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Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Schlüsselfigur für europäische und globale Angelegenheiten“. Quelle: imago/photothek

Neuer Job: Was Sigmar Gabriel künftig beruflich macht

Der ehemalige Bundesaußenminister geht in die Politikberatung. Doch was heißt das eigentlich genau? Und was tut sein neuer Arbeitgeber, die Eurasia Group? Eine Annäherung.

Berlin. Bislang stand Sigmar Gabriel die meiste Zeit in der Öffentlichkeit. Das wird sich nun ändern. Der früherer SPD-Chef, Vizekanzler, Wirtschafts- und Außenminister sowie Ministerpräsident von Niedersachsen geht künftig einer Tätigkeit nach, die sich eher im Verborgenen abspielt. Gabriel wird Berater. Er heuert bei der Eurasia Group an.

Das Unternehmen hat sich auf Politikberatung spezialisiert, was allerdings keineswegs heißt, dass es vornehmlich Politiker berät. Die Eurasia Group bietet ihrer Dienste vor allem Firmenlenkern und Geldgebern an, die sich über politische und strategische Risiken für ihre Geschäfte informieren wollen.

Der Amerikaner Ian Bremmer hat die Eurasia Group 1998 gegründet. Die Firma unterhält Niederlassungen in den USA, Brasilien, London, Japan, und Singapur. Bremmer ist Politikwissenschaftler und lehrt an der New York University. Er ist ein weltweit anerkannter Experte für geopolitische Risiken. Sein Unternehmen stellt Informationen wie eine weltweite Risikoliste zur Verfügung, es entwickelt aber auch Strategien für Firmen, um diese Risiken zu umgehen oder unter Kontrolle zu halten.

Thema beschäftigt Gabriel seit Langem

Die zunehmenden Spannungen in der Welt haben auch Gabriel in den vergangenen Jahren zunehmend umgetrieben. Vor allem in seiner Zeit als Außenminister und danach hat sich der 60-Jährige immer wieder zu diesem Themenkomplex geäußert und große Sorge über die internationalen Entwicklungen erkennen lassen.

Insofern wundert es nicht, dass Risikoexperte Bremmer Gabriel in seinem Team haben wollte. Der Chef schwärmt bereits in den höchsten Tönen von seinem neuen Mitarbeiter. „Ich habe im Laufe der Jahre viel von Sigmar gelernt“, teilte Bremmer nach der Verpflichtung mit. Gabriel sei eine „Schlüsselfigur für europäische und globale Angelegenheiten“, zumal er auf höchster Ebene der deutschen Regierung gearbeitet habe. „Sein Wissen und seine Erfahrung werden für unsere Kunden unerlässlich sein, um durch die aktuelle geopolitische Rezession zu navigieren“, so Bremmer.

Vollzeit wird der neue Job dem Vernehmen nach nicht sein. Gabriel, der zum 1. November sein Bundestagsmandat niedergelegt und kurze Zeit später das finanziell lukrative Angebot abgelehnt hat, Präsident beim Verband der Automobilindustrie (VDA) zu werden, wird also genügend Zeit für seine weiteren Tätigkeiten bleiben. Der Goslarer ist Vorsitzender der Atlantik-Brücke, eines Vereins zur Pflege deutsch-amerikanischer Beziehungen. Außerdem hat er einen Autorenvertrag mit der Verlagsgruppe Dieter von Holtzbrinck.

Ganz muss die die Öffentlichkeit also nicht auf Sigmar Gabriel verzichten.

Von Andreas Niesmann/RND