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Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos.

Positionspapier der Lungen-Experten ist polemisch

Alle wollen möglichst saubere Luft atmen, denn jeder möchte so lange wie möglich gesund bleiben und leben. Dass nun Lungenfachärzte die Grenzwerte für Luftschadstoffe in Frage stellen, ist aufsehenerregend. Die eigentliche Botschaft verwässern sie jedoch, kommentiert Thoralf Cleven.

Wenn renommierte Mediziner ihre Meinung zu einem populären Thema sagen, wird dies gern wie eine absolute Wahrheit aufgenommen. Da schwingt in Vielen die berechtigte Hochachtung vor Fachleuten mit, auch ein wenig die Wahrnehmung als Götter in Weiß. Zu beobachten ist dies gerade in der Debatte über Schadstoff-Grenzwerte für die Luft.

Die Lungen-Experten wählten für ihren Aufschlag einen günstigen Zeitpunkt. Im Süden Deutschlands, in Stuttgart, staut sich nicht nur der Verkehr, sondern auch die Wut der Dieselfahrer. Mit der Abgasnorm Euro 4 und schlechter kommen sie nicht mehr rein in die Schwabenmetropole. Umwelt-Alarm!

Kaum verhüllte Polemik gegen Kollegen

Naht nun Rettung durch die Mediziner? Mitnichten. Erstens sind sie selbst in dieser Frage uneinig – nur gut 100 von rund 4000 organisierten Lungenärzten haben das Papier unterzeichnet. Und zweitens führt ihr Papier nicht auf eine sachliche Ebene, wie sie vorgeben.

Genau betrachtet ist es eine kaum verhüllte Polemik gegen Wissenschaftler anderer Fachrichtungen und deren Studien in den vergangenen Jahren. Mehr noch: die Pneumologen werfen ihren Kollegen vor, Ideologie statt Fakten zu verbreiten.

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Dieser Ton ist schade, denn die heute bestehenden und die geplanten Grenzwerte für Luftschadstoffe nachzuvollziehen, scheint wichtiger denn je. Die Mär von der bösen Umweltlobby, die uns allen den Spaß verderben will, löst in diesen Monaten gerade die Angst vor den uns überrennenden Flüchtlingen ab. Plötzlich interessieren sich Menschen für Grenzwerte, denen die noch vor kurzem völlig egal waren.

Botschaft der Lungenärzte geht unter

Die Botschaft der Mediziner, dass Alkoholkonsum, Bewegungsarmut, Rauchen oder die Einnahme zu vieler Medikamente entscheidend zu Atemwegserkrankungen beitragen, geht jedenfalls völlig unter. Wenn am Ende gar das Fazit wahrgenommen wird, dass Lungenfachleute überzeugt sind, Grenzwerte für Luftschadstoffe seien wenig sinnvoll, wäre das Papier ein völliges Desaster.

Von Thoralf Cleven/RND