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Eltern schickten das Lehrmaterial ihrer Kinder der Grünen-Politikerin, Petra Zais, zu. (Symbolbild)

An Schule in Sachsen wird noch immer die Rassentheorie gelehrt

An einer Schule in Sachsen wird immer noch Lehrmaterial verwendet, in dem Menschen in Rassen eingeteilt werden. Eltern machten darauf aufmerksam – Sachsens Bildungsminister verweist auf die Zulassungsfreiheit und schiebt die Verantwortung ab.

In einer sächsischen Oberschule wird entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse und den Vorgaben des Lehrplans im Biologie-Unterricht offenbar weiter die sogenannte Rassentheorie gelehrt. Entrüstete Eltern aus einer betroffenen Gemeinde südlich von Dresden (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) meldeten sich bei der Landtagsabgeordneten Petra Zais (Grüne), schickten ihr Fotos vom Lehrmaterial und den dazu gehörenden Übungen für Zehntklässler.

Auf der abgebildeten Seite ist von negriden, mongoloiden und europäischen „Rassenkreisen“ die Rede, es werden vermeintlich typische Vertreter gezeigt, inklusive einer Beschreibung angeblicher Merkmale – wie dicke Lippen, untersetzter Körperbau und Gelbton der Haut.

Dazu sollten die Jugendlichen Schaubilder mit verschiedenen Nasen- und Augenformen beschriften und diese zuordnen. Zais wandte sich mit dem Material nun an Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) und forderte Aufklärung.

Minister schiebt Verantwortung Schulleiter zu

Wie Piwarz erklärte, stammen die Beanstandungen aus einem zwanzig Jahre alten Themenheft des Verlags „Volk & Wissen“, das vom Ministerium nicht unterstützt werde. Seit 2004 sei der Begriff „Menschenrasse“ nicht mehr Teil des Lehrplans, sollte stattdessen die überwiegende genetische Gemeinsamkeit aller Menschen vermittelt werden. Der Unionspolitiker weist aber auch darauf hin, dass seit 2017 eine Zulassungsfreiheit für alle Druckwerke in sächsischen Schulklassen gelte – ausgenommen für die Fächer Religion und Ethik. Und „gemäß Schulgesetz ist der Schulleiter verantwortlich für die Einhaltung der Lehrpläne“, so Piwarz weiter.

Zais: Schulaufsicht muss eingreifen

Der Leiter der Oberschule im Süden von Sachsen wollte sich auf Anfrage der „Leipziger Volkszeitung“ nicht zu dem Fall äußern. Für Petra Zais steht der Bildungsminister ohnehin weiter in der Pflicht. „Es ist reichlich dürftig, wenn Piwarz auf die Eigenverantwortung der Schule und der Schulleitung verweist und an den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag erinnert, der im Schulgesetz formuliert ist“, sagte die Landtagsabgeordnete und forderte, das rassistische Themenheft endlich aus dem Verkehr zu ziehen.

Dabei gehe es nicht um die Beschneidung der pädagogischen Freiheit von Lehrern. „Wenn aber offenkundig rassistisches Material im Unterricht verwendet wird, muss die Schulaufsicht eingreifen“, so Zais weiter.

Beim Berliner Cornelsen-Verlag, seit Fusion zuständig für das Programm von „Volk & Wissen“, gibt es keine genauen Zahlen, wie viele der Themenhefte noch im Umlauf sein könnten. Gedruckt werden sie zumindest seit langem nicht mehr. „Wir bedauern den abgebildeten Seitenausschnitt und billigen diesen in keiner Weise. Seit vielen Jahren setzt sich Cornelsen gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Wir wertschätzen Diversität und Heterogenität und sehen uns in der Verantwortung, Völkerverständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern“, sagte Verlagssprecher Nico Enger.

Verlag: Bezug zur Rasse ist völlig unangemessen

Das beanstandete Themenheft aus dem Verlagsprogramm habe sich allgemein mit Farben in der Natur beschäftigt und darin die farbgebenden Stoffe vom Hämoglobin des roten Blutfarbstoffs bis zum Hautpigment Melanin beschrieben. „Der Bezug zur menschlichen ’Rasse’ ist dabei völlig unangemessen“, so Enger weiter. Inzwischen gebe es ein völlig neu entwickeltes Themenheft „Natur und Technik – Farben“ das nichts mit den alten Reihe des Verlages „Volk & Wissen“ zu tun habe.

Woher kommt die Einteilung in „Rassen“?

Die Theorie verschiedener menschlicher „Rassen“ wurde maßgeblich im Zuge der Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas durch mitteleuropäische Staaten entwickelt und stützte sich dabei auf äußerliche Eindrücke der Europäer.

Deren Beschreibungen waren nicht selten von herabwertenden Begriffen geprägt – um ihre eigene Herkunft als überlegen darzustellen. Ihren verheerenden Höhepunkt erlebte die Rassentheorie in der Zeit des Nationalsozialismus, in der die Unterscheidungen einer angeblich arischen und einer semitischen Rasse Millionen Menschen in den Gaskammern der Nazis das Leben kostete.

Mit zunehmender Erforschung der Gene im 20. Jahrhundert stellte sich heraus, dass die Unterschiede verschiedener Menschengruppen viel geringer sind als angenommen. Die Rassenbiologie wird heute als veraltete Pseudowissenschaft angesehen, mit einem hohen Potenzial an Diskriminierung.

Von RND/Mathias Puppe