Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Die Istanbuler Polizei setzt Tränengas gegen Frauen ein, die gegen Gewalt an Frauen protestieren. Quelle: imago images/ZUMA Press

Istanbul: Frauen-Demo gegen Gewalt – Polizei antwortet mit Tränengas

122 Frauen sind 2018 in Deutschland von ihrem (Ex-)Partner ermordet worden. In der Türkei soll es sogar 440 Femizide gegeben haben. Hunderte Frauen demonstrierten nun gegen Gewalt an ihnen, die Polizei reagierte – mit Gewalt.

Istanbul. Bei einer Kundgebung gegen Gewalt an Frauen in Istanbul hat die türkische Polizei Tränengas gegen Demonstrantinnen eingesetzt. Die Polizei löste den Protest auf der zentralen Einkaufstraße Istiklal damit am Montag auf, wie auf Videobildern zu sehen war und Augenzeugen berichteten.

Zuvor hatten Hunderte friedlich zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen demonstriert. Die Teilnehmerinnen hielten unter anderem Schilder mit der Aufschrift von in der Türkei getöteten Frauen. Die Einkaufsstraße ist einer der Hauptschauplätze für politische Demonstrationen in Istanbul. In den vergangenen Jahren löste die Polizei dort immer wieder auch friedliche Proteste etwa für Frauenrechte und die Rechte von Schwulen, Lesben und Trans-Personen mit Gewalt auf.

Weit verbreitetes Problem in der Türkei

Gewalt gegen Frauen ist in der Türkei ein verbreitetes Problem. Nach Angaben der Plattform „Wir werden Frauenmorde stoppen“ wurden im vergangenen Jahr 440 Frauen von Männern getötet – in mehr als einem Viertel der Fälle waren die Ehepartner die Täter.

Im August hatte der Mord an Emine Bulut für großes Aufsehen gesorgt. Ihr Ex-Mann hatte die Frau vor den Augen ihrer zehnjährigen Tochter in einem Restaurant im zentralanatolischen Kirikkale erstochen. Der Täter wurde inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt.

RND/dpa