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Kämpft für die Interessen seiner Familie: Hohenzollern-Chef Georg Friedrich Prinz von Preußen, hier als Botschafter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Friedenskirche.

SPD-Mann gegen Hohenzollern: Bin dagegen, ihnen auch nur einen Euro zu geben

Hat der Sohn des letzten Kaisers den Nazis an die Macht verholfen? Was wie eine rein historische Frage klingt, ist der Schlüssel zu Geld und Schätzen. Nun soll das Parlament über die historische Schuld der Preußen-Familie entscheiden, Rückenwind gibt es dabei von Satiriker Böhmermann, der den aktuellen Prinzen Georg Friedrich bloßstellt.

Berlin. Erhard Grundl ist Niederbayer und Grünen-Abgeordneter. Er will, dass der Bundestag feststellt, dass der Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., Preußen-Kronprinz Wilhelm, die Nazis mit an die Macht gebracht hat. Das ist in diesen Tagen in Deutschland nicht nur eine Frage für Historiker. Auch der Satiriker Jan Böhmermann hat sich mit den Preußen-Prinzen beschäftigt. In seinem „Neo Magazin Royale“ nannte der Satiriker den aktuellen Prinzen Georg Friedrich einen „adligen Hohenzollern-Schlawiner“ mit „Eiern aus Stahl“.

Die zotige Satireoffensive gegen den klagefreudigen Hochadel schaffte Aufmerksamkeit für eine höchst ernsthafte Kampagne: Parallel dazu veröffentlichte Böhmermann auf der Website hohenzollern.lol vier bisher teilweise geheim gehaltene Gutachten zur Rolle des Hauses Hohenzollern in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.

Grundl lobt die neue Dynamik, die Böhmermann in die Debatte um Schuld und Verantwortung des Hauses Hohenzollern gebracht hat. Er selbst ist als Kulturpolitiker der Grünen schon seit Monaten mit den Preußen und ihrer Vergangenheit befasst.

Denn was Kronprinz Wilhelm um 1933 getan hat, ist eben keine akademische Feststellung. Es geht um Schätze der einst regierenden Kaiserfamilie, die deren Nachkommen zurückfordern. Es geht um Tausende Kunstgegenstände, die der Bund rückerstatten soll. Kulturstaatsministerin Monika Grütters führte hinter den Kulissen Verhandlungen, in denen das Parlament jetzt ein gewichtiges Wort mitreden will. „Eine politische Einschätzung der Schuldfrage fällt in die Kompetenz des Bundestags. Diese Verhandlungen kann nicht Frau Grütters alleine führen“, sagt Grundl.

Parallel fordern die Hohenzollern vom Land Brandenburg 1,2 Millionen Euro Entschädigung für die Enteignung durch die Sowjets nach 1945 – und ein kostenfreies Dauerwohnrecht, vorzugsweise im Schloss Cecilienhof in Potsdam.

Doch das Ausgleichsleistungsgesetz schließt Zahlungen aus, wenn ein eigentlich Berechtigter „dem nationalsozialistischen System … erheblichen Vorschub geleistet hat“.

Ein grüner Bayer gegen das Haus Preußen – in diesem Duell steckt so viel Klischeepotenzial, dass Grundl erst einmal klarstellt: „Ich bin nicht auf einem Feldzug gegen die Hohenzollern.“ Aber, sagt der Abgeordnete, „das Gesetz gilt in Deutschland für alle, auch für Nachkommen eines Kaisers. Und das Gesetz ist in diesem Fall eindeutig: Wer dem NS Vorschub geleistet hat, hat kein Recht auf Ausgleichsleistungen.“

Für den Kulturpolitiker ist der Fall klar: „Der Kronprinz war Hitlers Steigbügelhalter, er hat aktiv mitgeholfen, den Nationalsozialismus an die Macht zu bringen.“

So sehen es auch die Historiker Stephan Malinowski und Peter Brandt. Der australische Preußen-Experte Christopher Clark aber widerspricht: Wilhelm sei politisch zwar äußerst rechts einzuordnen, aber habe bei Hitler keine Rolle gespielt. Clark spricht von der „Unfähigkeit des Kronprinzen, in einem komplexen und sich schnell verändernden politischen Umfeld effektiv zu handeln“. Der vierte Gutachter Wolfram Pyta wiederum schreibt in seinem bisher geheimen Gutachten für das Haus Hohenzollern, Wilhelm habe aktiv verhindern wollen, Hitler an die Macht zu bringen – und sei ab 1934 sogar in der Nähe des Widerstands zu finden gewesen. Mit dieser Deutung widerspricht er aber eigenen früheren Forschungen.

Die SPD steht knallhart gegen die Preußen-Prinzen

Das Dilemma ist: Zwar kann vergleichsweise einfach nachgewiesen werden, dass Wilhelm sich eine wichtige Rolle in einer Allianz mit Hitler erträumte – aber wie real war diese Vorstellung, und welche öffentliche Wirkung hatten die Hohenzollern noch? Grundl zweifelt nicht: „Die Hohenzollern waren zwölf Jahre nach der Abdankung des Kaisers noch wirkungsmächtig im Deutschen Reich, sie waren gesellschaftlich höchst relevant“, sagt er. „Der Kronprinz hat Hitler die Stimmen gesichert, die er brauchte, um den Reichstag aufzulösen. Das war das Ende von Weimar.“ Und er geht noch weiter: „Kronprinz Wilhelm war nach meinem Eindruck ein Role Model für den Hitler-Kult.“

Im Januar werden die Abgeordneten erst einmal Gutachter und weitere Experten laden. Im Frühjahr könnte dann das Urteil der Republik über die Nachkommen des Monarchen fallen. Grundl ist optimistisch, die Koalition überzeugen zu können. Die SPD ist bereits auf seiner Seite, sagte der Haushaltsexperte Johannes Kahrs auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND): „Ich verstehe nicht, warum noch verhandelt wird. Ich bin dagegen, den Hohenzollern auch nur noch einen Euro zu geben. Und wenn sie klagen wollen, sollen sie klagen.“

Von Jan Sternberg/RND