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Amira Mohamed Ali bei einer Rede im Deutschen Bundestag. Quelle: imago images/Jens Jeske/Emmanuele Contini/Montage RND

Linke: Amira Mohamed Ali folgt Wagenknecht als Fraktionschefin

Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sind das neue Führungsduo der Linken im Bundestag. Die Fraktion bestätigte am Dienstag den bisherigen Co-Vorsitzenden Bartsch im Amt und wählte die niedersächsische Bundestagsabgeordnete zur Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht. Die im Saarland wohnende Ostdeutsche war aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten.

Berlin. Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sind das neue Führungsduo der Linken im Bundestag. Die Fraktion bestätigte am Dienstag den bisherigen Co-Vorsitzenden Bartsch im Amt und wählte die niedersächsische Bundestagsabgeordnete zur Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht. Wagenknecht war nach vier Jahren als Fraktionsvorsitzende nicht noch einmal zur Wahl angetreten.

Für Bartsch stimmten 44 Abgeordnete, das waren nach Angaben eines Fraktionssprecher 63,7 Prozent. Bei der letzten Wahl 2015 hatte er noch 80 Prozent der Stimmen bekommen. Für den weiblichen Part des Führungsduos hatte sich neben Ali die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, Caren Lay, beworben. Beide bekamen im ersten Wahlgang keine Mehrheit. In einem zweiten Wahlgang sprachen sich dann 36 Abgeordnete für Ali aus – das entspricht 52,2 Prozent. Caren Lay holte 29 Stimmen, 42 Prozent.

Die Rechtsanwältin Ali sitzt erst seit 2017 für die Linke im Bundestag und wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet, zu dem auch Wagenknecht gehört. Öffentlich größer in Erscheinung getreten ist sie bisher nicht. In der Fraktion hat sich Ali bisher um Verbraucher- und Tierschutz gekümmert sowie um Recht und Ernährung. In ihrem Bewerbungsschreiben für den Vorsitz hatte sie es als zentrale Aufgabe bezeichnet, die Fraktion wieder zusammenzuführen.

Die Zeit mit Sahra Wagenknecht an der Spitze war geprägt von Streit zwischen Wagenknecht und der Parteispitze um Katja Kipping und Bernd Riexinger. Wagenknecht sieht eine Politik der offenen Grenzen für alle kritisch und ist der Ansicht, ihre Partei habe sich von ihrer eigentlichen Klientel entfernt. Die Auseinandersetzungen und ein Burnout hatten Wagenknecht nach eigenen Angaben schließlich zum Rückzug von der Fraktionsspitze bewogen.

Sie habe den Tag nun auch herbeigesehnt, sagte sie vor der Fraktionssitzung. Einen Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit plant Wagenknecht allerdings nicht. Ihr Bundestagsmandat nimmt die 50-Jährige weiter wahr – und auch eine erneute Kandidatur für den Bundestag bei der nächsten Wahl kann sie sich nach eigenen Angaben zum aktuellen Zeitpunkt gut vorstellen, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Amira Mohamed Ali wurde 1980 in Hamburg geboren und ist dort zur Schule gegangen. Ihr Vater stammt aus Ägypten, ihre Mutter ist Deutsche. Studiert hat sie Jura in Hamburg, Heidelberg und Rom und lebt nun als Rechtsanwältin in Oldenburg. Auf ihrer Facebook-Seite steht in fetten Buchstaben der Spruch „Rumble in the political Jungle“ – ein Bezug zum legendären Boxkampf „Rumble in the Jungle“ (Schlägerei im Dschungel) zwischen den US-Schwergewichtlern Muhammad Ali und George Foreman 1974 in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo.

Vor ihrer Zeit im Bundestag hat die 39-jährige Muslima nach Angaben der Linksfraktion zehn Jahre als Anwältin für einen Autozulieferer gearbeitet. Ins Parlament kam sie erst 2017 und war dort bisher nicht für typisch linke Themen zuständig: Mohamed Ali war Sprecherin der Fraktion für Verbraucher- und Tierschutz und hat sich außerdem mit den Themen Recht und Ernährung beschäftigt. Sie wird wie ihre Vorgängerin Sahra Wagenknecht dem linken Flügel der Partei zugerechnet.

Ihr Bekanntheitsgrad ist bisher nicht besonders groß. Bei Twitter hat Mohamed Ali gut 800 Follower. Vorgängerin Sahra Wagenknecht hat 412 000. Wagenknecht hinterlasse sehr große Fußstapfen, in die sie erst ein Stück hineinwachsen müsse, sagte Mohamed Ali nach ihrer Wahl zur neuen Fraktionschefin. Sie ist verheiratet, Mitglied der IG Metall und Mitglied im Deutschen Tierschutzbund.

RND/dpa/cle