Donnerstag , 20. Februar 2020
Aktuell
Home | Nachrichten | Politik | Studentenwerk fordert Milliarden für Wohnheime und Mensen
Viele Studentenwohnheime sind sanierungsbedürftig. Quelle: Armin Weigel/dpa

Studentenwerk fordert Milliarden für Wohnheime und Mensen

Die Studentenzahlen sind hoch, die Probleme mit Wohnungsnot in vielen Universitätsstädten sind groß. Das Deutsche Studentenwerk dringt auf einen Hochschulsozialpakt von Bund und Ländern – für mehr Wohnheimplätze und modernisierte Mensen. Als Argument kann das Studentenwerk auf eindeutige Zahlen verweisen.

Berlin. Das Deutsche Studentenwerk fordert 3,4 Milliarden Euro von Bund und Ländern für den Ausbau und die Modernisierung von Studentenwohnheimen und Mensen. Das ist ein zentraler Beschluss, den die 57 regionalen Studenten- und Studierendenwerke auf ihrer Jahresversammlung in Berlin am Dienstag gefasst haben, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erfuhr.

Rolf-Dieter Postlep, der Präsident des Deutschen Studentenwerks, verwies auf hohe Studentenzahlen, die aus seiner Sicht einen Hochschulsozialpakt von Bund und Ländern erforderlich machen. „Die Politik muss sich endlich bewegen. Eine gemeinsame Bund-Länder-Anstrengung ist wichtiger denn je“, sagte Postlep dem RND.

Von den 3,4 Milliarden Euro, die in den kommenden Jahren nach Auffassung des Studentenwerks fließen sollten, soll mehr als die Hälfte in den Neubau und die Sanierung von Studentenwohnheimen investiert werden. Hier veranschlagt das Studentenwerk 1,8 Milliarden Euro, von denen eine Milliarde Euro für die Sanierung und 800 Millionen Euro für den Neubau aufgewendet werden sollen.

Im vergangenen Wintersemester waren rund 2,8 Millionen Menschen eingeschrieben. „Bezahlbaren Wohnraum für Studierende zu erhalten und zu schaffen, das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe“, sagte Postlep. „Das müsste spätestens im Jahr 2019 allen klar sein.“ Jeder neu geschaffene Wohnheimplatz entlastet die Wohnungsmärkte in den Städten. „Davon profitieren alle“, sagte der Präsident des Deutschen Studentenwerks.

Dass der Mietpreisboom auch Studenten trifft, zeigt der Studentenwohnpreisindex im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach sind vor allem die Mieten für Studenten in Berlin seit 2010 mit einem Plus von 67,3 Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen, wie die Untersuchung ergab, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde. Doch auch anderswo legten die Mieten zu. In Greifwald etwa mussten Studenten real fast zehn Prozent mehr Miete zahlen als in 2010.

Ruf nach einer grundlegenden Bafög-Reform

Laut eigenen Angaben bieten die Studentenwerke derzeit 195.000 Plätze in 1700 Wohnheimen an, wobei die durchschnittliche Warmmiete im Bundesschnitt gerade einmal 250 Euro im Monat betrage. Ein großer Teil der Wohnheime sei in den 1970er und 1990er Jahren gebaut worden, jetzt gebe es erheblichen Sanierungsbedarf.

Von den geforderten 3,4 Milliarden Euro aus einem Hochschulsozialpakt sollen 1,6 Milliarden Euro in die Sanierung, Modernisierung und den Ausbau von Mensen und Cafeterien gehen. Die Studentenzahl sei seit 2007 um 48 Prozent gestiegen, die Zahl der Tischplätze bei den Studentenwerken aber nur um 14 Prozent, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, dem RND.

Beim Bafög dringt das Deutsche Studentenwerk auf eine grundlegende Reform. Ziel müsse sein, dass die Studienförderung wieder deutlich mehr Menschen erreichen – insbesondere auch aus der Mittelschicht. Dazu ist nach Auffassung des Studentenwerks nicht zuletzt eine regelmäßige Erhöhung der Bedarfssätze und Elternfreibeträge alle zwei Jahre notwendig. In der Vergangenheit ist das Bafög oft nur zögerlich erhöht worden, die Politik schob entsprechende Schritte Jahr um Jahr auf.

Von Tobias Peter/RND