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Die griechische Verteidigungsminister Kammenos bezeichnet den türkischen Staatschef als „Irren“ und droht, die griechischen Streitkräfte würden die Türken „zerschmettern“ und „zerquetschen“.

Griechenland und Türkei streiten um Ägäis-Inseln

Die Türkei und Griechenland sind auf Konfrontationskurs. Beide Länder erheben Anspruch auf Felseninseln in der Ägäis. Den wollen sie notfalls militärisch durchsetzen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass einer der Nato-Partner nachgeben könnte.

Fourni ist eine Inselgruppe in der östlichen Ägäis, rund 50 Kilometer vor der türkischen Küste. Hier liegt der jüngste Brennpunkt der griechisch-türkischen Spannungen. Wie zuletzt 1996, als die beiden Nato-Partner im Streit um die Imia-Felseninseln an den Rand eines Krieges gerieten, könnte nun bei Fourni der Kalte Krieg in der Ägäis zu einem heißen Konflikt eskalieren.

Der griechische Vize-Verteidigungsminister Fotis Kouvelis sieht sein Land bereits in einem „nicht erklärten Krieg“ mit der Türkei. Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte am Dienstag bei einem Besuch aus Kastellorizo, Griechenlands östlichster Insel, nur drei Kilometer vor der türkischen Küste: „Wir bedrohen niemanden, aber wir haben auch vor keinem Angst.“

200 Menschen leben auf der Hauptinsel

Seit Jahrzehnten streiten die beiden historisch verfeindeten Nato-Partner um die Hoheitsrechte in der Ägäis. Mindestens 18 griechische Inseln reklamiert die Türkei für sich. Dazu gehört auch Fourni. Noch wird nicht scharf geschossen. Aber Fourni ist seit einigen Tagen Schauplatz eines Flaggenkrieges. Nur rund 200 Menschen leben auf der Hauptinsel sowie den Nachbarinseln Thymena und Agios Minas.

Zu der Gruppe gehören außerdem rund 30 unbewohnte Felseneilande. Auf fünf davon landeten am vergangenen Freitag drei junge Griechen mit einem Sportboot und hissten die griechische Fahne – wie sie sagen, zu Ehren des griechischen Kampfpiloten Giorgos Baltadoros, der vergangene Woche nach einer Verfolgungsjagd türkischer Militärmaschinen über der Ägäis tödlich verunglückte.

Griechische Patrouillenboote vor Fourni

Den Türken entging die Beflaggung nicht. Am Montag meldete Ministerpräsident Binali Yildirim in Ankara, ein Kommando der Küstenwache habe eine griechische Fahne von einer umstrittenen Felseninsel in der Ägäis entfernt. Der türkische Premier warnte Griechenland, auf „Provokationen und Hetze“ zu verzichten.

Der Athener Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos konterte: Yildirim sei es, der provoziere; Griechenland lasse es nicht zu, dass seine Hoheitsrechte infrage gestellt werden. Inzwischen fährt die griechische Küstenwache Patrouillen um die Fourni-Inseln. „Alle Fahnen sind an ihrem Platz“, zitierte am Dienstag der Athener Fernsehsender „Skai“ eine „ranghohe Quelle“ im Marineministerium.

Athens Verteidigungsminister droht mit markigen Worten

Der Fall erinnert an den Konflikt um die Imia-Felseninseln im Januar 1996. Auch damals begann es mit einem ganz ähnlichen Flaggenstreit. Er eskalierte binnen weniger Tage zu einem Flottenaufmarsch, auf dessen Höhepunkt sich bei Imia 15 griechische und 18 türkische Kriegsschiffe gefechtsbereit gegenüber standen.

In nächtlichen Telefonaten mit Athen und Ankara gelang es dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, die beiden Verbündeten zum Rückzug ihrer Streitkräfte zu bewegen. Beigelegt ist der Streit aber nicht: Erst kürzlich erneuerte die Türkei ihre Ansprüche auf Imia. Im Februar rammte die türkische Küstenwache dort ein griechisches Patrouillenboot.

Jetzt verhärten sich die Fronten. Das liegt nicht nur an der zunehmend aggressiven Außenpolitik des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Auch Athen geht auf Konfrontationskurs. In der Türkei-Politik profiliert sich der rechtpopulistische Verteidigungsminister Panos Kammenos mit scharfen Tönen: Kammenos bezeichnet den türkischen Staatschef als „Irren“ und droht, die griechischen Streitkräfte würden die Türken „zerschmettern“ und „zerquetschen“. Der tödliche Absturz des griechischen Kampfpiloten Baltadoros zeigt, wie schnell aus solchen kriegerischen Reden blutiger Ernst werden kann.

Von Gerd Höhler/RND

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