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Flüchtlinge im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. (Symbolbild) Quelle: Angelos Tzortzinis/dpa

So viele Einwanderer ohne Papiere lebten 2017 laut Studie in Europa

Das US-Forschungsinstitut Pew Research hat die Zahl der sogenannten undokumentierten Einwanderer ermittelt. Etwa die Hälfte aller Migranten in die EU lebt in Deutschland und Großbritannien. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt weniger als ein Prozent.

Brüssel. Europa ist ein Magnet für Menschen aus aller Welt: Allerdings machen Einwanderer ohne Papiere weniger als ein Prozent der gut 520 Millonen Menschen auf dem Kontinent aus. Zu diesem Schluss kommt eine Migrationsstudie des renommierten Forschungsinstituts Pew Research aus Washington. Demnach lebten im Jahr 2017 zwischen 3,9 und 4,8 Millionen Menschen, die keine Aufenthaltsberechtigung hatten, in den 28 EU-Staaten und den vier Ländern der Europäischen Freihandelsassoziation (Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein).

Etwa die Hälfte der undokumentierten Migranten lebte in Deutschland und Großbritannien. Die Gesamtzahl der Menschen ohne Papiere ist allerdings leicht gesunken. Noch 2016, kurz nach dem Höhepunkt der damaligen Migration, betrug sie dem US-Institut zufolge europaweit schätzungsweise zwischen 4,1 und 5,3 Millionen.

Zahlen schwanken

Die erhebliche Schwankung zwischen den Mindest- und Maximalzahlen geht auf Definitionen des Begriffs der sogenannten „unberechtigten Einwanderung“ zurück, die sich von Land zu Land stark unterscheiden können. Das Institut Pew Research zählt dazu etwa auch Menschen, die zwar ein vorläufiges Aufenthaltsrecht haben, aber nicht genau wissen, ob sie das Einreiseland in Zukunft wieder verlassen müssen.

Mehr als zwei Drittel der Einwanderer ohne Papiere lebten 2017 in Deutschland (eine Million bis 1,2 Millionen), Großbritannien (800.000 bis 1,2 Millionen), Italien (500.000 bis 700.000) und Frankreich (300.000 bis 400.000). In diesen vier Staaten lebte ungefähr die Hälfte der EU-Bevölkerung. Die Zahl der Einwanderer mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht überstieg in diesen Ländern die Zahl der Menschen ohne Papiere um das Vierfache.

In Deutschland hat sich die Zahl dieser Migranten der Studie zufolge von 2014 bis 2016 verdoppelt. Danach ging die Zahl leicht zurück.

Im Gegensatz zu den USA, wo die meisten Migranten ohne Papiere aus Mexiko und anderen mittelamerikanischen Staaten stammen, haben die Forscher in Europa sehr viel mehr Herkunftsländer ermittelt. Demnach kommen in Deutschland etwa 30 Prozent dieser Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Etwa 22 Prozent stammen aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Etwa zwei Drittel der Einwanderer ohne Papiere lebten seit weniger als fünf Jahren in Deutschland. Viele von ihnen sind nach der Studie Asylbewerber, deren Asylanträge noch nicht endgültig bearbeitet sind. Werden Asylbewerber nicht mitgezählt, dann betrug die Zahl der Menschen ohne Papiere in Deutschland zwischen 500.000 und 800.000.

Prozentual mehr Einwanderer in den USA

60 Prozent der Einwanderer in Deutschland waren im Jahr 2017 Männer. Europaweit lag dieser Wert bei 54 Prozent. Fast zwei Drittel der Einwanderer waren jünger als 35 Jahre.

Zum ersten Mal hat Pew Research in der Studie auch die Migration in Europa und den USA verglichen. Das Ergebnis: Während in Europa weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung Menschen ohne Papiere sind, sind es in den USA etwa drei Prozent. Das sind nach Schätzungen etwa 10,3 bis 10,7 Millionen Menschen. Dabei haben die Vereinigten Staaten von Amerika mit 325 Millionen Einwohnern knapp 200 Millionen Einwohner weniger als Europa.

Von Damir Fras/RND