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Ex-Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar

„Keine Meinungsfreiheit mehr“ – Twitter-Nutzer teilen gegen Kretzschmar aus

Stefan „Kretzsche“ Kretzschmar ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. In einem Video beklagt er nun jedoch, dass Sportler ihre politische Meinung nicht mehr frei äußern können. Das Netz reagiert prompt: Auf Twitter gibt’s Kritik, Ironie und Empörung.

Über zu wenig Aufmerksamkeit kann sich Stefan Kretzschmar eigentlich nicht beklagen. Der Ex-Handball-Profi ist dafür bekannt, unverblümt seine Meinung zu sagen und wird gerade deswegen gerne nach ihr gefragt. Alleine durch seine sportliche Karriere machte „Kretzsche“ von sich reden: 421 Bundesligaspiele mit insgesamt 1694 Treffern, dazu 821 Tore für die deutsche Nationalmannschaft, Silber bei Olympia in Athen 2004 geholt, mehrfach zum Handballer des Jahres gewählt. Derzeit ist er Botschafter der Handball-WM. Trotzdem findet Kretzschmar: Ehrliche Meinungen, vor allem politische, haben in Deutschland keinen Platz mehr. In einem Video, das auf dem Youtube-Kanal „DeutschlandBuschFunk“ kursiert, stellt der 45-Jährige der deutschen Gesellschaft ein miserables Zeugnis aus: „Wir haben keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne.“

Kretschmar: „Für jeden Kommentar kriegst du eins auf die Fresse“

„Heutzutage ist die Gesellschaft so konstruiert, dass du für jeden Kommentar eins auf die Fresse kriegst“, sagt Kretzschmar in dem gut 1:20-minütigen Clip. „Das will keiner mehr. Dem setzt sich kein Leistungssportler, kein Profi mehr aus.“ Die Folge sei, dass „alle ihren gemütlichen Weg“ gehen, da die Angst herrsche, „sofort eine auf den Deckel zu kriegen“.

Politische Meinungen würden nur in einem sehr engen Rahmen akzeptiert werden, sagt Kretschmar weiter. Er spricht von einer „politischen Mainstream-Meinung, wo man sagt, ich setze mich für ,Wir sind bunt’ und ,Refugees welcome’ ein“. Mit Blick auf Sportler-Kollegen meint er: „Sobald wir eine gesellschaftskritische Meinung äußern, haben wir mit Repressalien von unserem Arbeitgeber zu rechnen, oder wir haben mit unseren Werbeverträgen Probleme.“

Aufregung im Netz unter #Kretzschmar

Kretzschmars Video löste im Netz eine kontroverse, zum Teil ironisch aufgeladene Debatte aus. Während er in den Kommentaren unter dem Youtube-Clip vor allem Zuspruch und Begeisterung erntete, fallen die Reaktionen auf Twitter deutlich kritischer aus. Fundstücke aus der Diskussion unter dem Hashtag #Kretzschmar:

Auch die Grünen-Politikerin Renate Künast schaltet sich in die Twitter-Debatte ein:

Und RND-Korrespondent Markus Decker twittert:

Das Polit-Satire-Magazin „extra3“ legt mit einem eigenen Video nach:

Der stellvertretende Leiter des Berliner RND-Büros, Steven Geyer, twittert:

Auch alte TV-Auftritte Kretzschmars werden wieder ausgekramt:

Von Jana Wolf/RND