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Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan sorgt mit Äußerungen zu Christchurch für Eklat

Der türkische Staatspräsident nutzt die Tragödie von Christchurch für Wahlkampfzwecke. Erdogan verärgerte vor allem die australische Regierung mit Äußerungen zum Ersten Weltkrieg – und zeigte Teile des Anschlagsvideos öffentlich.

Der türkische Staatspräsident sorgt für Verärgerung: Trotz breiter Kritik hat Recep Tayyip Erdogan am Dienstag erneut Teile des Videos des mutmaßlichen Terroristen von Christchurch öffentlich gezeigt. Bei einer Wahlkampfkundgebung in der nordtürkischen Stadt Eregli wollte er damit wachsenden Hass und Vorurteile gegen den Islam belegen.

Erdogan nutzte das Christchurch-Video bereits einmal für Wahlkampfzwecke, um Islamophobie darzustellen. Am 31. März wird in der Türkei gewählt.

Am Montag hatte Erdogan gesagt, jeder der mit anti-muslimischen Gesinnungen in die Türkei komme, werde im Sarg zurückgeschickt „wie ihre Großväter“ während der Schlacht von Gallipoli.

Bei der Schlacht von Gallipoli zwischen Februar 1915 und Januar 1916 kamen mehr als 8000 Australier und mehr als 2000 Neuseeländer ums Leben.

Erdogan löst diplomatischen Streit aus

Die Kommentare hatten scharfe Kritik des australischen Premierministers Scott Morrison ausgelöst. Wenn Erdogan seine Kommentare nicht zurücknehme, seien „alle Optionen auf dem Tisch“. Australien bestellte wegen der „hochgradig beleidigenden“ Bemerkungen den türkischen Botschafter ein.

Erdogan hatte bei einem Auftritt vor den türkischen Kommunalwahlen Ende März den Anschlag als Angriff auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt. Erdogan verlangte zudem die Todesstrafe für den Täter. Er fügte hinzu. „Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft zieht, werden wir dies tun – auf die eine andere Weise.“ Neuseeland rief er auf, seine Gesetze zu ändern, um sicherzustellen, dass der Angreifer von Christchurch ernsthaft bestraft werde.

Erste Todesopfer beigesetzt

Während Erdogan die Propaganda-Trommel rührt, wurden fünf Tage nach dem Anschlag die ersten Todesopfer beigesetzt. Wegen der kriminaltechnischen Ermittlungen müssen die Familien auf die Freigabe der Leichen jedoch viel länger warten als üblich.

Premierministerin Jacinda Ardern bat die Hinterbliebenen um weitere Geduld. „Ich weiß, wie schwierig und frustrierend langsam das aus Sicht der Familien ist“, sagte sie bei einem weiteren Besuch in Christchurch.

Bis Mittwochabend (Ortszeit) wurden erst 30 der Toten freigegeben. Noch 29 Verletzte wurden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Unter den acht Menschen, die noch in „kritischem Zustand“ sind, ist auch ein vierjähriges Mädchen.

Schweigeminute an Tatzeit

Am Freitag will das ganze Land mit zwei Schweigeminuten der insgesamt 50 Todesopfer gedenken. Zur Tatzeit soll das ganze Land stillstehen. Ardern kündigte auch an, dass es zu einem späteren Zeitpunkt in Christchurch eine nationale Trauerfeier geben soll. Für die Hinterbliebenen sind inzwischen mehr als fünf Millionen Euro auf einem Spendenkonto eingegangen.

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Von RND/dpa/AP/ka