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Für alle Grundschüler soll es künftig eine Ganztagsbetreuung geben.

Ganztag in den Grundschulen? Ja, aber bitte mit Qualität!

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen ab 2025 vereinbart. Jetzt gehen sie mit der Schaffung eines Sondervermögens einen ersten Schritt. Doch das reicht noch lange nicht, kommentiert Tobias Peter.

Berlin. Es klingt wundervoll. Das Bundeskabinett hat die Einrichtung eines Sondervermögens in Höhe von 2 Milliarden Euro beschlossen, das eine Grundlage für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ab dem Jahr 2025 schaffen soll. Die Bundesregierung tut so, als würde sie den Ländern ein großzügiges Geschenk machen. Ihre Botschaft an die Länder ist: „Seht her, hier liegt das Geld auf dem Tisch. Jetzt müsst ihr nur zugreifen.“

Das Problem ist nur: So einfach ist es nicht. Die Schaffung des Sondervermögens ist ein erster Schritt hin zu dem Rechtsanspruch, den Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Doch der Weg dorthin ist noch weit. Aus Sicht der Länder sind die angebotenen 2 Milliarden Euro nicht mehr als eine „nette Anschubfinanzierung“. Gemessen an dem, was das Projekt dauerhaft kosten wird, ist das mehr als zutreffend.

Nicht nur am Handy zocken

Das Ziel eines Rechtsanspruches auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ist richtig. Dieser Anspruch würde zum einen die Vereinbarkeit von Beruf und Familien verbessern und damit vielen Eltern das Leben erheblich einfacher machen. Gleichzeitig bietet der Ganztag große Chancen für die Schüler, die zu Hause nicht optimal gefördert werden. Dazu muss es aber auch ein Ganztagsangebot geben, das pädagogisch hochwertig ist.

Bund und Länder müssen sich dringend zusammensetzen. Der Bund muss überlegen, wie er den Ländern finanziell weiter entgegenkommen kann. Die Länder wiederum müssen schauen, dass sie die Ausbildung von Grundschullehrern und Erziehern ausweiten. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sagt, sie wolle Kinder fördern, die sonst zu Hause unbeaufsichtigt vor dem Fernseher sitzen oder am Handy zocken. Gut so. Dann muss die Politik die Schulen aber auch tatsächlich in die Lage versetzen, am Nachmittag mehr zu leisten, als ein TV-Gerät in den Klassenraum zu schieben.

Von Tobias Peter/RND