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Gläubige Muslime beten im australischen Wakemba an der Lakmeba Moschee für die Opfer und ihre Angehörigen nach den Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch.

Wie sich Australiens Gesellschaft gegen Muslime radikalisiert

Der Hauptattentäter von Churchill ist ein weißer, gebürtiger Australier. In einem Manifest beschreibt er sein Motiv. Er ist Bürger eines Landes, in dem die Stimmung gegen Muslime zu kippen droht. Die United Patriots Front – die AfD Australiens – wirbt offen dafür, sie nicht mehr aufzunehmen.

Die Stimmung war angespannt, als die Polizei vor wenigen Wochen am Strand von Saint Kilda in der Nähe der südaustralischen Millionenmetropole Melbourne rechtsextreme Demonstranten von linken Gegendemonstranten trennte.

Dutzende von berittenen Polizisten, Beamte mit Schildern sowie Polizeihubschrauber wurden aufgeboten, um die Demonstranten unter Kontrolle zu halten. Nach gewalttätigen Übergriffen von Rechtsextremen setzte die Polizei Pfefferspray ein. Mindestens eine Person wurde verletzt.

Die Stimmung in Australien droht zu kippen

Organisiert wurde die Kundgebung von Führern der rechtsextremen United Patriots Front (UPF), einer von mittlerweile mehreren rechtsextremen Gruppierungen in Australien. Seit dem Beginn der Flüchtlingskrise in Europa und den steigenden Zahlen von Flüchtlingen auch in Australien, droht die Stimmung in dem sonst so liberalen Land vor allem gegen Muslime zu kippen.

Australien, das klassische Einwandererland, verfolgt seit Jahren eine der härtesten Abschreckungsstrategien und bringt auf dem Meer abgefangene Flüchtlinge weit entfernt und außerhalb von australischem Territorium in Haftzentren auf den Inseln Nauru und Manus unter.

Inzwischen driftet es immer weiter nach rechts ab. Zuletzt machte es Schlagzeilen, da der Haupttäter der Attentate von Christchurch nach eigenen Angaben gebürtiger Australier ist. Bei den Angriffen auf zwei Moscheen in Neuseeland waren mindestens 49 Menschen getötet und viele verletzt worden. In einem 74-seitigen Manifest kündigte er das Attentat an und legte seine rechtsextreme und fremdenfeindliche Motivation dar. Das Schreiben nimmt auch auf den norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik Bezug. Die neuseeländische Polizei äußerte sich dazu bisher nicht.

Australische Politiker werben offen dafür, keine Muslime mehr aufzunehmen. Bei den letzten Parlamentswahlen gewann die rechtsextreme, antimuslimische und nationalistische Partei „One Nation“ erstmals im Senat mit 4,29 Prozent der Stimmen vier von 76 Sitzen.

Beobachter vergleichen die 1997 gegründete Partei mit der deutschen AfD. Sie hetzt gezielt gegen Einwanderung, Multikulti und die angebliche Bevorzugung der Aborigines.

Pauline Hanson: „Wir werden von Muslimen überschwemmt“

In ihrer Antrittsrede im Senat warnte Pauline Hanson, Mitbegründerin von „One Nation“, Australien werde von Muslimen „überschwemmt“. Wie alle rechtspopulistischen und völkischen Parteien schürt sie die Angst, dass bald alle unter der Scharia leben müssten und Australier Bürger zweiter Klasse würden. Muslime hätten „eine Kultur und eine Ideologie, die mit unserer eigenen inkompatibel“ sei. Niemals in der australischen Geschichte sei „ziviler Aufstand und Terror mit einer sogenannten Religion und Anhängern dieses Glaubens verbunden“ gewesen.

Eine aktuelle Umfrage von Essential Poll scheint nahezulegen, dass Hanson und „One Nation“ durchaus im Trend der Australier liegen. Demnach sind 49 Prozent für ein Verbot der Einwanderung von Muslimen, 40 Prozent sind dagegen, 11 Prozent können sich nicht entscheiden. Auch 40 Prozent der Wähler der Labor-Partei und 34 Prozent der Grünen sprechen sich für ein solches Verbot aus.

Diejenigen, die sich für ein Verbot aussprachen, wurden nach dem Grund gefragt. Die meisten gaben mit 41 Prozent an, dass Muslime sich nicht in die australische Gesellschaft integrieren. 27 Prozent nannten die Terrorgefahr, 22 Prozent, dass sie nicht die Werte teilen.

Hanson kommt jedenfalls gut an. 62 Prozent aller Befragten sagten, dass sie nicht mit allem von Hanson einverstanden seien, aber sie sage, „was viele Australier denken“.

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Von Jörg Köpke/RND