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Der Vizepräsident des Europäischen "Instituts" für Klima und Energie (EIKE), Michael Limburg. Quelle: picture alliance / Soeren Stache

Ärger im Bundestag: AfD lädt Leugner des Klimawandels als Experten ein

Wenn im Umweltausschuss des Bundestages Dialoge stattfinden, werden normalerweise keine Fraktionsangestellten eingeladen – Experten von außen sollen ihre Sichtweisen einbringen. Doch die AfD lud zu einem Klimadialog nun einen Klimawandelleugner ein, der zudem AfD-Fraktionsmitarbeiter ist. Der Unmut bei den anderen Fraktionen ist groß.

Berlin. Wahrscheinlich hat Michael Limburg seine Rolle genossen, die er da im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags gespielt hat. Zwei Stunden lang ging es ums Klima und da kennt er sich schließlich aus – zumindest behauptet er das selbst von sich.

Trotzdem sagt er so Sachen wie: „Den menschengemachten Klimawandel halte ich für nicht existent“ und „Klimaschutz ist eine absurde Idee“. Derlei Thesen kommen ja besonders bei der AfD gut an, weshalb eines Tages die Partei der Klimawandel-Leugner auf eines der bekanntesten Sprachrohre der Szene aufmerksam geworden ist – oder umgekehrt, so genau weiß man das bis heute nicht.

Jedenfalls ist Limburg nicht nur Vize-Chef des Klimaskeptiker-Vereins EIKE (Europäisches „Institut“ für Klima & Energie), sondern auch maßgeblich am klimapolitischen Grundsatzprogramm der AfD beteiligt. Und er arbeitet, in Teilzeit, im Büro des umweltpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Karsten Hilse.

Er hatte also einen kurzen Weg in den Umweltausschuss des Bundestages, wo am Dienstag in einem „Klimadialog“ – ohne Bürger und Journalisten auf den Zuschauerplätzen – Fachkundige etwa von Ifo-Institut, Familienunternehmerverband, DGB und Fridays for Future miteinander sprachen, eingeladen von den Fraktionen. Experten von außerhalb also, so war es gedacht. Plus: Limburg. Nicht als Zuhörer oder Mitarbeiter, sondern als Sachverständiger.

Unmut bei Grünen: „Aberwitzige Folien“

Für die anderen Fraktionen ein Ärgernis: Der selbsterklärte Experte habe „mit zum Teil aberwitzigen Folien die übliche Aussage der AfD zum Thema Klimaschutz vorgetragen“, sagte die Ausschussvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen danach dem RND.

Was den Ausschussmitgliedern noch mehr aufstieß: Normalerweise werden keine Fraktionsangestellten zu solchen Dialogen eingeladen. Ein Bruch der Konventionen war es mindestens, für die Grünen war es ein Eklat. „In dem Format ging es darum, dass wir Expertise von außen bekommen und uns mit der Gesellschaft austauschen“, so Kotting-Uhl weiter. „Seinen eigenen Mitarbeiter als Experten einzuladen, war nicht der Sinn des Klimadialogs.“

Die Frage von Sinn oder Unsinn hat sich bei der AfD indes offenbar zu keinem Zeitpunkt gestellt. „Ich sehe da kein Problem. Die anderen Fraktionen sollten uns das nicht übel nehmen“, sagte Hilse dem RND. Er habe Limburg nicht als seinen Mitarbeiter, sondern als Eike-Vizepräsident eingeladen, sagt der Chef. Außerdem war der Haus-Experte der AfD ja praktischerweise schnell zu Hand. Doch Hilse betont: „Zu öffentlichen Sitzungen laden wir aber grundsätzlich nur externe Experten ein.“

Nicht nur Klimapolitik ist bei der AfD also reine Ansichtssache.

Von Alexander Holecek/RND