigte, entgegen anderslautenden Zusicherungen des früheren Außenministers Sigmar Gabriel.

Gibt es vielleicht doch einen schmutzigen Deal im Zusammenhang mit der Freilassung des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel? Die Bundesregierung rechtfertigt die Lieferungen unter anderem mit Nato-Verpflichtungen. Doch in Syrien verteidigt die Türkei nicht die Nato, im Gegenteil: Mit seinem Krieg gegen die Kurden schwächt Erdogan das Bündnis. Weitere deutsche Rüstungslieferungen sind deshalb jetzt das völlig falsche Signal.

Von Gerd Höhler/RND

3 Kommentare

  1. Na prima. Unser Natopartner dringt völkerrechtswidrig in ein Land ein, besetzt Städte und unsere „mächtigste Frau der Welt“ glotzt zu und redet von „Verteidigungsmassnahmen.“
    Ich weiß nicht, wo das alles noch hinführen soll.

  2. So war ihr Verhalten doch nicht so selbstlos wie es schien: heute weiß man, dass die deutsche Rüstungsindustrie der größte Gewinner dieser Zusammenarbeit war, so empfahlen doch die kaiserlichen Offiziere, die der Sultan Abdülhamid ab 1882 als Militärberater ins Land holte, selbstverständlich Kanonen von Krupp und anderen deutschen Rüstungsfirmen.

  3. “ Er plant, seine Invasion auch östlich des Euphrat auszudehnen und einen rund 400 Kilometer langen Streifen Nordsyriens an der Grenze zur Türkei unter seine Kontrolle zu bringen. Und danach, so hat Erdogan bereits angekündigt, werde die türkische Armee auch im Nordirak einmarschieren, um die dortigen Stützpunkt der kurdischen PKK zu zerstören.“
    Ist der von allen guten Geistern verlassen? Die 400km sind nicht die Türkei, sondern syrisches, bzw irakisches Gebiet.Er hat dort NICHTS verloren!Wo bleibt die Nato und verhindert ein neues Blutvergiessen?