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„Bösartige Obsession“: Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wirft den USA vor, seine Regierung stürzen zu wollen.

USA gegen Iran: Die Konfrontation erreicht eine gefährliche Stufe

Der Konflikt zwischen der Trump-Regierung und den Mullahs im Iran spitzt sich in München gefährlich zu. Irans Außenminister wirft den USA „bösartige Obsession“ vor. US-Vice Pence richtet sich an die Europäer: Er ruft sie in scharfem Ton dazu auf, sich vom Iran abzuwenden.

Die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine neue, gefährliche Stufe erreicht. US-Vizepräsident Mike Pence beließ es nicht bei Anklagen und Drohungen gegenüber der iranischen Regierung.

Pence rief die Europäer in scharfem Ton auf, sich vom Iran abzuwenden. „Es ist an der Zeit, dass unsere europäischen Partner aufhören, die US-Sanktionen gegen dieses mörderische revolutionäre Regime zu untergraben“, sagte Pence.

„Es ist an der Zeit, dass unsere europäischen Partner zu uns und zum iranischen Volk, zu unseren Verbündeten und Freunden in der Region stehen. Es ist an der Zeit, dass unsere europäischen Partner sich aus dem iranischen Atomabkommen zurückziehen.“

Pence: „Das iranische Regime befürwortet einen weiteren Holocaust „

Der Stellvertreter von US-Präsident Donald Trump wollte moralischen Druck auf die Europäer ausüben, indem er einen bemerkenswert kurzen historischen Bogen schlug. Tags zuvor habe er mit seiner Frau das frühere Konzentrationslager Auschwitz besichtigt, sagte Pence am Sonnabend. Um im nächsten Atemzug kundzutun: „Das iranische Regime befürwortet einen weiteren Holocaust und versucht ihn auch zu erreichen.“

Mehr zum Thema: Warum US-Vize Pence in München vor einem „weiteren Holocaust“ warnt

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nannte diese Anschuldigung am Sonntag „lachhaft aber auch gleichzeitig sehr, sehr gefährlich“. In seiner mit Spannung erwarteten Rede warf Sarif in München der US-Regierung eine „bösartige Obsession“ mit dem Iran vor.

Washington arbeite an einem Regimewechsel in Teheran. Es wolle die Europäer zu „Komplizen seines Regelbruchs“ machen, sagte Sarif und griff damit die US-Forderung nach einer Aufkündigung des Nuklearabkommens mit dem Iran auf.

Deutsche, Franzosen und Briten wollen Iran-Abkommen erhalten

Seit dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen mühen sich Deutsche, Franzosen und Briten um dessen Erhalt. Die neu gegründete Zweckgesellschaft „Instex“ soll die Wirtschaftsbeziehungen mit Iran aufrechterhalten helfen. Im Gegenzug soll der Iran auf eine nukleare Aufrüstung verzichten.

Doch der Auftritt Sarifs dürfte die ohnehin geringen Hoffnungen der Europäer zum Erhalt des Abkommens geschmälert haben. Europa habe versucht, den Deal am Leben zu erhalten –„wenn auch ohne Erfolg“, sagte Sarif. „Instex reicht nicht aus, um das Abkommen zu retten.“ Europa müsse sich trauen, ein nasses Fell zu bekommen, wenn es gegen den Strom anschwimmen wolle, den die gefährlichen Wellen des einseitigen US-Vorgehens verursachten, sagte Sarif.

Eine bittere Erkenntnis aus der Münchner Sicherheitskonferenz lautet: Europa ist im amerikanisch-iranischen Konflikt zwischen die Fronten geraten.

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Von Marina Kormbaki/RND