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Die Bremer Bürgermeisterin, Karoline Linnert, machte auf Facebook keinen Hehl daraus, was sie von der Aktion hält.

Bürgermeisterin darf nicht zu Fest, weil sie eine Frau ist

Ist das Tradition oder Ignoranz? Die Bremer Bürgermeisterin sollte beim Eiswettfest ihren verhinderten Regierungschef vertreten – allerdings ohne Erfolg. Denn die Veranstaltung ist seit 1828 fest in Männerhand und Frauen nicht zugänglich.

Frauen müssen vor der Tür bleiben: Beim traditionsreichen Eiswettfest in Bremen hat Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) Regierungschef Carsten Sieling (SPD) nicht vertreten können. Obwohl sie dem Protokoll nach die offizielle Vertreterin ist, wurde sie nicht zu dem Spendenmahl geladen.

„Die Herren der Eiswette legen allergrößten Wert auf Etikette. Das Protokoll spielt dann aber plötzlich keine Rolle mehr, wenn – oh Schreck – die offizielle Vertretung des Bremer Bürgermeisters nun mal die Bremer Bürgermeisterin ist. Wir feiern in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht – und die Eiswette hält es unter dem Deckmäntelchen der Tradition noch immer für richtig, Frauen auszuschließen“, schreibt Finanzsenatorin Linnert auf Facebook.

Beim Eiswettfest kommen Hunderte Männer zusammen, um Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu sammeln. Den Brauch der Eiswette gibt es seit 1828. Immer am 6. Januar wird die Frage geklärt, ob die Weser zugefroren ist oder nicht. Die Eiswett-Genossen und Gäste kommen dann am dritten Samstag im Januar zum Eiswettfest zusammen.

„Machen diesen Gendergaga nicht mit“

Sieling musste absagen, weil er bei der Trauerfeier für den bei einem Attentat getöteten Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz war. Danzig ist Partnerstadt Bremens. Medienberichten zufolge nahm Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz den Platz ein.

Aus Verärgerung sagte auch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) seine Teilnahme ab. Eiswett-Präsident Patrick Wendisch sagte vor der Veranstaltung der „Bild“-Zeitung über die Nichteinladung Linnerts: „Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre.“

Die Reaktionen von Facebook-Nutzern ließen nicht lange auf sich warten. Während einige den Ausschluss von Linnert für „unfassbar“ und „traurig“ hielten, stellten andere fragwürdige Vergleiche an. „Männer dürfen ja auch noch nicht beim Frauenfußball mitmachen“, heißt einer der Kommentare.

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Von RND/dpa/ka