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Jesuit Hans Zollner (l) und Charles Scicluna, Erzbischof von Malta, nehmen an einer Pressekonferenz anlässlich anlässlich eines Missbrauchs-Gipfels im Vatikan teil.

Vatikan will „dem Monster ins Auge schauen“

Die Missbrauchskonferenz des Vatikans soll nach Angaben der Organisatoren eine „richtige Wende“ in der seit Jahrzehnten anhaltenden Krise bringen. Mit Spannung wird die programmatische Rede von Papst Franziskus erwartet.

Vor dem in dieser Woche geplanten Treffen der weltweiten katholischen Bischöfe zu Missbrauch und Kinderschutz mit Papst Franziskus bemüht sich der Vatikan demonstrativ um Transparenz.

„Es braucht den Einsatz aller, um diesem Monster in die Augen zu schauen“, sagte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Montag bei der Vorstellung der am Donnerstag beginnenden viertägigen Konferenz im Vatikan.

Geplante Ansprachen von Kardinälen sollen anders als bei Bischofssynoden live im Internet übertragen werden. Eine eigene Internetseite unter der Adresse www.pbc2019.org soll über den Fortgang der Konferenz und anschließende Bemühungen informieren.

Zum Auftakt der Konferenz wird ein Video mit dem Bericht eines Missbrauchsopfer gezeigt. Zu dem Treffen werden von Donnerstag an nach Angaben des ehemaligen Vatikansprechers Federico Lombardi 190 Teilnehmer erwartet, darunter Missbrauchsopfer und zwölf Frauen. Lombardi wird die Versammlung moderieren.

„Die Kirche als Feldlazarett“

Am ersten Tag geht es demnach um die Verantwortung der Bischöfe. Der zweite Tag ist der Frage gewidmet, wie Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden. Am Samstag wird der Münchener Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, einen Vortrag über Transparenz halten.

Am Abend will der Papst mit den Teilnehmern im Apostolischen Palast eine Bußliturgie feiern. Nach der Sonntagsmesse mit den Teilnehmern will das Kirchenoberhaupt eine programmatische Rede halten.

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Die Themen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz seien Teil guter Regierungsführung, sagte der maltesische Erzbischof Charles Scicluna bei der Vorstellung des Programms.

Damit solle die Kirche zu dem sicheren Ort gemacht werden solle, der sie sein müsse, betonte Scicluna, der in der Glaubenskongregation für Missbrauchsermittlungen zuständig ist. Die erste Antwort auf Missbrauch sei häufig das Leugnen. Von diesem „primitiven Mechanismus“ müsse die Kirche weg.

Dank dem investigativen Journalismus

Scicluna dankte ausdrücklich Medien weltweit dafür, dass sie durch investigativen Journalismus das Bewusstsein in der Kirche für Missbrauch gestärkt hätten. Er wird vor den Konferenzteilnehmern einen Vortrag über „Die Kirche als Feldlazarett. Verantwortung übernehmen“ halten.

Der Vorsitzende des Kinderschutzzentrums der päpstlichen Gregoriana-Universität, Hans Zollner, kündigte die Veröffentlichung der Ergebnisse eines Fragebogens an die Konferenzteilnehmer an.

Die Antworten auf Fragen nach dem Umgang mit Missbrauch in den Kirchen und Kulturen der einzelnen Länder würden derzeit noch von Experten ausgewertet.

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Von RND/epd