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Zu Gast bei Anne Will: Außenminister Heiko Maas.

Bei Anne Will punktete vor allem Angela Merkel – und die war gar nicht zu Gast

Talkshow mit Gähn-Faktor: Wenn sich alle einig sind, scheitert auch die Diskussion. Nicht einmal die Linken-Poltikerin Dagdelen konnte die Debatte anheizen. So punktete vor allem eine: Angela Merkel. Und die war gar nicht zu Gast.

Wenn Sie sich am Sonntagabend noch für einen Abendspaziergang zum Ausklang der Woche entschieden haben, dann ist das in aller Regel eine gute Idee. Wenn die Alternative gelautet hätte, um 21.45 Uhr Anne Will zu gucken – na dann umso besser. Wirklich verpasst haben Sie nämlich nichts.

Dabei bot die deutsche Talkshow mit dem wohl prominentesten Sendeplatz gleich nach dem Tatort beste Voraussetzungen, um zu streiten und eigene Ideen vorzubringen. Die „neue Welt-Unordnung“ hatte die Redaktion zum Thema des Abends erhoben – und nach Angela Merkels Klartext-Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz konnte man das schon mal so machen.

Merkel-Rede setzt das Thema

Im Bayrischen Hof hatte die Kanzlerin so offen wie noch nie den Bündnispartner USA und deren angedrohte Auto-Zoll-Welle kritisiert. Sie hatte die Chinesen ermuntert, sich in Abrüstungsfragen an den Verhandlungstisch zu setzen und gleichzeitig angedeutet, dass Deutschland bei Rüstungsexporten auf Dauer wohl Zugeständnisse machen müsse.

Das alles sind Themen mit Sprengkraft und Diskussionspotenzial. In Wills Runde aber schrumpften sie zu einem enttäuschenden Tischfeuerwerk. Das lag schon an der Auswahl der Gäste. Außenminister Heiko Maas und der grüne Politik-Haudegen Jürgen Trittin waren sich in vielen Punkten einig. Einmal sagte Trittin: „Ich mache doch keine Opposition nur um ihrer selbst willen.“ Das ist richtig und löblich und gut, half der Debatte am späten Sonntagabend aber auch nicht weiter.

Dazu bekamen Journalist Georg Mascolo und Constanze Stelzenmüller einen der Studiosessel zugewiesen. Bei Letzterer fühlte sich Will gleich zu Beginn genötigt zu betonen, wie renommiert der amerikanische Thinktank „Brookings Institution“ doch sei, bei dem Stelzenmüller arbeite. Leider war auch das keine Garantie dafür, der Debatte etwas Leben einzuhauchen. Und so waren sich alle einig: Die Rede der Kanzlerin war toll und bemerkenswert und die gesamtpolitische Weltlage werde immer komplizierter.

Linken-Politikerin Dagdelen tut sich schwer

Nur Sevim Dagdelen erhob zwischendurch immer mal wieder mehr zaghaft als entschieden Einspruch. Die Linken-Politikerin und immerhin stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihrer Partei bemühte sich, Heiko Maas Paroli zu bieten – und wurde von diesem mehrmals resolut ausgekontert. Nicht einmal beim Thema Rüstungsexporte konnte Dagdelen so richtig punkten – dabei bot ihr Merkels Rede reichlich Angriffsfläche.

Und so waren es Trittin und Mascolo, die Maas und die Bundesregierung am energischsten dafür kritisierten, Waffen-Lieferungen für den Jemen-Krieg zu genehmigen. Doch als gerade so etwas wie Stimmung und Streit aufzukommen schien, war die Zeit auch schon wieder um. Wirklich schade war das nach dieser ermüdenden Stunde trotzdem nicht.

Von Ansgar Nehls/RND