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Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat am Montag sein 70-jähriges Jubiläum gefeiert. Quelle: imago images/photothek

70 Jahre DGB – auf die Gewerkschaften wartet noch viel Arbeit

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat noch knapp sechs Millionen Mitglieder – etwa halb so viele wie 1990. Zum 70. Jahrestag stellt sich die Frage nach der Zukunft der organisierten Arbeitnehmerschaft. Die Gewerkschaften müssen sich neu erfinden, kommentiert Rasmus Buchsteiner.

Berlin. Noch einmal ist er beschworen worden, der Wert der Tarifautonomie und der Sozialpartnerschaft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist aus der Wirtschaftsgeschichte des Landes nicht wegzudenken. Zum 70. Jahrestag der Gründung des Dachverbandes ist die Frage jedoch, ob das auch so bleibt.

Der Mitgliederschwund, der nunmehr noch acht DGB-Einzelgewerkschaften ist keineswegs gestoppt, sondern lediglich abgebremst worden. Das große Jubiläum wird von der Erkenntnis begleitet, dass sich mit dem Verweis auf die Errungenschaften der Vergangenheit – von der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bis zur Verkürzung der Arbeitszeiten – allein noch keine neuen Mitglieder gewinnen lassen.

Die Gewerkschaften haben besonders dort viel durchgesetzt, wo sie stark auftreten konnten. Das war vor allem in den großen Branchen, in der Automobilwirtschaft, in der Metall- und Elektroindustrie, in der Chemie und im öffentlichen Dienst. In anderen Bereichen haben sie an Rückhalt eingebüßt – oder nie einen Fuß an den Boden bekommen.

Herausforderungen der Digitalisierung gestalten

Ihren schleichenden Bedeutungsverlust werden die Gewerkschaften nur dann stoppen können, wenn sie neues Vertrauen gewinnen. Zum Beispiel, indem sie den Wandel der Arbeitswelt aktiv gestalten. In den großen Industriebranchen bedeutet dies, die Herausforderungen der Digitalisierung ernstzunehmen und längst überfällige Investitionen in Weiterbildung durchzusetzen.

In der Pflege gilt es aufzuzeigen, dass sich bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne nur gemeinsam erkämpfen lassen. Für den Plattform-Beschäftigten, den Leiharbeiter oder den Startup-Mitarbeiter muss eine Mitgliedschaft handfeste Vorteile bringen.

Viel Arbeit also für diejenigen, die der Anwalt der Arbeitnehmer sein wollen. Die Gewerkschaften werden sich neu erfinden müssen.

Von Rasmus Buchsteiner/RND