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Die Polizei vermutet Unabhängigkeitskämpfer hinter dem Anschlag im nordirischen Londonderry.

„Neue IRA“: Bombe in Nordirland explodiert

Eine Explosion, ein ausgebranntes Auto, zersplittertes Glas: Ein Anschlag im nordirischen Londonderry platzt mitten in die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen. Die Autobombe könnte die Lage dramatisch verschärfen.

Die nordirische Stadt Londonderry wurde von einer heftigen Explosion erschüttert. Verletzt wurde zwar niemand. Doch die Bilder wecken böse Erinnerungen.

Steckt die IRA dahinter? Anschlägen der irischen Terrororganisation fielen bis 1996 rund 3600 Menschen zum Opfer. Ziel: die Vereinigung der katholischen Republik Irland mit dem überwiegend protestantischen, zu Großbritannien gehörenden Norden der Insel. Seit 1998 schweigen die Waffen.

Die irische „Times“ schrieb am Sonntag, eine „neue IRA“ stecke hinter der Autobombe. Zwei Verdächtige habe man verhaftet. Die Polizei erhielt nur zehn Minuten vor der Detonation eine Warnung, kurz nachdem ein Pizzalieferwagen gestohlen worden war.

Anwohner wurden evakuiert

Die Bombe explodierte um 20.10 Uhr in der Nähe des Gerichtsgebäudes von Londonderry. Buchstäblich in letzter Sekunde konnten Hunderte Anwohner in Sicherheit gebracht werden. Sonst „wären jetzt vermutlich zahlreiche Menschenleben zu beklagen“, so ein Polizeisprecher.

Die Stadt Londonderry – von Unionisten Londonderry genannt – erlangte im Nordirland-Konflikt traurige Berühmtheit. Am 30. Januar 1972 erschossen dort Angehörige der britischen Armee 13 Demonstranten. Die irische Rockband U2 setzte dem „Blutsonntag“ später ein musikalisches Denkmal („Sunday Bloody Sunday“).

Heute will Premierministerin Theresa May dem Parlament eine Erklärung über einen „Plan B“ für das abgelehnte Brexit-Abkommen vorlegen. Ein Zusammenhang zwischen dem drohenden harten Brexit und neuer Gewalt in Nordirland würde die Lage dramatisch verschärfen.

Von Jörg Köpke/RND