Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Blick auf die Klagemauer und die goldene Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg in Jerusalem im Jahr 2017.

CDU lehnt JU-Forderung nach Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ab

Die Junge Union wandelt in der Außenpolitik auf Donald Trumps Pfaden und fordert die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. In der Union stoßen die Nachwuchspolitiker damit auf Widerstand. Die Außenpolitiker der Unionsfraktion argumentieren, die Forderung der JU widerspreche dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung.

Saarbrücken/Berlin. Die Junge Union stößt mit ihrer Forderung nach einer Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt auf Widerstand in der CDU. „Das ist gut gemeint, aber keine gute Idee“, sagte der Vizevorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Johann Wadephul (CDU), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Sonntag). „Die Bundestagsfraktion steht hinter der Zwei-Staaten-Lösung, weil nur so die Existenz und die Sicherheit Israels dauerhaft erreicht werden kann. Das alles erreicht man nicht durch einseitige Maßnahmen, sondern nur durch einen konstruktiven Friedensprozess.“

Auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), wies das Ansinnen der JU zurück. „Die Verlegung der Botschaft würde keine Probleme lösen, sondern könnte eher neue schaffen“, sagte er. Die einzig Erfolg versprechende nachhaltige Friedensperspektive bleibe die Zwei-Staaten-Lösung.

„Teil dieser Lösung ist die Klärung des Status von Jerusalem. Hier vorab Festlegungen zu treffen würde unsere Möglichkeiten als anerkannt fairer Vermittler beschneiden“, sagte Hardt. Er sei froh, dass sich die EU-Staaten geschlossen an diese Linie gehalten und auch dem Werben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nicht nachgegeben hätten.

Wie die JU ihren Antrag begründet

Die Junge Union hatte auf ihrem Jahrestreffen, dem „Deutschlandtag“, nach längerer Debatte einen Antrag mit der Überschrift „Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels“ beschlossen. Darin wird die CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgefordert, „dem Beispiel der USA, Russlands und Guatemalas zu folgen und sich für eine Verlegung der deutschen Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem einzusetzen und somit Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen“. Das Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung bleibe dennoch erhalten.

Eine „weitere verweigernde Haltung“ der Bundesregierung in dieser Frage könne die deutsch-israelischen Beziehungen gefährden, heißt es weiter.

Die Delegierten hatten dem Antrag gegen die Empfehlung der von der Führung der Jungen Union eingesetzten Antragskommission des „Deutschlandtags“ zugestimmt.

Die seit Jahrzehnten diskutierte Zwei-Staaten-Lösung sieht neben Israel einen unabhängigen Staat Palästina vor. Es besteht keine Einigkeit über eine möglichen Grenzverlauf.

Die USA hatten unter US-Präsident Donald Trump 2018 als erstes Land ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Im März dieses Jahres verkündete Trump, dass die USA Jerusalem als Hauptstadt anerkenne. Die israelische Regierung hatte dies begrüßt, die Palästinenser protestierten. International wurde die Sorge vor einer weiteren Destabilisierung der Region laut.

Von Daniela Vates/RND