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In Chemnitz war in der Nacht zum 26. August 2019 ein 35-Jähriger Opfer einer tödlichen Messerattacke geworden war.

Irakische Sicherheitsbehörden fahnden nach Tatverdächtigem von Chemnitz

Der irakische Flüchtling, der unter dem Verdacht steht Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfestes Daniel H. getötet zu haben, wird nun auch in seiner Heimat gesucht. Die Sicherheitsbehörden vor Ort sagten den deutschen Behörden Unterstützung zu.

Auf der Suche nach einem der Verdächtigen im Chemnitzer Totschlagsfall erhält die deutsche Justiz Hilfe durch den Irak. Aus Regierungskreisen in Bagdad hieß es, die Sicherheitsbehörden fahndeten nach Farhad A., einem irakischen Flüchtling, der unter dem Verdacht steht Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests den Deutschen Daniel H. mit einem Messer getötet zu haben.

In deutschen Regierungskreisen hieß es auf Anfrage von NDR, MDR, WDR und SZ, die Bundesrepublik habe bereits ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an den Irak gerichtet. Nach RND-Informationen sollen auch deutsche Zielfahnder nach Farhad A. suchen.

Am Montag beginnt in Dresden der Strafprozess gegen einen der Verdächtigen in dem Chemnitzer Kriminalfall. Dabei handelt es sich um den Syrer Alaa S., der wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags angeklagt ist.

Daniels Mutter hat keine Rachegefühle gegenüber Ausländern

Derweil hat sich der Anwalt der Mutter von Daniel H. zu Wort gemeldet, wie der „Focus“ berichtet. Rechtsanwalt Uwe Lang aus Chemnitz sagte demnach, dass die Mutter „maßlos traurig über den Verlust ihres Sohnes“ sei. Aber sie hege keine Hass- oder Rachegefühle gegen Ausländer.

„Sie ist weit davon entfernt, Ausländer zu stigmatisieren oder sie unter Generalverdacht zu stellen.“ Sie wünsche sich, dass die wahren Täter zur Rechenschaft gezogen werden: „Sie möchte die Wahrheit wissen, sie möchte endlich erfahren, was geschehen ist“, sagte Lang.

Per internationalem Haftbefehl gesucht

Alaa S. muss sich wegen gemeinschaftlichen Totschlags, gemeinschaftlichen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sein mutmaßlicher Komplize, der Iraker Farhad R. A., ist auf der Flucht und wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Die Ermittlungen gegen einen dritten Tatverdächtigen waren Mitte Januar eingestellt worden.

S. und R. A. sollen am 26. August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfestes in eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen verwickelt gewesen sein. In deren Folge wurde der damals 35 Jahre alte Deutschkubaner Daniel H. erstochen. Der Vorfall löste eine Reihe ausländerfeindlicher Proteste in der Stadt aus, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Zudem führte die politische Bewertung der Proteste zu einer Krise in der Bundesregierung und zum Rückzug von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

Von RND/dpa