Aktuell
Home | Nachrichten | Politik | Bundeskanzler Wolfgang Schäuble?
Wäre Wolfgang Schäuble ein geeigneter Bundeskanzler? Quelle: Darko Vojinovic/AP/dpa

Bundeskanzler Wolfgang Schäuble?

Wie geht es weiter mit der Bundesrepublik Deutschland? Deutschland braucht jetzt eine Persönlichkeit, die selbstbewusst auf die Bühne kommt und neues Vertrauen schafft, neue Zuversicht. Einen wie Wolfgang Schäuble? Ein Kommentar von Matthias Koch.

Es ist die alarmierendste Umfrage seit vielen Jahren. Laut Allensbach ist das Zutrauen der Deutschen ins System, in dem sie leben, „geradezu erdrutschartig verfallen“. Nie zuvor habe der Glaube an die politische Stabilität in Deutschland so sehr gelitten wie jetzt.

Das besondere Drama liegt darin, dass gerade eine große Koalition regiert. Im Zusammengehen von Union und SPD lag stets etwas Unschönes. Eines aber konnte das breite Bündnis immerhin garantieren: Stabilität. Was aber, wenn Schwarzen und Roten jetzt nicht mal mehr ihr Stabilitätsversprechen abgenommen wird?

Genügt jetzt die viel zitierte Rückkehr zur Sachpolitik? Pustekuchen. Zu Klimaschutz und Grundrente kann die schwarz-rote Koalition inzwischen beschließen, was sie will, sie dringt schon kaum noch durch. Das zentrale Manko liegt tiefer, im Psychologischen. Deutschland braucht jetzt nicht irgendeinen neuen politischen Programmpunkt. Deutschland braucht jetzt eine Persönlichkeit, die selbstbewusst auf die Bühne kommt und neues Vertrauen schafft, neue Zuversicht.

Zeit für radikale Gegenstrategien

Doch wer traut sich überhaupt noch? Seit Jahren bauen Union und SPD niemanden wirklich auf. Sie ziehen nur ihre Oberen runter. Die Bürger blicken seit drei Jahren bei beiden Parteien auf immer neue Zermürbungsprozesse.

Angela Merkel wurde von ihren unionsinternen Gegnern gezwungen, den CDU-Vorsitz schon vor dem Amt der Kanzlerin abzugeben. Parallel dazu drehte die SPD gleich drei Vorsitzende nacheinander durch den Wolf: Sigmar Gabriel, Martin Schulz und Andrea Nahles. In beiden Parteien wirkte, was feierlich als Erneuerung bewimpelt war, am Ende nur zersetzend. Es entstand doppelter Schaden: für die jeweilige Partei, aber eben auch, wie Allensbach jetzt zeigt, fürs Land.

Es ist Zeit für radikale Gegenstrategien. Die CDU zum Beispiel darf den Blick jetzt nicht verengen auf ihre NRW-Aspiranten fürs Kanzleramt, Friedrich Merz, Jens Spahn und Armin Laschet. In Kiel gibt es einen jungen Regierungschef, der mehr integriert als intrigiert: Daniel Günther. Man kann auch kreativ sein und ans Ende der Altersskala blicken. Ein Bundeskanzler Wolfgang Schäuble mit seinem scharfen Intellekt ließe jedenfalls schlagartig viele Meckerer und Motzer verstummen. Von den Grünen wird er geachtet, für die AfD wäre er eine schlechte Nachricht. Schäuble ist schon 77, wie Joe Biden. Quer durch Europa aber genießt er heute einen Ruf wie Donnerhall. Dass er nichts mehr werden muss, könnte ihm in Berlin ungeahnte Souveränität verschaffen.

Nur durch Mut zum Querdenken werden die Parteien Auswege aus der Vertrauenskrise finden. Karrieristen, die sich in Erwartung der nächsten Beförderung schon den Schlips glatt streichen, gibt es genug. Gefragt sind Führungspersonen, denen es ums Land geht, nicht um sich selbst.

Von Matthias Koch/RND