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Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bei beim Göttinger Literaturherbst. Quelle: imago images/Hartenfelser

Ex-Minister de Maizière holt unter Polizeischutz Lesung nach

Der CDU-Politiker Thomas de Maizière hat am Dienstag einen Auftritt in Göttingen nachgeholt. Die Lesung des ehemaligen Bundesinnenministers war im Oktober von linken Aktivisten blockiert worden. In der Nacht zum Montag hatte es in Göttingen einen Brandanschlag gegeben – mutmaßlich aus Protest gegen den Auftritt.

Göttingen. Unter Polizeischutz hat der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Göttingen einen Auftritt nachgeholt, der im Oktober noch von linken Aktivisten verhindert worden war. Um die Lesung des CDU-Politikers aus seinem Buch „Regieren“ zu gewährleisten, zog die Polizei am Dienstagabend in Göttingen rund um das historische Rathaus ein starkes Aufgebot zusammen. Bis Veranstaltungsbeginn gab es keine Zwischenfälle. Eine Demonstration mit etwa 130 Teilnehmern verlief friedlich.

Mutmaßlich aus Protest gegen de Maizières Auftritt hatten Unbekannte in der Nacht zum Montag einen Brandanschlag auf die Göttinger Ausländerbehörde verübt. Dabei entstand erheblicher Sachschaden, Personen waren nicht gefährdet. In einem Bekennerschreiben im Internet machen die Täter den früheren Innenminister mitverantwortlich für eine aus ihrer Sicht menschenverachtende Flüchtlingspolitik und Abschiebepraxis in Deutschland.

„Leute, die Behörden anzünden, sind genauso schlimm wie diejenigen, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden“, sagte de Maizière vor der Lesung. Es sei schlimm, dass die Mitarbeiter der Göttinger Ausländerbehörde zumindest durch das Bekennerschreiben persönlich bedroht worden seien. Er sehe die größte Gefahr derzeit zwar im Rechtsextremismus, sagte der ehemalige Bundesinnenminister. Aber auch der Linksextremismus bleibe gefährlich.

Niedersachsens Landtagspräsidentin Gabriele Andretta, die ebenso wie Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) die Lesung besuchte, verurteilte den Anschlag scharf. Es handele sich „um einen durch nichts zu rechtfertigenden Versuch, politisch Andersdenkende zu bekämpfen und die eigenen Ziele gewaltsam durchzusetzen“, sagte Andretta.

RND/dpa