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Die Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Sebastian Kurz (rechts) sind kompliziert (Archivfoto).

Österreich: Oberst soll jahrzehntelang für Russland spioniert haben

Österreich hat offenbar einen Spion enttarnt, der viele Jahre lang Informationen für Russland beschafft hat. Es ist der zweite solche Fall in kurzer Zeit.

Österreich verdächtigt einen pensionierten Oberst, jahrzehntelang für Russland spioniert zu haben. Der nicht namentlich genannte 70 Jahre alte Mann habe einem russischen Nachrichtendienst vermutlich Informationen über Militär und Politik in Österreich gegeben. „Dieses Vorgehen könnte nach den vorliegenden Informationen in den neunziger Jahren begonnen und bis 2018 angedauert haben. Das bedeutet, dass ein Spionagefall vorliegt“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow beschuldigte Wien der „Mikrofondiplomatie“. Österreich habe „öffentliche Anschuldigungen“ gemacht und „eine Erklärung für eine Angelegenheit gefordert, über die wir nichts wissen“. Wenn ein Land Sorgen habe, solle es im Einklang mit internationalem Recht direkt um eine Erklärung bitten, sagte Lawrow.

Brisantes Verhältnis zu Putin

Der österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek sagte, ein befreundeter europäischer Nachrichtendienst habe Wien vor mehreren Wochen wegen des mutmaßlichen Spions gewarnt. Der Oberst sei vor fünf Jahren pensioniert worden. Seine elektronischen Geräte, darunter ein Laptop, würden untersucht. Seine Kontaktpersonen seien an Waffensystemen, Zuwanderung nach Österreich und österreichischen Persönlichkeiten interessiert gewesen, habe der mutmaßliche Spion aus Salzburg gesagt.

Die österreichische Außenministerin Karin Kneissl habe den österreichischen Vertreter ins Außenministerium zitiert und ihre geplante Reise nach Russland abgesagt, sagte Kurz. Kneissl hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu ihrer Hochzeit im August eingeladen und dafür Kritik geerntet.

Gefahr für Beziehungen zwischen EU und Russland

„Im Moment verlangen wir von der russischen Seite transparente Information“, sagte Kurz. Auf Basis der vorliegenden Informationen könne davon ausgegangen werden, dass der Verdacht gegen den Oberst bestätigt werde.

Der Vorfall und kürzlich erhobene Vorwürfe mutmaßlicher russischer Spionage in den Niederlanden verbesserten nicht die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union, sagte der Kanzler, dessen Regierung derzeit den EU-Vorsitz innehat.

Von RND/AP