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Ein Wrackteil eines abgestürzten „Eurofighters“ liegt auf der Spielwiese eines Kindergartens. Quelle: Christophe Gateau/dpa

„Eurofighter“-Absturz: Luftwaffe findet Flugschreiber der Jets

Nach dem “Eurofighter“-Absturz sucht die Bundeswehr nach der Unglücksursache. Am Dienstagnachmittag konnten die Flugschreiber der beiden Maschinen geborgen werden.

Malchow. Die Menschen in der Region, in der am Montag zwei „Eurofighter“ der Bundeswehr abgestürzt sind, müssen sich länger als zunächst gedacht auf Sperrungen einstellen. Wie ein Sprecher der Bundeswehr am Dienstag nach einer Lageberatung in Nossentin bei Malchow (Mecklenburgische Seenplatte) sagte, könnte die Suche nach Wrackteilen noch über das kommende Wochenende hinaus andauern.

Am Dienstagnachmittag teile die Luftwaffe auf Twitter mit, dass nun die Flugschreiber der beiden Maschinen gefunden und geborgen wurden.

Das mehrere Quadratkilometer große Gebiet, in dem Teile der zwei abgestürzten Maschinen vermutet werden, sei zum Teil unwegsam und soll mit zusätzlichen Kräften systematisch durchkämmt werden. Zum Suchgebiet gehören auch Wasserflächen. Außerdem sollen Soldaten das Gebiet weiträumig über 24 Stunden absperren und die Sperrpunkte bewachen, berichtet die „Ostsee-Zeitung“.

Den Zusammenstoß, bei dem ein Pilot ums Leben kam, hatten Augenzeugen über dem Fleesensee, der mit der Müritz verbunden ist, beobachtet. Die großen Seen der Müritzregion dienen den Piloten seit Jahren als Orientierungspunkte in der Landschaft.

Außerdem sollen Soldaten das Gebiet weiträumig über 24 Stunden absperren und die Sperrpunkte bewachen. Der Sprecher rief die Einwohner auf, ihre Gäste bei den Wachleuten registrieren zu lassen, damit sie in die Sperrgebiete hineinkommen und auch wieder hinauskommen. Man wolle verhindern, dass Wrackteile von Unbekannten gefunden und mitgenommen würden, hieß es.

Wrackteil neben Kindergarten gefunden

Am Morgen nach dem Absturz war in unmittelbarer Nähe des Kindergartens in Nossentiner Hütte ein Wrackteil gefunden worden. Ein Gemeindearbeiter entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil beim Rasenmähen auf einem Sportplatz, der direkt an das umzäunte Kindergartengelände grenzt.

„Wir können von Glück reden, dass wir so davon gekommen sind“, sagte die Leiterin des Kindergartens, in dem am Morgen etwa 20 Kinder spielten. Viele Eltern hätten ihren Nachwuchs wegen der Ereignisse am Vortag abgemeldet. Einige der Kinder hätten den Absturz eines der beiden Kampfjets vom Fenster aus beobachtet.

Das offenkundig abgerissene, stark zerbeulte Teil lag etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten der Kinder. Bundeswehrangehörige bargen das Gerät, wollten sich aber nicht zur Funktion äußern. Die Hauptsuche konzentrierte sich auf ein Kornfeld etwas mehr als einen Kilometer vom Kindergarten entfernt.

Getöteter Eurofighter-Pilot hatte 400 Stunden Flugerfahrung

Der bei dem Unglück ums Leben gekommene Pilot ist nach Angaben der Luftwaffe 27 Jahre alt gewesen und hat etwa 400 Stunden Flugerfahrung gehabt. Er sei ein ausgebildeter Kampfpilot, twitterte die Luftwaffe am Dienstag. Der überlebende zweite Pilot sei Fluglehrer und habe mehr als 3700 Flugstunden absolviert. Der getötete Pilot habe gerade eine verbandsinterne Weiterbildung absolviert, sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

Bei Luftkampfübungen waren am Montag zwei Eurofighter über der Mecklenburgischen Seenplatte zusammengestoßen und mehrere Kilometer voneinander entfernt abgestürzt. Ein Pilot wurde getötet, der zweite überlebte das Unglück und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Zivile Opfer gab es nicht.

Politik sucht nach Lehren aus dem Absturz

Der Absturz ist auch im politischen Berlin ein Thema. Der CSU-Politiker Florian Hahn, Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestags, mahnte bessere Arbeitsbedingungen für die Soldaten an. „Unglücke wie dieses führen uns schmerzlich vor Augen, dass der Beruf des Soldaten mit außerordentlichen Gefährdungen für Leib und Leben verbunden ist. Deshalb muss in jedem Fall beste Ausrüstung und Ausbildung gewährleistet sein“, sagte Hahn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Das sind wir unseren Soldaten mindestens schuldig. Hier hat der Bundestag eine besondere Verantwortung, das zu gewährleisten“, mahnte der europapolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Grüne fordern Aufklärung

Die Grünen forderten eine transparente Aufklärung des Vorfalls – auch im Bundestag. „Der General Flugsicherheit muss die Obleute des Verteidigungsausschusses persönlich über seine Untersuchungen informieren – ohne dass das Verteidigungsministerium zwischengeschaltet wird“, sagte Tobias Lindner, sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, dem RND.

Linke für Ende der Übungen

Lindner warnte zudem vor einer Debatte über eine Einschränkung des Übungsbetriebs: „Wenn man Flugzeuge hat, muss man damit auch üben. Die Zahl der Übungsflüge ist aus Kostengründen ohnehin bereits reduziert worden. Viele Übungsflüge finden zudem im Ausland statt. Vor weiteren Schlussfolgerungen sollte der Bericht des Generals Flugsicherheit abgewartet werden.“

Die Linkspartei forderte ein Ende der militärischen Luftkampfübungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Von RND/dpa