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Einem Spender wird Blut abgenommen.

Kein Land braucht so viel Spenderblut wie Deutschland

Bei Operationen werden häufig Blutkonserven benötigt. Nach einer neuen Studie der Barmer-Krankenkasse ist Deutschland allerdings beim Verbrauch internationaler Spitzenreiter. Experten fordern Gegenmaßnahmen.

Berlin. In keinem Land der Welt wird so viel Spenderblut benötigt wie in Deutschland. Das geht aus dem neusten Krankenhausreport der Barmer Krankenkasse hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Danach gab es hierzulande 2015 pro 1000 Einwohner fast 50 Bluttransfusionen, während in den Niederlanden oder Japan nur knapp die Hälfte benötigt wurde. Allein im Jahr 2017 wurden in Deutschland mehr als 3,2 Millionen Blutkonserven verbraucht. „Eine Transfusion ist bei all ihren Vorteilen immer mit Risiken für den Empfänger verbunden. Daher sollte mit den Ressourcen Eigenblut und Fremdblut schonend umgegangen werden“, sagte Kassen-Chef Christoph Straub.

Als Konsequenz forderte die Kasse die Krankenhäuser auf, nach dem Vorbild der Niederlanden die Patienten mit einem speziellen Behandlungskonzept auf planbare Operationen vorzubereiten. Allein dadurch könnten rund eine Million Blutkonserven pro Jahr eingespart werden, so Straub.

Experten sprechen vom „Patient Blood Management“ (PBM). Dabei geht es unter anderem darum, Patienten mit Blutarmut (Anämie) zu erkennen und vor einer Operation entsprechend zu behandeln. Anämie gilt als hoher Risikofaktor für Komplikationen bei Operationen sowie als Hauptursache für Bluttransfusionen.

Blutverlust minimieren

Eine zweite Säule des Konzeptes zielt darauf ab, die Methoden und Abläufe in der Klinik und bei Operationen so zu optimieren, dass der Blutverlust minimiert wird. Dazu wird dem Patienten zum Beispiel zu diagnostischen Zwecken so wenig Blut wie möglich abgenommen. Transfusionen kommen erst bei dringendem Bedarf zum Einsatz. „Damit werden Patientinnen und Patienten auf Operationen besser vorbereitet, unnötige Blutverluste reduziert und Transfusionen samt ihren Risiken seltener“, sagte Barmer-Vorstandschef Straub.

Andere Staaten wie etwa die Niederlande seien bei der Umsetzung dieses Konzeptes viel weiter, sagte Studienautor Boris Augurzky vom Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Hierzulande werde es nur von wenigen Kliniken genutzt, kritisierte er. „Es ist Zeit, dass Deutschland nachzieht“, sagte er. Die Anwendung sei ein zentraler Schritt für mehr Patientensicherheit.

Von Tim Szent-Ivanyi/RND