Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Der Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring wurde nach der Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl als Vorsitzender der Landtagsfraktion wieder gewählt, bekam allerdings nur 66 Prozent der Stimmen. Quelle: Michael Reichel/dpa

Thüringens CDU-Chef Mike Mohring: Der böse Bube von Erfurt

Nach der Niederlage bei der Landtagswahl stimmt ein Drittel der Thüringer CDU-Abgeordneten gegen die Wiederwahl Mike Mohrings zum Fraktionschef. Eine Rolle spielen dabei auch alte Rechnungen und Verletzungen. Mohrings erste Aktion nach der Wiederwahl: Er verteidigt die Befürworter einer Annäherung mit der AfD.

Berlin. Es war die zweite Ohrfeige innerhalb kürzester Zeit: Mit nur 66 Prozent haben die CDU-Abgeordneten im Thüringer Landtag ihren Spitzenkandidaten Mike Mohring wieder an die Spitze der Fraktion gewählt. Der 47-Jährige startet also mit einer großen Hypothek in die nächste Wahlperiode: Die CDU hat nicht nur vor zwei Wochen die Wahl verloren und ist unter seiner Führung nur noch auf dem dritten Platz gelandet. Mohring weiß nun zudem noch ein Drittel seiner Fraktion gegen sich – und das in einer Lage mit schwierigen Mehrheitsverhältnissen, in der Teile seiner Partei offen eine Zusammenarbeit mit der AfD befürworten.

Es kommt da einiges zusammen: Ärger über die Niederlage, Fehler und alte Rechnungen. Mohring habe den Wahlkampf zu sehr auf seine Position zugeschnitten und zu wenig Mannschaftsspiel zugelassen, heißt es in der CDU.

Interviewschreck am Morgen

Und dann gab Mohring am Morgen nach der Wahl auch noch dieses Interview im „Frühstücksfernsehen“, in dem er verkündete, er werde mal mit dem Wahlsieger Bodo Ramelow von der Linkspartei sprechen. Die CDU sei bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Es mag der Versuch gewesen sein, sich als Staatsmann zu inszenieren, der über den üblichen parteipolitischen Ränkeschmiedereien steht. Verstanden wurde es aber als Offenheit für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei und damit als Bruch mit bisherigen Zusicherungen der CDU.

Bundes- und Landes-CDU waren empört. Mohring stand als machtversessen und prinzipienlos da.

Seinen innerparteilichen Gegnern kam das wohl zupass. Die Thüringen-CDU ist ja alles andere als geeint. Mohring galt als Gegenspieler der früheren Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Intern wird ihm vorgeworfen, ihre Ablösung wenn nicht mit betrieben, dann doch mit verursacht zu haben: Mit Lieberknecht wurde die CDU bei der letzten Landtagswahl 2014 zwar stärkste Kraft – die SPD aber entschied sich damals, statt eine erneute große Koalition ein rot-rot-grünes Bündnis zu unterstützen.

Der Ruf als böser Bube

Mohring habe dies provoziert, weil er als Fraktionschef zu rüde mit den Sozialdemokraten umgegangen sei, hieß es. In der Bundes-CDU galt er als böser Bube. Es gab ja auch Berichte über angebliche Versuche Mohrings, mit der AfD einen neuen Bündnispartner zu finden. Mohring, der über Jahre immer wieder die Forderung nach einem konservativeren Profil der CDU erhoben hatte, flog aus dem Parteivorstand, zumindest vorübergehend.

Er hat dann versucht, sein Image zu korrigieren. Er organisierte die Treffen der Unionsfraktionsvorsitzenden, auch während des Wahlkampfs vertiefte er sich in die Grundrenten-Kommission. An seiner Spitzenkandidatur hielt Mohring trotz Krebserkrankung fest, inzwischen gilt er als geheilt. Die Krankheit habe ihn gelehrt, offener zu sein, sagt Mohring. Man müsse bereit sein zu denken, dass auch der jeweils andere recht haben könne.

Nach seiner Wiederwahl hat er erst mal die CDU-Politiker verteidigt, die sich offen für die AfD gezeigt haben. Ein Bündnis sei zwar ausgeschlossen. Als „irre“, so wie es CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak getan hatte, könne man die CDU-Leute aber nicht bezeichnen.

Von Daniela Vates/RND

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