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Bernd Althusmann fordert einen sachlichen Umgang der CDU mit der AfD. Foto: t&w

Worthülsen der AfD entlarven

In der CDU war während der Kandidatenkür eine wachsende Begeisterung zu spüren. Wird diese Euphorie auch bei den Wählern wirken?
Bernd Althusmann: Der Funke wir d hoffentlich überspringen. Der Schwung, der die Partei in den letzten Wochen erfasst hat, wird weitertragen. Wir erleben derzeit eine Aufbruchstimmung, die wir seit einigen Jahren so nicht hatten. Etwas überspitzt formuliert: Angela Merkel war über viele Jahre quasi unser Programm. Nun hat es eine Zäsur gegeben, in deren Folge die CDU auf allen Ebenen in einer ganz neuen Art und Weise miteinander debattiert hat. Das war quasi ein wieder erwachtes, neues Lebensgefühl für viele in der CDU. Es tat uns allen – auch mir persönlich – sehr gut.

Sollte die Partei die neuen Elemente wie Dialogformate und Regionalkonferenzen dauerhaft übernehmen?
Unbedingt. Es ist für eine lebendige Partei enorm wichtig, wenn sie sich stetig der Debatte mit tausenden Mitgliedern stellt, nicht zuletzt werden die Parteiziele im Feuer der inhaltlichen Nachfragen gehärtet und sehr konkret. Dabei gilt es auch, die neuen Medien einzusetzen, um bei interessierten Bürgern die Lust auf Mehr zu wecken.
Meine Lust auf CDU ist jedenfalls in den vergangenen Wochen weiter gestiegen. Auch, weil wir sehr viele junge Menschen bewegen konnten, sich an den Debatten zu beteiligen. Wir haben europaweit mit der Jungen Union nicht nur die größte Jugendorganisation Europas, sondern haben bewiesen, dass wir die letzte verbliebene Volkspartei sind. Was wurde nicht alles über die Erosion der Volksparteien geschrieben. Für die CDU wird dies aus meiner Sicht nicht gelten. Die letzten Wochen haben das Gegenteil bewiesen. Rund 1800 Neumitglieder sind im Zuge der bundesweiten Regionalkonferenzen eingetreten.

In den Wahlgängen zeigten sich zwei nahezu gleich starke Lager, die man grob vielleicht so skizzieren könnte: Die einen wollen die Ära Merkel fortführen, die anderen sie überwinden. Muss Annegret Kramp-Karrenbauer da einen unmöglichen Spagat absolvieren?
Annegret Kramp-Karrenbauer wird eigene Schwerpunkte setzen. Im Gegensatz zur SPD haben wir gute Erfahrungen mit Saarländern gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass sie sich in Kurs und Inhalten der Partei auch vom bisherigen Kurs absetzen wird. Einige Punkte hat sie bereits benannt, von der doppelten Staatsbürgerschaft über die jetzt auf den Weg zu bringende Abschaffung des Solidaritätszuschlags bis hin zum Ausländerrecht. Man sollte Annegret Kramp-Karrenbauer nicht unterschätzen. Sie ist eine Brückenbauerin, die in die Partei hinein, aber auch außerhalb wirken wird. Insofern kann ich mit dieser Wahl gut leben, auch wenn ich glaube, dass es in der niedersächsischen CDU womöglich eine leichte Mehrheit für Friedrich Merz gegeben hat. Das Signal des knappen Wahlergebnisses in Hamburg heißt aus meiner Sicht, dass wir nun Friedrich Merz stärker in die Partei einbinden müssen – auf welchem Weg, das muss die Bundesvorsitzende entscheiden.

Also reicht der Aufstieg von Paul Ziemiak zum neuen Generalsekretär, der beim Parteitag „viele Enttäuschte“ erkannt hatte, und Jens Spahn im Präsidium nicht, um die Konservativen in der Partei einzubinden?
Wir sollten dieses ehrliche Ergebnis des Hamburger Parteitags mit einem Stimmenvorsprung von gerade einmal 35 Stimmen ernst nehmen und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es muss der CDU insgesamt besser gelingen, den Flügeln der Partei Gehör zu verschaffen und sie einzubinden. Es darf nicht vieles hinter manchmal recht allgemeinen Aussagen verschwinden. Das Erfolgsrezept für die Zukunft lautet: Gut regieren und gleichzeitig klare Positionen beziehen, die die Bürger auch verstehen können.

Politik darf konfliktreich sein, wenn es um Inhalte und nicht nur um Eitelkeiten geht, wie etwa beim Streit um Hans-Georg Maaßen oder zwischen den Unionsgeschwistern im Sommer.

Die SPD hadert noch heute mit der Agenda 2010. Wird Merkels Entscheidung vom Sommer 2015, die auf der Balkanroute gestrandeten Flüchtlinge einreisen zu lassen, ein ähnlicher Stachel im Fleische der Union werden?
Die Bewältigung der Flüchtlingskrise bleibt eine große Herausforderung für die Bundesregierung, aber ebenso für die Länder und Kommunen.

Dabei müssen wir eingestehen, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern nicht ausreichend deutlich gesagt haben, wie wir die Flüchtlingskrise bewältigen können. Viele Menschen haben sich mit ihren Sorgen alleine gefühlt.
Klar ist, dass wir zu Humanität und Schutz gegenüber Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen, schon aufgrund der deutschen Geschichte verpflichtet sind. Zudem gilt aber mit Blick auf die Erwartungen der Bevölkerung auch, dass wir eine klare Ordnung im Aufenthaltsrecht benötigen. Das betrifft die Anerkennung von Schutzsuchenden, aber auch die Abschiebung von solchen ohne Bleibeperspektive.

Wird in der CDU künftig eher die Leitkultur betont werden als das „Wir schaffen das“?
Man sollte den Begriff Leitkultur nicht überfrachten, aber wir sollten uns tatsächlich stärker ins Gedächtnis rufen, was die deutsche Gesellschaft eigentlich zusammenhält, welche Werte uns wichtig sind. Sich seiner eigenen Identität zu vergewissern, gehört zur Demokratie in Deutschland. Und diese Demokratie und der heute erreichte Wohlstand unseres Landes sind es allemal wert, sich dafür mit ganzer Kraft einzusetzen.

Werden ehemalige CDU- und jetzige AfD-Wähler allein deshalb zurückkehren, weil die Frau, die für den sogenannten Kontrollverlust von 2015 steht, ihre letzten Runden dreht?
Wir haben alle Chancen, einen erheblichen Teil an Unzufriedenen für die CDU zurückzugewinnen, wenn wir eine sehr stringente, konsequente, aber auch dem Humanitären verpflichtete Politik machen. Diese sollte vor allem darauf setzen, dass die Menschen in ihren Heimatländern bleiben können, weil sie dort Perspektiven haben. Dass die AfD Ängste schürt, ist unbestritten. Das erlaubt uns aber nicht, reflexhaft abwehrend zu agieren. Wir müssen stattdessen die leicht widerlegbaren Argumente der AfD als das entlarven, was sie oft sind: Worthülsen. Ich wünsche mir dennoch einen respektvollen Umgang aller Parteien miteinander. Ein bloßes Hickhack hilft niemandem.

Aber nun geht die AfD nicht gerade respektvoll mit Ihnen um…
… das ist unzweifelhaft richtig. Aber wir werden die AfD eher durch eine klare, sachliche Auseinandersetzung entzaubern als dass wir mit gleicher Münze heimzahlen. Es wird nicht reichen, die Partei in die rechtsextreme Ecke zu stellen. Vielmehr müssen wir den Menschen in unserem Land wieder stärker das Gefühl geben, dass sie nicht vergessen wurden, dass etwa die ländlichen Räume nicht z.B. verkehrstechnisch abgehängt sind. Wir müssen den Menschen, die durch Strukturwandel und Umbrüche in Schwierigkeiten geraten sind, Perspektiven vermitteln.
Deshalb muss die CDU künftig bestimmten Zukunftsthemen mehr Raum geben. Etwa einen guten Weg zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden, um dem Umwelt- und Klimaschutz Rechnung zu tragen. Ebenso müssen wir uns der technologischen Herausforderung der Digitalisierung stärker widmen und dürfen dabei die Technologien immer nur als Unterstützung und nicht als generellen Ersatz menschlicher Arbeit verstehen.

Merkel gelang als erster im Kanzleramt, einen Nachfolger aufzubauen. Hält sie auch bis 2021 durch, um einen würdevollen Abgang zu erhalten?
Sie hat mit einer unvergleichlichen Haltung und Würde den Parteivorsitz übergeben, dabei sehr souverän über den Zeitpunkt entschieden. Und es obliegt ihr, in einer ebensolchen Würde und Souveränität zu entscheiden, wann sie die Kanzlerschaft übergeben will. Ich gehe im Moment davon aus, dass sie wie angekündigt bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben wird. Sie wird von vielen Bürgern wertgeschätzt und gilt im Ausland als mächtigste Frau der Welt.

Wir sind ihr als Partei zu tiefem Dank verpflichtet, viele werden sie noch vermissen. Und dennoch: Jetzt ist eine neue Epoche für die CDU mit Annegret Kramp-Karrenbauer angebrochen.

Wie kann sich AKK profilieren? Sie darf im Bundestag nicht reden.
Es wird in der Tat eine Herausforderung für sie, da sie nicht in der Regierung und nicht im Bundestag sitzt. Zugleich bedeutet dies aber auch eine gewisse Freiheit. Annegret Kramp-Karrenbauer muss nicht die Verantwortung für jede Entscheidung der großen Koalition schultern. Und sie hat ja bereits klar gemacht, dass sie sich mehr Einbindung der Parteispitze in die politischen Entscheidungen der Regierung wünscht. Sie wird ein gewichtiges Wort mitreden. Und das wird auch von ihr erwartet, um das Profil der CDU zu schärfen.

Das wird im Übrigen auch der SPD nutzen, eine stärkere Unterscheidbarkeit herzustellen. Da dies im Endeffekt die politischen Ränder links und rechts schwächen wird, sollte eine Prämisse in der großen Koalition bleiben, der SPD Luft zum Atmen zu lassen.

Entscheiden die Europawahlen und drei Landtagswahlen im Osten darüber, ob AKK eine Epoche oder eine Episode wird?
Die Europawahlen haben für die CDU eine hohe Priorität. Es gilt, den Vormarsch der Rechtspopulisten zu verhindern, die Europa auseinandertreiben wollen. Das Chaos, in das Großbritannien derzeit leider abgleitet, zeigt, wie grundlegend wichtig Europa als Friedens-, Stabilitäts- und Wohlstandsversprechen ist. Die Landtagswahlen in den östlichen Bundesländern werden eine direkte Auseinandersetzung mit der AfD bringen. Deshalb wird die CDU in die Wahlkämpfe mit ihrer ganzen Kraft gehen, um die Bürger davon zu überzeugen, dass Rechtspopulismus nicht die Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft ist.

Wenn die CDU wieder 35 bis 40 Prozent der Stimmen erhalten will, wird sie dies nicht über akademische Debatten schaffen, sondern über die Lösung konkreter Probleme vor Ort.

Bei den Europawahlen und den Landtagswahlen wird entscheidend sein, den Menschen den Mehrwert von Europa zu vermitteln, damit sie nicht Parolen glauben, die dort alles Übel verorten.

Ich bin mir zwar sicher, dass wir bei diesen Wahlen gute Ergebnisse erzielen werden, würde sie aber nicht zu einer Abstimmung über die neue Parteiführung erklären. Gute Wahlergebnisse haben immer viele Ursachen, weniger gute ebenso.

Von Joachim Zießler

Zur Person

Bernd Althusmann (52) ist seit November 2017 niedersächsischer Wirtschaftsminister und stellvertretender MInisterpräsident. Ein Jahr länger ist er bereits CDU-Landesvorsitzender. Auf dem Hamburger Bundesparteitag wurde er als Nachfolger von David McAllister mit 68,7 Prozent ins Präsidium der Bundespartei gewählt.

48 Kommentare

  1. Es wird nicht reichen, die Partei in die ,,rechtsextreme Ecke,, zu stellen, obwohl diese Aussage stimmt?
    es ist doch völlig egal gewesen , wer regiert , die armen werden ärmer die reichen reicher. was hat sich denn wirklich verbessert? das gesundheitswesen, das rentenwesen, die schulen, die umwelt, die wirtschaft,die pflege, usw? es wird kluggeschissen auf teufel komm raus und man wundert sich über die entstehung einer partei, wie der afd?

  2. Worthülsen der AfD entlarven und von den anderen Parteien nicht?

  3. Sehr geehrter Herr Alhusmann,

    Sie haben etwas gegen Worthülsen!

    Sie sagen: „Es darf nicht vieles hinter manchmal recht allgemeinen Aussagen verschwinden. Das Erfolgsrezept für die Zukunft lautet: Gut regieren und gleichzeitig klare Positionen beziehen, die die Bürger auch verstehen können.“

    Welche Gedanken Sie wohl in der Worthülse „gut regieren“ wähnen, wäre mal eine vorweihnachtlich wahrhaftige Antwort wert.

    Aber kommen wir zum zweiten Teil Ihres „Statements“. Ihr „Erfolgsrezept für die Zukunft lautet: klare Positionen beziehen, die die Bürger auch verstehen können.“

    Und jetzt schauen Sie sich bitte einmal das geist- und gedankenlose Gestöber vollkommen inhaltsleerer Klanghülsen an, welches Ihr locker aufgeschäumtes Nullitätsgeblubber durchwogt. Dort kommen vor:

    Der „überspringende Funke“, der „weitertragende Schwung“, die „Aufbruchstimmung“, das „neue Lebensgefühl“, die „wachsende Begeisterung“, die „ganz neue Art und Weise“, die „im Feuer der inhaltlichen Nachfragen gehärteten Parteiziele „, die „geweckte Lust auf Mehr“, die „letzte verbliebene Volkspartei“, das „eigene Schwerpunkte Setzen“, eine „Brückenbauerin, in die Partei hinein“, ein „stärker in die Partei eingebundener Friedrich Merz“, das „den Flügeln der Partei Gehör Verschaffen“, „Inhalte und nicht nur Eitelkeiten“, „Menschen mit ihren Sorgen“, „Werte, welche uns wichtig sind“, die “ der eigenen Identität Vergewisserten“, ein „respektvoller Umgang aller Parteien miteinander“, die „sachlich entzauberte AfD“, die nicht „in die rechtsextreme Ecke Gestellten“, die „Menschen in unserem Land“, die „vermittelten Perspektiven“, „Zukunftsthemen, denen mehr Raum gegeben wird“, der „Umwelt- und Klimaschutz, dem Rechnung getragen wird“, die „Einbindung der Parteispitze“, ein „gewichtiges Wort, das mitgeredet wird“, das „Profilschärfen“, das „Unterscheidbarkeitherstellen“, das „politische Ränder Schwächen“, die „Luft zum Atmen „, die „hohe Priorität der Europawahlen“, „Europa als Friedens-, Stabilitäts- und Wohlstandsversprechen“, „Rechtspopulismus ohne Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft“, die Mahnung: „keine akademischen Debatten schaffen, sondern Lösung konkreter Probleme vor Ort“, die „Menschen, denen der Mehrwert von Europa vermittelt“ wird, der Spruch: „Wahlergebnisse haben viele Ursachen“, … bla bla bla etc. pp.

    Sehr geehrter Herr Althusmann, sind Sie schon einmal in einen dichteren Hagel von Phrasen, Floskeln, Plattitüden und Nichtssagendem geraten als in Ihren Antworten in dem obenstehenden Interview mit Herrn Zießler?

    Warum, Herr Althusmann, fällt es Ihnen so schwer, Herrn Zießler klare Antworten zu geben, die die Bürger auch verstehen können?

    Ist wirklich „die Bewältigung der Flüchtlingskrise“ die „große Herausforderung für die Bundesregierung, aber ebenso für die Länder und Kommunen“?

    Und ist „Merkels Entscheidung vom Sommer 2015, die auf der Balkanroute gestrandeten Flüchtlinge einreisen zu lassen“, wirklich ein „Stachel im Fleische der Union“? Ist Merkel in Wahrheit nicht in einer ganz anderen Frage gescheitert? Sie ist wie kein anderer EU-Staatschef in die politische Rolle hineingestolpert, gesamteuropäische Verantwortung zu übernehmen. Es hieß immer: Ohne sie geht nichts. Und das ist dann Europapolitik. Versagt hat Merkel aber genau in dieser Frage: Sie hat keine europapolitische Vision gehabt. Sie wusste nicht, wo sie hinwill, aber sie musste ständig schauen, dass nicht alles zusammenbricht. Sie hat eine komplizierte Balance des Status quo aufrechterhalten. Man kann sagen: Es gab für sie kein Morgen, sondern nur eine Verlängerung des Heute.

    Kein Nationalstaat kann die Probleme der Migration allein lösen. Alle Probleme, die wir heute haben, entstehen auf nachnationaler Ebene. Die Fragen der Wertschöpfungskette, der Finanzströme und der Steuerflucht. Und dann gibt es da noch die globalen ökologischen Probleme und den Riesenkomplex der Digitalisierung. Da kann man doch nicht sagen: Probleme? Ohne uns! Wir haben die Grenzen hochgezogen. Erderwärmung? Nicht in Niedersachsen!

    Die Europäische Union ist in eine Schieflage geraten, wo alles ins Rutschen kommt. Selbst die Errungenschaften des Einigungsprozesses, die es in den letzten Jahrzehnten gab, werden infrage gestellt. Zum Beispiel der Schengen-Raum ohne Grenzen oder der Euro als Gemeinschaftswährung. Unübersehbar ist, dass es eine große Gruppe von Leuten gibt, die aufgrund der Krise und der inneren Widersprüche in der EU in eine Vergangenheit zurückwill, die so nie existiert hat. Den schützenden souveränen Nationalstaat hat es so nie gegeben. Und es gibt andere Kritiker des Status quo, dazu zähle ich mich auch, die sagen: Wir kommen aus den multiplen Krisen nur heraus, wenn wir die Probleme, in denen das grosse Projekt steckengeblieben ist, klar analysieren.

    Systemisch steckt die Europäische Union in einem unproduktiven inneren Widerspruch. Es hat im letzten halben Jahrhundert eine deutliche nachnationale Entwicklung stattgefunden. Gleichzeitig aber verharrt man in der Verteidigung nationaler Souveränitätsrechte. Was waren die großen Errungenschaften in den letzten sechzig Jahren? Wir haben einen gemeinsamen Markt. Wir haben eine gemeinsame Währung. Wir haben eine gemeinsame Bürokratie. Aber wir haben keine gemeinsame Demokratie. Damit fehlt ein großes und wesentliches Stück politischer Legitimation. Und das führt dazu, dass es bei den Europäern so wenig politische Anerkennung für dieses Projekt gibt. Wir haben heute ein radikal undemokratisches System in der EU, und wir sind alle Geiseln sogenannter nationaler Interessen, die glauben, sich nicht näher legitimieren zu müssen. Mit Jean Monnet, einem der Gründerväter der EU, kann ich sagen: Nationale Interessen sind immer die Interessen nationaler Eliten. Das ist per se undemokratisch. Der europäische Nationalismus hat mehrfach die europäische Zivilisation zerstört. Es hat einen zweiten dreißigjährigen Krieg in Europa gegeben. Und zwar zwischen 1914 und 1945. Er hat aus diesem Kontinent einen Schutthaufen gemacht. Um so etwas künftig zu verhindern, hat man die EU erfunden. Und da liegt noch vieles im Argen. Wenn wir aus dieser Krise, die die Entwicklung der europäischen Demokratie infrage stellt, nicht herauskommen, dann wird es Trümmer geben. Man sieht das an den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Frankreich.

    Dabei sind mir die Populisten herzlich egal. Was mir Sorgen macht, sind die Populisten, die nicht populär werden. Zum Beispiel die Sozialdemokraten. Oder die Christlichdemokraten. Sie vertreten ja eigentlich das Gleiche wie die Populisten. Was sollen denn diese ganzen Sonntagsreden, bei denen es heißt: Wir müssen die Menschen ernst nehmen, wir müssen uns um ihre Sorgen kümmern? Was heißt das eigentlich? Geht es da um alle Menschen oder nur um die, die am lautesten schreien? Es gibt einen rechten Rand, der sich heute von den Parteien der Mitte bestätigt fühlt. Der Herr Nazi von nebenan ist gefährlich, weil er durch das Verhalten dieser Parteien Aufwind bekommt.

    Es gibt eine Studie der Berliner Humboldt-Universität. Aus ihren Analysen der Wählerströme zeigt sich, dass in den letzten Jahrzehnten die Parteien mit echten Programmen gewonnen haben. Verloren haben die Parteien, die versucht haben, den Wählern nachzulaufen. Diejenigen, die ihre Positionen je nach Stimmung im Volk geändert haben. Im Grunde gilt: Die Parteien, die Angebote machen, zu denen kommen die Wähler. Bei den Parteien, die den Wählern nachlaufen, gibt es ein paradoxes Bild: Nachlaufen kann man ja nur den Wählern, die davonlaufen. Denjenigen, die sich anderen Gruppen zuwenden.

    Die Sozialdemokratie hat heute einen Punkt erreicht, wo ich nicht mehr wüsste, welches Angebot sie mir macht. Ich weiß es nicht. Vielleicht wollen sie immer noch in möglichst vielen Ländern den Kanzler stellen, aber ich wüsste auch nicht, warum. Ich sehe, dass das, was die Sozialdemokratie macht, mich abstößt. Die Sozialdemokraten haben einmal die unselbständig Beschäftigten vertreten. Ich erkenne nicht, wo sie das heute tun. Es gibt ja sehr viele neue, auch prekäre Formen von Arbeitsverhältnissen.

    Und die christlich unionierten Parteien waren zwar nach dem Krieg tatsächlich Volksparteien, weil sie es verstanden haben, auf der Basis der christlichen Soziallehre ein Angebot zu machen, das so universal war wie das Christentum eben ist. Dem Herrn Jesus war ja auch egal, welchen Beruf man hatte oder ob man arm oder reich war. Auf dieser Ebene konnte man früher eine Volkspartei sein, aber man musste eben eine Botschaft haben. Man konnte ja das Konservative und die Rückwärtsgewandtheit dieser Parteien infrage stellen, aber man hat gewusst, welches Angebot sie haben. Es war ein soziales Angebot. Das hat die CDU heute nicht mehr. Die drei, vier Punkte, die Sie, Herr Althusmann nennen, haben nichts mit der sozialen Frage zu tun. Die Abschaffung des Solidaritätszuschlages wäre eine Steuererleichterung für die oberen zwanzig Prozent der Einkommenspyramide, die A39 und Elbbrücke sind unwirtschaftliche, ökologisch schädliche Liebesdienste für die selbstverschuldet abschmierende Automobilindustrie, Langzeitarbeitslose brauchen keine „Perspektiven“, sondern eine Existenz und Lebenssinn sichernde Erwerbstätigkeit – und mit dem, was in der Landesregierung Niedersachsen unter „Digitalisierung“ verstanden wird, bringen Sie vermutlich jeden zehnjährigen Gamer zum lauten Auflachen.

    Wenn Sie sich nicht schleunigst der „Sozialen Frage“ (Arbeit, Einkommen, Wohnen) zuwenden, wird es bei Ihren Wählern zu Enttäuschungen kommen, Herr Althusmann, und möglicherweise zu Gefährlicherem. Wohin gehen die Wähler, wenn sie noch stärker frustriert sind? Das ist die wichtigste politische Zukunftsfrage. Die wird sich in den nächsten beiden Legislaturperioden entscheiden. Sozial- und politikwissenschaftlich gesehen, liegt die kritische Marke bei dreißig Prozent. Wenn die radikalen Parteien diese Marke überschreiten, kann die Sache kippen. Die Parteien der Mitte sind in ihren Interessen viel zu sehr ausdifferenziert, als dass sie da dagegenhalten könnten. Wir wissen aus der Geschichte, dass es am Ende nur einen braucht, der die dreißig Prozent, die sich unter einem Thema versammeln, kanalisiert. Die Menschen spüren eine wachsende soziale Ungerechtigkeit. Auch der Mittelstand lebt nicht in Armut, aber die Differenz zu dem, was er an Luxus sieht, nimmt dramatisch zu. Dort haben sehr viele Menschen das Gefühl, dass sie abgehängt werden. Die anderen sind unterer Mittelstand oder leben schon an der Armutsgrenze. Sie sehen keine Lebenschancen, weil sie sich mit drei Jobs über Wasser halten müssen. Die Gesellschaft ist nicht mehr durchlässig. Das ist hochexplosiv.

    Phrasenstrohdreschen, Abwarten und Wunschdenken helfen nicht mehr weiter!

    Wir leben in einer ganz und gar gefährlichen Realgeschichte, Herr Althusmann, und für die gibt es leider nur ein angemessenes, ein düsteres Wort: Krise.

    Genießen Sie die Feiertage!

    • mein lieber otto, sie haben das wichtigste vergessen. wir haben nicht mal ein einheitliches steuerrecht und somit wurde der wirtschaft tür und tor geöffnet, auf kosten der bürger innerhalb der eu.

      • Menschen wie Herr Althusmann wissen nicht, was Sprache vermag, Herr Bruns. Im Negativen wie im Positiven. Ihm rauscht nur das gestanzte, vorfabrizierte „Gerede“ durch den Kopf, das Heidegger dem „Man“, der Sphäre des dominanten Alltagsgequatsches, zuordnet, welches Selbstdistanz und eigenständiges Denken verhindert. Der Minister „spricht“ nicht, sondern repetiert und variiert antrainierte Sprechautomatismen. Gerade das macht seinen Hinweis auf die „Worthülsen“ der AfD doppelt lächerlich. Ein Papagei, der papageienhaft über Papageienhaftigkeit krächzt.

        Das ist kein neues Phänomen. In Iwan Turgenjews „Aufzeichnungen eines Jägers“ von 1852 (die gerade in einer hervorragenden Neuübersetzung und mit einem Nachwort von Vera Bischitzky beim Hanser Verlag in München erschienen sind) begegnen Ihnen praktisch nur Althusmänner. Lauschen Sie bloß dem hohen Petersburger Beamten Alexander Silytsch Swerkow. In genau wiedergegebenen Dialogen erzählt der Dichter dessen Geschichte mit seiner Bediensteten Arina:

        „Erlauben Sie mir zu heiraten.“ Ich war verblüfft, das gebe ich zu. „Aber weißt du denn nicht, du dumme Gans, dass die Herrin keine andere Jungfer hat?“ – „Ich will der Herrin ja weiter dienen.“ – „Was für ein Unsinn! Die Herrin hält keine verheirateten Mädchen.“ – „Malanja kann doch an meine Stelle treten.“ – „Misch dich nicht in Angelegenheiten, die dich nichts angehen!“ – „Wie Sie befehlen“… Ich gebe zu, ich war sprachlos. Ich warf Arina hinaus. Denke mir, sie wird schon Vernunft annehmen; ich will einfach nicht an das Böse glauben, wissen Sie, an die schwarze Undankbarkeit der Menschen. Und was meinen Sie? Ein halbes Jahr später kam sie mit derselben Bitte wieder zu mir. Da habe ich sie, ich gebe es zu, wutentbrannt hinausgeworfen und ihr gedroht, es meiner Frau zu sagen. Ich war empört… Doch stellen Sie sich meine Bestürzung vor: kurz darauf kommt meine Frau zu mir, in Tränen aufgelöst und so aufgeregt, dass ich sogar einen Schreck bekam. „Was ist denn passiert?“ – „Arina…“ – „Das kann nicht sein! … wer ist es denn?“ – „Der Lakai Petruschka.“
        Ich war außer mir. So bin ich nun mal… Halbheiten kann ich nicht ausstehen! … Petruschka… traf keine Schuld. Bestrafen hätte ich ihn können, doch ihn traf meiner Meinung nach keine Schuld. Arina… Tja, tja, was soll man da noch sagen? Ich habe natürlich sofort angeordnet, sie kahlscheren und in grobe Leinwand kleiden zu lassen und sie ins Dorf zurückzuschicken. Meine Frau hat eine gute Kammerjungfer verloren, doch das war nun nicht mehr zu ändern: Ein krankes Glied sollte man besser auf einen Schlag abtrennen…

        Sie sehen, Herr Bruns, Turgenjew lässt diesen hohen Herrn eine eigene Schablonensprache sprechen und sich dadurch selbst entlarven. Die Szene zeigt zudem, dass es selbst bei den Leibeigenen Unterschiede gibt – nämlich den Vorrang des Mannes gegenüber der Frau. Der Lakai Petruschka wird nicht bestraft.

        • Otto
          dieses alles ist bekannt und wer schert sich drum? der mensch ist ein gewohnheitstier. die werbung hat es schon lange erkannt. politiker auch.

  4. Die Worthülsen der AfD entlarven. Ja nee, schon klar.
    In seiner Situation würde ich das auch sagen wollen müssen.

    Also ich hab die letzten Jahrzehnte genügend Worthülsen von den bisherigen Worthülsensagern gehört, ob da jetzt noch die Worthülsen der AfD dazu kommen oder in Chicago fällt gerade eine Türe zu, ist – meine derzeitige Einschätzung – ziemlich einerlei.

  5. Als die Landesregierung mit McAllister und Althusmann baden ging, war die Hoffnung groß, jetzt wird die Politik in Niedersachsen besser. Zu früh gefreut. Es geht doch nur um die eigene Posten-Sicherung. Zitat:Wenn die CDU wieder 35 bis 40 Prozent der Stimmen erhalten will, wird sie dies nicht über akademische Debatten schaffen, sondern über die Lösung konkreter Probleme vor Ort. Klingt lustig ,wenn man immer in eine große Koalition flüchtet, oder? Was macht da wohl der Koalitionspartner?

  6. Sehr frei nach Volker Pispers: Egal was wir wählen – es ist doch immer die gleiche Sch…, nur mit anderem Geschmack! Wobei die Braune sicher die ekelhafteste ist.

  7. Grundsätzlich finde ich es schon mal positiv Herr Althusmann dass Sie nicht nur wie die meisten Politiker aller anderen Parteien auf die AfD eindreschen, sondern sich sachlich argumentativ mit ihr auseinandersetzen wollen. Denn immer nur auf den politischen Gegner eindreschen und schimpfen wirkt nicht nur hilflos, sondern man begibt sich damit nahezu auf dieselbe Ebene. Dann wird es schwer sich deutlich abzugrenzen. Im Zweifel schafft es sogar eher Sympathie und Zulauf für den ungeliebten Gegner im Parlament.
    Aber es genügt ebenso nicht nur Worthülsen zu entblössen. Es muss mindestens inhaltlich stärkere und überzeugende Gegenargumente geben die auch der Wähler versteht. Und wie versteht der Wähler es am besten? Durch Taten die folgen Herr Althusmann. Denn sonst bleibt es auch bei den vermeindlich „guten“ und „etablierten“ Parteien nur bei Worthülsen. Und in dem Bereich sind auch die etablierten Parteien nicht arm an Fantasie und Blumigkeit.
    Heute wurde in Hessen der neue Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen unterzeichnet. Der Titel ist schon abenteuerlich schrecklich aufgebläht. Aber der grüne stellvertretende Ministerpräsident Hessens hat es genauso fantasievoll kurz und knapp zusammengefasst: „Der stellvertretende Grünen-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir sagte, der Vertag trage den Geist von „Vernunft und Leidenschaft“.

    Hoffentlich hat er angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes dabei nicht an den „Heiligen Geist“ gedacht. Das wäre dann etwas anmaßend. Aber welche Botschaft hat Herr Tarek Al-Wazir den Wählern damit gesendet? Eine Worthülse Herr Althusmann. Nichts anderes. Und die ist nicht von einem Mitglied der AfD. Bestimmte Formen in der Politik sind scheinbar doch Parteiübergreifend gleich.

  8. Norbert Kasteinecke

    Ich hab da auch noch eine Worthülse.

    Allen Foristen und der LZ Redaktion wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rusch ins neue Jahr.

    Nicht vergessen:

    Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.
    J.Ringelnatz

    In diesem Sinne.

    • Norbert, nicht zwischen weihnachten und neujahr wird man ,,dick“, sondern zwischen neujahr und weihnachten. schmunzeln.

    • Oder wie Karl Valentin sagte: „Und wenn die stade Zeit vorüber ist, wird’s auch wieder ruhiger“.

      In diesem Sinne…

  9. DIE GEWINNER DES JAHRES 2018

    Kartoffel des Jahres: Boris Palmer

    Alter weißer Mann des Jahres: Beatrix von Storch

    Esel des Jahres: Friedrich Merz

    Hase des Jahres: Hans-Georg Maaßen

    Vogelschiss des Jahres: Alexander Gauland

    Polizisten-Idol des Jahres: Beate Zschäpe

    Toter des Jahres: die SPD

    Scheuer des Jahres: Andreas „Dreck“ Schleuder

    Treter des Jahres: Horst Seehofer (insgesamt 69 Mal zurückgetreten)

    Heißester Ort des Jahres: Julian Reichelts Gehirn, 22. Juli, 56 Grad Celsius

    Rite des Jahres: Balthus Doktormann

    • Hase des Jahres: Hans-Georg Maaßen
      Wenne snicht so traurig wäre, könnte man lachen.
      Übrigens haben Sie einen vergessen:
      OTTO: KLOOGSCHIETER DES JAHRES 2018

    • Norbert Kasteinecke

      Don’t drink and write, dear Otto.

      War der Rotwein denn wenigsten biologisch korrekt angebaut?
      Und natürlich aus der Toscana.

      Verlierer des Jahres 2018 #Haltungsjournalismus .

      • Norbert, warum benutzen sie die lz , die doch in ihren augen auch eine lügenpresse ist, als sprachrohr für ihre ängste? die medien sind doch ihrer meinung nach alle fremdgesteuert und gleichgeschaltet? und warum können sie die benutzen, wenn ihre behauptung stimmen soll?

        • @Bruns
          Wenn Sie selbst vom obeflächlichen Politikern , oder ungebildeten Bürgern sprechen, beziehen Sie dann „alle mit ein“ und sich selbst auch?
          Der Vorwurf der Lügenpresse ist sehr wohl berechtigt, denn schnell wird z. B aus einem Doppelpässler ein „Deutscher“ und aus einem der schon lange abgeschoben werden soll, da sein Asylantag abgelehnt wurde, ein „Schtzbedürftiger.“
          Die Berichterstattung ist da schon oft mehr als fragwürdig, bezieht aber natürlich nicht alle Presseerzeugnisse ein.
          Sie bezeichenn doch die taz auch nicht als braunes Medienerzeugnis, oder?

          • Klar
            was soll die presse denn für sie sein? ein sprachrohr des vatikan? schmunzeln. sie dürfen alles glauben, aber nicht alles wissen? wie naiv darf man ungestraft in deutschland sein? für sie ein alter journalistischer spruch: die öffenlichkeit wird manipuliert und die mehrheit schließt sich ihr an. im übrigen macht die wirtschaft, die politik, usw. alle das gleiche. lobbyisten =postdemokratie. deswegen muss man ja nicht gleich auf die afd reinfallen, oder? seltsam, warum fällt den anhängern eigentlich immer nur die flüchtlinge ein. über wirtschaftsbetrüger hört man von denen kein wort. so ist das eben, ,,a,,ffen- ,,f,,ür- ,,d,,m

    • @Otto
      Gewinner des Jahres 2018
      Angela Merkel mit immer dengleichen Floskeln und leeren Worthülsen.Viele Worte, keine Taten.

      Claudia Roth, die immer gleichen Transparente mit „Deutschland verrecke“ und „Deutschland mieses Stück Sch*****“.

      CDU/SPD/LINKE/GRUENE mit Vorwärts nimmer, Rückwärts immer.

      Grüße aus der Schweiz!

      • Editha
        haben sie einen schwarzen koffer in die schweiz getragen? über die grüne grenze? oder wollen sie eine spende für die afd abholen? schmunzeln.

        • Norbert Kasteinecke

          Klaus, sprechen Sie von den Geldern der CDU, die die Partei angeblich geerbt hat?
          Die Herkunft dieser Mittel hat der Altkanzler ja mit ins Grab genommen.
          Oder sprechen Sie von den 100.000 DM in Schäubles Schreibtisch?

          • ob die cdu der afd ihre gelder hinterlassen werden? schon lustig, law and order- witzbold Norbert relativert, obwohl er dieses bei anderen immer kritisiert. typisch afd, oder? mövenpick lässt grüßen.

    • Die AfD hat die Umgangsformen im Bundestag nach Wahrnehmung der Bundestagsvizepräsidenten Claudia Roth (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) radikal verschlechtert. „Wir erleben eine Verpöbelung von Sprache, einen Angriff auf demokratische Institutionen und den Versuch der Umdeutung der Geschichte“, sagte Roth der „Rheinischen Post“.

      Kubicki monierte, dass „ein Drittel der AfD-Fraktion, das überwiegend in den hinteren Reihen sitzt und vorwiegend aus Niedersachsen und ostdeutschen Bundesländern kommt“, nicht nur „verbal aggressiv“ sei. Einmal habe es im Bundestag sogar „kurz vor einer handfesten Keilerei“ gestanden, weil Agitprop-Tiraden der AfD-Parlamentarier unerträglich gewesen seien.

      Laut Roth zeigte sich schon in den Landtagen, dass die AfD „im Kern eine antidemokratische, autoritätsfixierte Partei ist, mit heftigen Verstrickungen ins rechtsextreme Spektrum“. Im Bundestag fühlten sich nun auch manche Saaldiener und Parlamentsmitarbeiter entsprechend unsicher: „Sie haben einfach Angst vor diesen Krawallmachern“, sagte Roth.

      • Norbert Kasteinecke

        Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble widerspricht seinen Stellvertretern Claudia Roth und Wolfgang Kubicki, die das Verhalten der AfD im Parlament scharf kritisierten. Er kann keinen allzu rauen Umgangston erkennen.
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        Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in der schärfer gewordenen Auseinandersetzung mit der AfD im Bundestag vor Alarmismus gewarnt.
        Quelle „Welt“

        Immer schön die Kirche im Dorf lassen und erst überlegen was wer gesagt hat und warum.

        • och, norbert,der schäuble ist nur stinkig ,weil märz ,der held der afd anhänger nicht gelandet ist. ihr zitat:erst überlegen was wer gesagt hat und warum. stimmt. ausgerechnet die welt ist ihr zeuge? ich empfehle ihnen die junge freiheit. schmunzeln.

      • Jetzt haben Sie uns erzählt was Frau Roth und Herr Kubicki gesagt haben. Wollten Sie eigentlich auch etwas „sagen“ oder nur zeigen was Sie alles gelesen haben. Ich hab aber auch etwas gelesen. Herr Schäuble hat nämlich etwas ganz anderes gesagt und seinen beiden Stellvertretern widersprochen: „Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble widerspricht seinen Stellvertretern Claudia Roth und Wolfgang Kubicki, die das Verhalten der AfD im Parlament scharf kritisierten. Er kann keinen allzu rauen Umgangston erkennen.“ Nachzulesen in der Online-Ausgabe von „Die Welt“ von Heute. Vermutlich wird Herr Schäuble Heute Abend um 19:10h in der Sendung „Berlin direkt“ im ZDF auch noch etwas dazu sagen.
        Ich möchte ihnen damit nur sagen dass es natürlich einfach ist mit einseitigen „Informationen“ und Zitaten zu versuchen Stimmung zu machen. Es ist aber nicht fair und nicht ehrlich andere Stimmen dabei zu verschweigen. Natürlich ist es einfacher nur das heraus zu picken was einem gerade in den Kram passt, aber es ist einseitig und verzerrt das wahre Bild und die unterschiedlichen Meinungen. Es gibt nämlich so gut wie nie nur eine Meinung. Und gerade die von Herrn Schäuble finde ich nicht unwichtig.

        • Oscar
          Und gerade die von Herrn Schäuble finde ich nicht unwichtig.
          Warum? weil er immer so ehrlich ist?

          • Dann müsste er und die Frau Roth mal den Mund aufmachen.

            Ich zitiere mal aus der Welt online von heute aus dem Artikel

            „Vier Jugendliche schlagen bei Prügeltour auf Passanten ein“
            „Insgesamt neun Menschen haben vier Jugendliche verletzt, als sie in Amberg (Bayern) wahllos in der Nähe des Bahnhofs auf Reisende einprügelten. Einige Passanten versuchten noch zu fliehen, wurden aber von den Tätern eingeholt. Die Täter sind Schutzbedürftige.

            Ob die Frau Roth denn auch den Schneid hat,das als das zu bezeichnen,was es ist? Nämlich eine „Hetzjagd?“

          • Ach Herr Bruns… Ich weiß. Sie werden sich nicht mehr ändern und man muss Sie nehmen wie Sie sind. Wenn Sie damit glücklich und mit sich zufrieden sind ist das ja auch alles gut.
            Sie haben sich aber auf Herrn Schäuble bezogen und das will ich auch tun.
            Herr Schäuble ist mir nie symphatisch gewesen und wird es auch wohl auch nie werden. Ich kenne natürlich wie Sie seine Vergangenheit und die Ereignisse die sich damit verbinden. Ich habe für mich über viele Jahre sogar immer einen wenig schmeichelhaften Vergleich zwischen Herrn Schäuble und einem anderen Politiker aus der deutschen Geschichte gezogen.
            Aber ich glaube auch daran dass Menschen sich ändern können. Vielleicht nicht grundlegend, aber doch in Nuancen.
            Herr Schäuble ist ein mit allen Wassern gewaschener politischer Fuchs. Er kennt jede Art und Form des politischen Florett-, Degen- und Säbelkampfes auf der politischen Bühne. Da macht ihm keiner ein O für ein U vor. In den letzten Jahren ist aber noch etwas sehr wesentliches hinzu gekommen. Altersweisheit und damit auch eine gewisse Gelassenheit die Dinge auf der politischen Bühne zwar weiterhin Messerscharf aber dennoch mit einer gewissen Distanz und Souveränität zu bewerten. Ich könnte noch mehr dazu schreiben aber das würde zu weit führen.
            Jedenfalls haben die Einschätzungen und Meinungen von Herrn Schäuble für mich durchaus an Gewicht gewonnen. Auf jeden Fall weitaus mehr als Äußerungen und Empfindungen von Frau Roth. Dass Herr Kubicki dann auch noch in dieselbe Kerbe wie Frau Roth geschlagen hat wundert mich etwas. Es passt eigentlich nicht zu ihm. Aber beide haben eben bei weitem noch nicht das Alter von Herrn Schäuble, dass im günstigen Fall dann eben auch andere Sichtweisen und Einschätzungen ermöglicht.

          • Sind Sie Kriminalkommisarin Gertrud? Seit wann werden Verbrechen in Bayern von LZ-Online-Kommentatorinnen aufgeklärt, die nicht einmal in der Lage sind, eine Zeitungsnachricht wahrheitsgemäß zu resümieren? Frau Roth, die über rechtsextreme Krawallbrüder im Bundestag immerhin unter ihrem eigenen Namen urteilt, dürfte aber durchaus den Schneid haben, Ihre unqualifizierte Unterstellung (dass sie Verbrechen nicht als Verbrechen bezeichnen würde) als das zu bezeichnen, was sie ist. Nämlich eine feige, anonyme und durch nichts als dumme Voreingenommenheit gerechtfertigte Hetzniedertracht.

    • Oscar und Kasteinecke, Sie sabbeln da zwar ’ne Menge krauses Zeugs raus, aber die Message ist bloß: „Wir haben recht – und du nicht!“

      Ziemlich dürftig, oder?

      Eben hatte Kasteinecke den Schäuble noch als Spendenlügner hingestellt, jetzt dient er ihm als Kronzeuge gegen Petra Roth. Und, Oscar, Ihr Einwand wird nicht dadurch besser, dass Sie ihn fünf Mal wiederholen.

      Roth und Kubicki sagen so, Schäuble sagt so.

      Mir gefällt, was die Bundestagsvizepäsies schildern, weil es den Eindruck bestätigt, den ich selbst ganz eigenständig von den Krawallpopulisten der AfD gewonnen habe. Übrigens ist nach Kruse und Königer gerade auch Kamann aus genau diesem Grund bei dem Haufen ausgetreten. Nicht jeder hält es in einer Partei aus, die Kinder dazu anstiftet, ihre Lehrer und Eltern öffentlich zu denunzieren, und deren ganzes Programm darin zu bestehen scheint, die Angehörigen von Minderheiten in Bausch und Bogen herabzusetzen.

      Fegen Sie erstmal vor Ihrer eigenen Tür den Dreck fort, meine Herren. Dann dürfen Sie auch mal wieder bei mir vorbeischauen und die Nase rümpfen, wenn ich ein oder zwei welke Blätter in meiner Hofeinfahrt übersehen habe.

      • „Ziemlich dürftig, oder?“ Stimmt Herr Beck. Was Sie hier als Antwort verfasst haben ist wirklich ziemlich dürftig, weil Sie offensichtlich nichts verstanden haben. Bleiben Sie glücklich in ihrer „Welt“.

      • Norbert Kasteinecke

        Für Sie, lieber Karl Beck, und nur für Sie, werde ich bei nächster Gelegenheit das Wort „sogar“ hinzufügen.
        Nur damit auch Ihnen klar ist, was gemeint war.

        „Mir gefällt, was die Bundestagsvizepäsies schildern, weil es den Eindruck bestätigt, den ich selbst ganz eigenständig von den Krawallpopulisten der AfD gewonnen habe.“

        Sehen Sie, was ich meine?

        Über den Rest Ihres Kommentares schweigt des Sängers Höflichkeit.
        Aber wenn Sie es brauchen.

        Frohes neue Jahr

        • Norbert Kasteinecke
          sie haben einen fehler gemacht. mich hier als jemand hinzustellen, der die unwahrheit ? sagt, oder es angeblich nicht besser verstanden hat. ich habe der lz unsere e-mail- konversation zur verfügung gestellt, schließlich haben sie nicht nur berg und schnell,sondern ja auch die lz angegriffen. ich bin der meinung, man sollte es dann auch zulassen, dazu stellung zu beziehen. in diesem sinne, nur zu lz. herr jenckel hat die e-mail bekommen.

  10. Andreas Janowitz

    Das auch Herr Althusmann, der am 22. noch Mittags ganz bürgernah duch die Stadt stromert, weder die Cum-Ex Wegelagerer noch die gewerbsmässige Hehlerei dahinter mit keinem Wort erwähnt, sondern lang und breit den PR-Gag eines schweizer Megareichen „diskutiert“, demonstriert wie nutzlos die Politik in weiten Teilen geworden ist.

  11. Gertrud
    haben sie auch immer nur das eine thema? sonst keine probleme? wenn massenmord ein vogelschiss ist, worüber regen sie sich dann auf?

    • @Bruns
      Wo haben die hier Foristen so etwas behauptet, wie ein Vogelschiss?
      Die unüberwindlichen Probleme bei der inneren Sicherheit, die immer mehr verloren geht, zu ignorieren und die uns alle angeht ,ist keine Lösung.
      Man kann derartige ,ständige fast tagtägliche Gewalttaten doch nicht einfach ausblenden?
      Es sind laut Angaben der Polizei sogar Jagd auf Menschen gemacht worden ,die vor ihren Gewalttätern fliehen wollten, u. a. eine junge Frau und ein 13 jähriger. Sogar die Beamtin, die zum Einsatz gerufen wurde, wurde als „Fo***“ beleidigt.
      Und, jawohl herr Bruns, das Thema ist elementar und bestimmt unsere Zukunft. Vielleicht nicht mehr Ihre persönlich ,aber die Ihrer Kinder und Enkel und diesem Land.

      • Werner B. 31. Dezember 2018 at 15:48
        @Bruns
        Wo haben die hier Foristen so etwas behauptet, wie ein Vogelschiss?
        gauland hat es gesagt. was soll ihre frage? wer behauptet ihre frage? Zitat:das Thema ist elementar und bestimmt unsere Zukunft.
        dieses ist auch nur eine behauptung und für mich reiner unsinn. wer sich strafbar macht soll bestraft werden und fertig. heile welt hat es noch nie gegeben und wird es auch nicht geben. und wenn eine chinesische mauer gebaut wird. trump wird es erleben. in seinem land wird soviel gemordet, in anderen ländern sagt man bürgerkrieg dazu. und ihre gefängnisse sind voll.

      • Aha, „A. H.“, heute als „Werner B.“ unterwegs?

        Grüßen Sie Hartmut, wenn Sie ihn treffen!

  12. Sehr geehrter Herr Bruns,

    wenn Sie Kasteinecke, Oscar und deren beider multiplem Bundeskasper „Hilde-Klar-Editha-Gertrud“ antworten möchten, überlegen Sie bitte vorher immer schön welche Worthülsen die drei wann und wie herausgehauen haben und warum wohl!

    • Karl Beck
      man hat mir hier schon ein elefantengedächnis nachgesagt. schmunzeln. worthülsen sind aus einer bestimmten politischen richtung immer üblich, im gegensatz zu den anderen. da kommen sie gern auch mal vor. immer dann eigentlich, wenn ausreden gesucht werden. mit halbwahrheiten wird in der politik gern stimmung gemacht. ich finde , tatsachen zu leugnen ist ziemlich albern. und was die kausalität angeht, an ihr kann jeder seine angebliche intelligenz leicht selbst testen. die rechte seite der politik, hat damit meiner erfahrung nach, die größten schwierigkeiten.

  13. In eigener Sache: Kommentare
    31. Dezember 2018

    Liebe Leserinnen und Leser,

    mit dem Jahreswechsel werden wir die Kommentar-Funktion unter unseren Artikeln deaktivieren. Lange haben haben wir in der Redaktion über diesen Schritt diskutiert, denn Ihre Meinung war und ist uns immer wichtig. Am Ende haben zwei Gründe zu dieser Entscheidung geführt:

    Wir haben uns von Ihren Beiträgen breite, fundierte und gern auch kontroverse Debatten erhofft, die die von uns angestoßenen Themen bereichern – mit Erfahrungen, Argumenten und neuen Facetten. Allzu oft hatten die Kommentare aber wenig bis nichts zu tun mit den Berichten, zu denen sie verfasst wurden. Vielmehr wurden die User-Beiträge zunehmend dazu genutzt, die eigene politische Haltung zu rechtfertigen, Andersdenkende zu beleidigen und Vorurteile zu schüren. Dies kann jeder nachvollziehen, der einzelne Wortwechsel verfolgt hat oder sich durch die online gestellten Beiträge klickt. Wir werden die erschienenen Texte nicht löschen.

    Zweitens müssen wir davon ausgehen, dass die Vielzahl der Namen nur für eine überschaubare Anzahl von Personen steht. Einige wenige kennen wir persönlich, von anderen wissen wir, dass sie regelmäßig unter wechselnden Identitäten geschrieben haben. Ganz verhindern können wie dies schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Meinungsvielfalt lässt sich so aber nicht abbilden.

    Wir bedauern, dass uns und unseren Lesern künftig der ein oder andere famose Beitrag entgeht. Aber wir investieren die Zeit und Energie, die uns die Prüfung der Kommentare kostet, lieber in gut recherchierte Geschichten. Wir freuen uns weiterhin auf Ihre Meinung als Post unter http://www.facebook.com/landeszeitung, oder in Form des guten, alten Leserbriefes an leserbriefe@landeszeitung.de.

    Ihre Online-Redaktion

    eine gute Entscheidung und sehr nachvollziehbar.

    • Eine veröffentlichte eigene Meinung muss man sich auch leisten können. Das kann man zum Beispiel als Zeitungsverleger. Oder als vermögender Industrieller. Oder als niemandem mehr verpflichteter Pensionär.

      90 % der Bevölkerung können sich keine öffentliche eigene Meinung leisten, zumindest nicht unter Klarnamen. Berufliche Nachteile, Ausgrenzung, Gewaltandrohungen. Alles erlebt.

      LZ-Online wird ohne Kommentarfunktion drastisch an Attraktivität verlieren und in etwa so lesenswert werden wie Neues Deutschland oder Bayernkurier. Schade, da geht ein gutes Stück Lebendigkeit und Informationsvielfalt für Lüneburg verloren. Für eine Zeitung, die sich, so hoffe ich, wohl immer noch dem Pluralismus verpflichtet sieht und hier als regionaler Presse-Monopolist in besonderer Verantwortung steht, hat das etwas Unwürdiges und unerwartet Beschämendes.

      • Klarnamen erwartet auch niemand. Glauben Sie ernsthaft, dass Sie der „Informationsvielfalt für Lüneburg“ dienen, indem sie hier als Hans, Neptun, Max, Idefix, Dagobert, Bommi, Shauns Freund und etlichen anderen Namen in Erscheinung treten? Unter „Pluralismus“ verstehen wir etwas anderes.

        bol/LZonline

        • Noch einmal meine ausdrückliche Anerkennung für das bisherige LZ-Online Angebot, da hat man sicherlich nicht immer leichte aber gute und wertvolle Arbeit geleistet. Und außerdem: Namen sind wie Schall und Rauch, und dahin verschwinde ich jetzt auch, der Jahreswechsel steht an. Viel Glück im neuen Jahr!