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So sieht es aus, wenn die Menschen gegangen sind: Loitz in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Ostbeauftragter nach Erhebung über Bevölkerungsschwund: Ländliche Räume fördern

In Ostdeutschland leben heute so viele Menschen wie zuletzt 1905. Das teilte das ifo-Institut in Dresden am Mittwoch mit. Der CDU-Politiker Christian Hirte sieht darin einen Grund für die gesellschaftlichen Probleme heute.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), hat angesichts der jüngsten Erhebung über den Rückgang der Einwohnerzahl in Ostdeutschland gefordert, die ländlichen Räume nicht zu vernachlässigen. „Die Erhebung belegt sehr deutlich: Ursache des massiven Bevölkerungsverlusts ist die schlechte Entwicklung im Osten nach der Teilung unseres Landes“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das verursacht einen Teil des Frustes und der gesellschaftlichen Probleme heute.“ Gleichzeitig sei die seit 1989 bestehende Möglichkeit, gefahrlos den Wohnort zu wechseln, aber auch „Ausdruck der angestrebten und gewollten Freiheit“. Hirte fügte hinzu, er „unterstütze ausdrücklich die Forderung“, bei der staatlichen Strukturförderung „den ländlichen Raum nicht zu vernachlässigen“.

Einer am Mittwoch bekannt gewordenen Erhebung des ifo-Instituts Dresden zufolge ist die Einwohnerzahl in Ostdeutschland auf den Stand des Jahres 1905 zurückgefallen. Zugleich leben auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik so viele Menschen wie nie zuvor, teilte das Institut mit. Verantwortlich für diese Entwicklung sei die deutsche Teilung.

Der Westen gewinnt

1905 lebten in Ostdeutschland 13,6 Millionen Menschen. Prognosen zufolge sei das auch das Niveau des Jahres 2019, hieß es vom ifo-Institut. Auf westdeutschem Gebiet leben mittlerweile dagegen mehr als 68 Millionen Menschen – Anfang des 20. Jahrhunderts waren es nur 32,6 Millionen. Die Einwohnerzahlen in Ost und West drifteten nahezu ungebremst auseinander, erklärte ifo-Forscher Felix Rösel. Diese Entwicklung werde häufig übersehen. Der ländliche Raum im Osten sei regelrecht ausgeblutet und müsse speziell gefördert werden.

Der Bevölkerungsschwund im Osten sei eine Folge der deutschen Teilung, so der Forscher weiter. Von 1949 bis zum Mauerbau 1961 hätten zahlreiche gut ausgebildete Menschen den Osten verlassen. In der DDR stagnierten dann die Einwohnerzahlen – während der Westen auch durch Zuwanderung gewann. Der nächste große Einschnitt im Osten folgte laut ifo-Institut durch die Abwanderung nach 1989. Vor der deutschen Teilung hätten sich Ost- und Westdeutschland dagegen nahezu parallel entwickelt.

Von Markus Decker/RND

So sieht es aus, wenn die Menschen gegangen sind: Loitz in Mecklenburg-Vorpommern.