Aktuell
Home | Nachrichten | Politik | Amri-Vertrauter stellte in Flüchtlingsunterkunft IS-Hinrichtungen nach
Der Lkw mit dem der Attentäter Anis Amri über den Berliner Breitscheidplatz gerast war. Zwölf Menschen starben, 60 wurden verletzt.

Amri-Vertrauter stellte in Flüchtlingsunterkunft IS-Hinrichtungen nach

Neue Details zu Bilal Ben Ammar: Der Vertraute des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz soll einen Jungen beim Nachspielen von Folterszenen gefilmt haben. Er nutzte zudem mehrere Identitäten.

Ein enger Freund und möglicher Helfer des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri hat in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nachgestellt. Das geht laut Deutscher Presseagentur dpa aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor.

Bilal Ben Ammar, der als enger Vertrauter Amris beschrieben wird, hielt die Szene am 13. September 2016 in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße in einem Video fest. Es zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird.

Am Ende imitierte Ammar eine Enthauptung

Ben Ammar verglich dies mit der Folterung von Muslimen in Burma und forderte das Kleinkind auf, zuzuschlagen. Die Ermittler notierten: „Danach forderte Ben Ammar das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen und zeigte, wie man einen ,gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes’ befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht.“ Zuletzt habe er an dem Jugendlichen eine Enthauptung imitiert.

Frühere Bewohner der Unterkunft sagten dem Vermerk zufolge aus, er habe sich als Islamist zu erkennen gegeben. Im Kontakt mit der Heimleitung und den Sozialarbeitern habe sich der 28-Jährige aber „kooperativ verhalten“ und sei nicht aufgefallen.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und den Fahrer umgebracht. Mit dem Fahrzeug raste der Tunesier auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, wo elf weitere Menschen starben. Nach dem Attentat floh er nach Italien, wo ihn die Polizei erschoss. Am Vorabend des Anschlags aß er mit Ben Ammar. Ben Ammar wurde am 1. Februar nach Tunesien abgeschoben, wo seine Ehefrau mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte. In Deutschland war er durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug aufgefallen.

Der Islamist nutzte zwölf Identitäten

Die Behörden stuften ihn zudem als islamistischen Gefährder ein. Offenbar hatte sich Ben Ammar in Deutschland unter verschiedenen Namen als Asylbewerber registrieren lassen. Das geht aus dem Schreiben eines Beamten des Bundesinnenministeriums an eine Kollegin vom 16. Januar 2017 hervor.

Einer Namensliste zufolge nannte sich der Tunesier unter anderem Fathi Mheni, Abu Bakir Muawed und Ahmad Hassan. Er gab sich mal als Marokkaner, mal als Ägypter und dann wieder als Libyer aus. Insgesamt hatte der Islamist zwölf verschiedene Identitäten.

Ben Ammar war Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 2014 zusammen mit anderen Tunesiern per Boot nach Italien und dann über die Schweiz nach Deutschland gekommen.

Von RND/dpa