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Gefährder können auch mit elektronischen Fußfesseln überwacht werden.

Politischer Extremismus: Die Gefährder sind männlich

Das Bundeskriminalamt zählt unter Islamisten, Rechtsextremisten und Linksextremisten derzeit 729 Gefährder. Zugleich gibt es an, dass es sich fast durchweg um Männer handelt. Experten verwundert das nicht.

Berlin. Die vom Bundeskriminalamt (BKA) geführten Gefährder – also jene Menschen, die für schwere Gewalttaten in Betracht kommen – sind fast durchweg männlich. Das teilte das BKA dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Dies gilt unabhängig davon, welchem politischen Spektrum die Gefährder jeweils zugerechnet werden.

Laut BKA wurden mit Stichtag 15. Oktober 681 religiös – sprich islamistisch – motivierte Gefährder gezählt. Der Frauenanteil bewegt sich danach „im mittleren einstelligen Prozentbereich“. Die Zahl der rechtsextremistischen Gefährder wurde mit 43 angegeben und jene der linksextremistischen Gefährder mit fünf. Der Frauenanteil ist dem BKA zufolge im rechts- wie im linksextremistischen Bereich „außerordentlich gering“. Prozentzahlen wurden nicht genannt.

Der Terrorismus-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, sagte dem RND: „In Deutschland dominieren seit Jahren die Islamisten und Rechtsextremisten, beides Bewegungen, die Frauen nur eine untergeordnete Rolle zubilligen. Dies führt dazu, dass Frauen – wenn überhaupt – meist nur unterstützend tätig werden. Das gewaltsame terroristische Kerngeschäft ist für beide Bewegungen Männersache. Deshalb beherrschen die Männer auch die Gefährderlisten.“

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke von der Beratungsstelle Hayat sagte: „Frauen üben in der radikal-militanten Szene in den seltensten Fällen eine tragende Rolle aus. Sie sind eher im Hintergrund logistisch aktiv, über Unterstützung bei der Propaganda oder bei Kontakten.“ Deshalb sei der Fokus der Sicherheitskräfte stets auf die Männer gerichtet. Die Unterstützerinnen-Rolle von Frauen sei inzwischen aber stärker in den Fokus gerückt – ebenso wie der Umstand, dass Frauennetzwerke sehr aktiv seien und ebenfalls extrem gefährlich werden könnten, „wenn auch nicht in der Form, dass sie alleine terroristisch aktiv werden“, so Dantschke.

Fachleute sehen vor allem zwischen Islamisten und Rechtsextremisten Parallelen – obwohl sich Rechtsextremisten scharf von Islamisten abgrenzen und die Abwehr einer vermeintlichen islamischen Gefahr oft sogar ihre zentrale Legitimation ist. So herrscht in beiden Gruppen ein patriarchalisches Frauenbild vor.

NRW will auf Frauen achten

Unterdessen wollen die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf die befürchtete Rückkehr deutscher Islamisten aus Syrien und dem Irak besonders auf radikalisierte Frauen und Kinder achten. Anlass ist der Krieg der Türkei in Nordsyrien, der Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) teilweise zur Flucht verhilft. Es gehe darum, „die Ausbreitung ihrer Hass-Ideologie“ zu stoppen, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag. Ein Netzwerk aus Verfassungsschutz, Jugendämtern und Schulen solle dabei helfen. Handlungsempfehlungen würden derzeit erarbeitet.

Von ideologisierten, weiblichen Rückkehrern gehen nach Erkenntnissen der nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden langfristig genauso große Risiken aus wie von Männern. „Sie vernetzen die Szene und tragen die Jihad-Ideologie an ihre Kinder und andere Frauen weiter“, heißt es.

Von Markus Decker/RND