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Der damalige US-Präsident Ronald Reagan redet am 12. Juni 1987 vor der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Quelle: picture alliance / dpa

US-Botschaft holt ungewollte Reagan-Statue nach Berlin

30 Jahre nach dem Mauerfall erhält Berlin eine Statue von Ronald Reagan. Das überlebensgroße Abbild wird am Freitag auf einer Terrasse der US-Botschaft enthüllt. Das Land Berlin lehnt ein Reagan-Denkmal ab.

Berlin. Ronald Reagan schaut nach Süden, Richtung Potsdamer Platz. Das Brandenburger Tor, vor dem er 1987 seine in Europa bekannteste Rede hielt, steht in seinem Rücken. Dort unten, auf Berliner Boden, wollte der Senat die leicht überlebensgroße Statue des US-Präsidenten nicht haben. Zehn Jahre lang lobbyierte die Ronald Reagan Foundation für einen Standort in Berlin, dann wählte sie die US-Botschaft.

Reagan steht nun auf US-amerikanischem Grund, auf einer Terrasse des Botschaftsgebäudes am Brandenburger Tor. Am Freitag wird die Statue von US-Außenminister Mike Pompeo enthüllt, bestätigte die Botschaft auf Anfrage. Sie wird teilweise von der Straße aus zu sehen sein.

1987 besuchte Reagan West-Berlin und hielt eine Rede direkt an der Mauer, auch damals mit dem Brandenburger Tor im Rücken. Er forderte den damaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow auf, seiner Politik der Öffnung und Umgestaltung (Glasnost und Perestroika) konkrete Taten folgen zu lassen: „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder! Öffnen Sie dieses Tor!“

Viele West-Berliner aber waren sehr kritisch gegenüber Reagan, den sie als Kalten Krieger sahen. Es gab während des Besuches schwere Ausschreitungen, der Stadtteil Kreuzberg wurde mehrere Stunden lang von der Polizei abgeriegelt. Bis heute wirkt diese Reagan-kritische Stimmung in der Stadt nach.

Von der Berliner Stadtverwaltung hieß es stets, eine Statue sei unnötig, da Reagan bereits Ehrenbürger der Stadt sei. Reagan zu ehren wäre zudem unfair gegenüber anderen, die die Stadt auch gegen die sowjetische Besetzung nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützt hatten.

Reagan-Denkmäler stehen in Budapest und Tblissi

Anderswo in Ostmitteleuropa sind die Vorbehalte gegen Reagan deutlich geringer: In Polen, Tschechien und anderen Ländern sind Straßen und Plätze nach dem Mann benannt, der als Sieger des Kalten Krieges wahrgenommen wird. In Budapest (Ungarn) und Tblissi (Georgien) stehen Reagan-Denkmäler.

Auch die oppositionelle Berliner CDU gehört zu den Reagan-Fans. Ihr Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, kritisierte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) das „Botschaftsasyl“ für den Präsidenten: „So ist das unter einer geschichtsvergessenen Linkskoalition. Armselig.“

Von Jan Sternberg/RND

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