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Ein Foto, das für Wirbel sorgt: Die Fußballer Ilkay Gündogan und Mesut Özil posieren mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

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Mangelnder politischer Instinkt? Zweifelhafte Loyalitäten? Die Wahrheit hinter dem Treffen der deutschen Nationalspieler Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ist im Zweifel viel trivialer, meint unser Gastkommentator.

 Wie instinktlos muss man eigentlich sein, um sich für einen Autokraten wie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen Wahlkampf einspannen zu lassen?

Oder muss man sagen, wie blöd?

Die beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan müssen demnächst beim DFB antreten. Zu einer internen Aussprache. Wie die ausgehen wird, hat bereits DFB-Teammanager Oliver Bierhoff vorgegeben: „Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst.“ Das mag sein. Die beiden Spieler sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie intellektuelle Überflieger sind. Müssen sie auch nicht sein. Und man mag ihnen glauben, dass sie sich nicht bewusst waren, welchen Sturm der Entrüstung sie auslösen würden, als sie mit ihren Trikots und Erdogan in einem Londoner Nobelhotel für die Fotografen posierten. Immerhin hat Herr Gündogan inzwischen eingesehen, dass die Kritik „berechtigt“ ist. Die Integrationsdebatte, die er losgetreten hat, kann er damit nicht stoppen.

Die Wahrheit dürfte, wie so oft im Leben, trivialer sein. Fußballstars sind nicht nur zum Toreschießen da, sondern auch, um Millionen zu verdienen. Auch für ihre Berater und Vermarkter. So helfen die von der islamisch-konservativen AKP-Partei millionenfach verbreiteten Fotos nicht nur Erdogan im Wahlkampf, sondern auch dem Geschäft.

Wetten, dass sich die Trikots von Özil und Gündogan gerade wieder prächtig verkaufen? Nicht nur in der Türkei. Auch bei uns in Deutschland, wo bei der letzten Wahl fast 60 Prozent der wahlberechtigten Türken für Erdogan stimmten.

Udo Röbel ist Autor in Berlin.

Von Udo Röbel

3 Kommentare

  1. ‚Ich trete hiermit sofort aus der Nationalmannschaft zurück'“ Sandro Wagner. Ein Vorbild.
    Diese Größe vermisse ich hier..Falschspieler?!

  2. Norbert Kasteinecke

    In diesem Fall, der kurz vor der Fußball-WM in Russland große Aufregung verursacht, dürften aber auch zwei Herzen in der Brust des Bundestrainers schlagen – fühlt sich Joachim Löw der Türkei doch eng verbunden. 1998 übernahm er nach seiner Zeit beim VfB Stuttgart den Trainerjob bei Fenerbahce Istanbul. Eingefädelt hatte diesen überraschenden Wechsel damals Harun Arslan, der seitdem Joachim Löws Berater ist und in 20 gemeinsamen Jahren zum engen Vertrauten und Freund wurde.

    Der türkischstämmige Arslan betreibt in Hannover die ARP Sportmarketing GmbH, die gemeinsam mit der Kooperationsfirma Family & Football die Klienten betreut. Und zu diesen Klienten gehören neben Joachim Löw auch Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Als Berater arbeiten dort auch Ilhan Gündogan, der Onkel von Ilkay Gündogan, sowie ­Mutlu Özil, der Bruder von Mesut Özil.
    Quelle: Stuttgarter Zeitung

    Herr Löw war über die persönliche Beziehung zu Winfried Kretschmann einer von 80 Delegierten, die das Bundesland Baden-Württemberg entsendet, auf der Liste der Grünen Landtagsfraktion gelandet.

    Rückgrat?

    Nun denn.

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