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Zerstörter Vorort: Die Stadt Duma liegt nach den Kämpfen in Trümmern.

Chemiewaffenexperten dürfen nun doch nach Duma

Zunächst waren sie von russischen und syrischen Behördenvertreter von ihrer Untersuchung abgehalten worden. Jetzt dürfen die unabhängigen Chemiewaffenexperten der OPCW doch nach Duma.

Das Ermittler-Team der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) soll nach russischen Angaben nun am Mittwoch nach Duma reisen können. Das kündigte der russische Botschafter Alexander Schulgin am Montagabend in Den Haag an.

Die neun Experten sollen den mutmaßlichen Giftgasanschlag in dem syrischen Ort untersuchen. Sie waren am Sonnabend in Damaskus eingetroffen, bekamen aber bislang keinen Zutritt zu dem Ort, an dem am 7. April möglicherweise Chemiewaffen eingesetzt worden waren.

Großbritannien hatte Russland und Syrien bei einer Sondersitzung des Exekutivrates der OPCW vorgeworfen, die Ermittlungen zu blockieren. Das aber wies der russische Diplomat entschieden zurück. Er begründete die Verzögerung mit „Sicherheitsfragen“.

Russland will sich nicht in Untersuchungen einmischen

Bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf Duma sollen mindestens 40 Menschen getötet worden sein. Bis zum Wochenende war Duma die letzte Stadt nahe Damaskus unter Kontrolle von Rebellen gewesen. Mittlerweile befindet sie sich wieder unter Regierungskontrolle.

Die USA und Frankreich hatten erklärt, Beweise dafür zu haben, dass dabei Giftgas zum Einsatz gekommen sei und das syrische Militär dahinterstecke. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hat dementiert, jemals Chemiewaffen eingesetzt zu haben.

Das OPCW-Team war kurz vor den amerikanisch-britisch-französischen Luftangriffen in Syrien eingetroffen. Russland und die syrische Regierung hatte den Besuch der Chemiewaffenexperten zunächst noch willkommen geheißen.

Der stellvertretende syrische Außenminister Faissal Mekdad sagte am Montag, sein Land sei „vollkommen bereit“, mit dem Untersuchungsteam der OPCW zusammenzuarbeiten. Die russische Botschaft in den Niederlanden erklärte, Russland stehe nach wie vor zu seinem Bekenntnis, die OPCW ihre Arbeit in Syrien machen zu lassen und garantiere, sich nicht in die Arbeit einzumischen.

May verteidigt britische Beteiligung an Militärschlag

Die syrische Opposition und Aktivisten haben die Präsenz russischer Kräfte in Duma kritisiert. Sie befürchten, dass Beweise für den Gebrauch von Chemiewaffen nicht länger gefunden werden könnten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Montag in einem BBC-Interview, dass sich Russland in keiner Weise vor Ort in die Beweissuche einmische.

Die britische Premierministerin Theresa May sah das ganz anders. Vor dem Unterhaus in London warf sie Syrien und ihrem Unterstützer Russland vor, zu versuchen, die Umstände des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs zu vertuschen.

May verteidigte gleichzeitig die britische Beteiligung an dem Militärschlag. „Wir haben das nicht getan, weil uns Präsident Trump darum gebeten hat, sondern weil es das Richtige war, was zu tun war – und wir sind nicht alleine“, sagte sie. Einige britische Parlamentarier hatten kritisiert, May hätte das Unterhaus zunächst um Zustimmung für den Schlag bitten müssen.

Von RND/dpa

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