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Irans Präsident Hassan Ruhani und sein russischer Kollege Wladimir Putin: Eine Partnerschaft gegen den „großen Teufel“. Quelle: picture alliance / AP Images

Iran: Mit dem „kleinen“ gegen den „großen Teufel“

Russland schaut mit Verständnis auf das Vorgehen der iranischen Sicherheitsorgane gegen die eigene Bevölkerung – und sieht westliche Drahtzieher am Werk. Beide Länder arbeiten militärisch und atomar aktiv zusammen. Der Iran nimmt dabei wohl den „kleinen Teufel“ in Kauf – im Kampf gegen den „großen“.

Moskau. Nach Ansicht der russischen Staatsmedien sind die Demonstranten alles andere als friedlich: Die Iraner, die aus Protest über die Benzinpreiserhöhungen auf die Straße gegangen seien, hätten Tankstellen und Banken angezündet. Der nationalistische TV-Sender Zargrad zitiert Mohammad Mohammadabadi, den geschäftsführenden Bürgermeister der südiranischen Stadt Sirschan, eine mit Messern, Knüppeln und Feuerwerkskörpern bewaffnete Menge hätte versucht, ein Öllager zu stürmen. „Sie haben den Haupteingang zweimal attackiert, aber es gelang uns, sie unschädlich zu machen.“

Das internationale Image des Irans ist zurzeit miserabel. Die USA machen die Perser für Drohnenangriffe auf saudische Ölraffinerien im September verantwortlich, die Internationale Atomenergiebehörde wirft ihnen vor, sie hätten die Schwerwasser-Grenzwerte des Atomabkommens überschritten. Und westliche Agenturen melden, iranische Sicherheitsorgane unterdrückten die neuen Straßenproteste gewaltsam.

Russland sieht westliche Drahtzieher am Werk

Samir Kabulow, Direktor der Asien-Abteilung des russischen Außenministeriums, aber verweist gegenüber der Agentur RIA Nowosti auf deren westliche Drahtzieher: „Natürlich hat die Benzinpreiserhöhung Öl ins Feuer gegossen. Aber auch auswärtige Kräfte arbeiten dort aktiv.“

Aschdar Kurtow, Nahost-Experte des kremlnahen RISI-Instituts, sagt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), in einer Reihe iranischer Städte seien Ausländer festgenommen worden, die die Unruhen offenbar angeheizt hätten. Kurtow zeigt Verständnis für das Vorgehen der Sicherheitsorgane: „Der Iran ist ein orientalisches Land. Er gehört zu einer politischen Kultur, in der eine Regierung, die Schwäche zeigt, nicht überlebt.“

Enge Partnerschaft zwischen Russland und Iran

Die halbstaatliche russische Öffentlichkeit sympathisiert statt mit den Demonstranten mit den iranischen Behörden. Spätestens seit dem Arabischen Frühling gelten Straßenrevolutionen in Wladimir Putins Umgebung als von den USA gelenkte Versuche, ganze Regionen ins Chaos zu stürzen. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zwischen Russland und dem Iran eine enge Partnerschaft entwickelt.

Der Ajatollah Khomeini, bis 1989 an der Macht, hatte die USA und die Sowjetunion als „großen und kleinen Teufel“ bezeichnet. Khomeinis Nachfolger aber paktierten eifrig mit dem „kleinen“ gegen den „großen Teufel“. Und umgekehrt. Moskau lieferte Teheran Panzer und Kampfjets, die Russen vollendeten 2010 das von deutschen Unternehmen noch unter dem Schah begonnene erste iranische Kernkraftwerk in Buschehr.

Krieg – Seite an Seite

Zwar hielt sich Russland an die UN-Sanktionen gegen den Iran und sein Atomwaffenprogramm, „war aber um ihre Milderung bemüht“, so die Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta. Nach der Aufhebung des UN-Boykotts baut Russland seit 2016 zwei weitere Reaktorblöcke in Buschehr, hat den Persern außerdem hochmoderne S-300-Flugabwehrsysteme verkauft. Die neuen US-Sanktionen gegen den Iran lehnt Russland ab. Auch, weil sie westliche Konkurrenten wieder vom iranischen Technologiemarkt vertreiben.

Außerdem führen Moskau und Teheran inzwischen im Nahen Osten Seite an Seite Krieg. Der Schiitenstaat Iran unterstützt aus Konfessionsgründen das alawitische Assad-Regime in Syrien. Die Russen ebenfalls, schon zu Sowjetzeiten sahen sie Assad und die Schiiten als Gegengewicht zu Israel oder den damals ebenfalls mit den USA verbündeten Sunniten Saudi-Arabiens. Im Syrien-Krieg ergänzen sich die Luftwaffe Russlands sowie die Bodentruppen der iranischen Revolutionsgarde erfolgreich. „Und in Russland gibt es kaum schiitische Muslime“, sagt Aschdar Kurtow, „iranische Prediger werden hier nicht auftauchen.“ Mit anderen Worten: Man hat wenig voneinander zu befürchten.

Von Hans Scholl/RND