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Greta Thunberg, Klimaaktivistin aus Schweden, trifft auf dem Katamaran "La Vagabonde" in der portugiesischen Hauptstadt ein. Nach Informationen portugiesischer Zeitungen fährt Thunberg am Abend per Zug zur Weltklimakonferenz nach Madrid. Quelle: Pedro Rocha/AP/dpa

Thunberg erreicht Lissabon: „Großartig, zurück in Europa zu sein“

Nach drei Wochen auf dem stürmischen Atlantik ist der Katamaran mit Thunberg an Bord am Dienstagmorgen in Lissabon eingelaufen. Von dort wird die Klimaaktivistin mit dem Zug nach Madrid weiterreisen. Die Reise war nicht klimaneutral – die Kapitänin ist zuvor über den Atlantik geflogen.

Lissabon. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zurück in Europa. Der Katamaran „La Vagabonde“ legte am Dienstagnachmittag in einem Hafenbecken im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt an. Thunberg hielt ihr Schild mit der schwedischen Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ unter dem Arm, als sie an Land ging.

Empfangen wurde sie im Hafen von Dutzenden jubelnden Anhängern, Trommlern sowie dem Lissaboner Bürgermeister Fernando Medina. „Es ist eine Ehre für die ganze Stadt, Sie heute hier zu haben“, sagte Medina.

Die 16-Jährige hat keine Eile, zur Weltklimakonferenz nach Madrid zu kommen. „Ich werde jetzt für ein paar Tage in Lissabon bleiben, um alles zu regeln“, sagte die Schwedin nach ihrer Ankunft in der portugiesischen Hauptstadt. Erst am Freitag wird sie für den Klimastreik in Madrid erwartet. „Nach Madrid werde ich für Weihnachten nach Hause fahren“, sagte sie.

„Auf der Klimakonferenz werden wir den Kampf fortsetzen“, versprach Thunberg. „Ich fühle mich gut. Ich möchte jetzt weitermachen, ich fühle mich voller Energie.“

Bei der zweiwöchigen Konferenz verhandeln 196 Staaten und die EU darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erderhitzung eingedämmt werden kann. Am Dienstag warnte die Weltwetterorganisation (WMO), dass das Jahrzehnt von 2010 bis 2019 wohl das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war. 2019 dürfte dem Statusreport zufolge das zweit- oder drittwärmste Jahr werden. Am Freitag plant die Klimabewegung Fridays for Future im Zentrum Madrids eine Großdemo mit Hunderttausenden Teilnehmern, bei der wahrscheinlich auch Thunberg mitmarschieren wird.

Greta Thunberg fühlt sich großartig – nur am ersten Tag etwas seekrank

Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen hatten sich zahlreiche Anhänger und Schüler am Hafen von Lissabon versammelt und jubelten ihr bei ihrer Ankunft zu. Thunberg, die ihr berühmt gewordenes Schild „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik fürs Klima) in den Händen trug, wirkte zwar ernst und müde von den Strapazen der Reise, lächelte den Aktivisten aber freundlich zu. „Ich war nur am ersten Tag etwas seekrank, danach nichts mehr, ich hatte wirklich Glück“, betonte sie. Nach drei Wochen auf See sei es ein überwältigendes Gefühl, wieder Land zu sehen. „Es fühlt sich großartig an, zurück in Europa zu sein.“

Für Thunberg war es bereits der zweite Transatlantik-Törn innerhalb von vier Monaten. Sie hatte auf dem Katamaran eines australischen Paars eine Mitfahrgelegenheit aus den USA zurück nach Europa gefunden und war so fast drei Wochen unterwegs. Auf der Hinfahrt hatten sie der norddeutsche Segelprofi Boris Herrmann und sein Co-Skipper Pierre Casiraghi mit der Hochsee-Rennjacht „Malizia II“ in nur 14 Tagen über den Ozean gebracht. Die Rückfahrt auf dem Katamaran bei teilweise stürmischen Winden dauerte 21 Tage.

Der Katamaran gehört dem australischen Weltenbummler-Paar Riley Whitelum und Elayna Carausu, das mit seinem zweijährigen Sohn Lenny auf der Jacht lebt und seinen Alltag auf Instagram und Youtube vermarktet. Für die schwierige Atlantiküberquerung im stürmischen Spätherbst wurde die 26-jährige britische Weltklasse-Skipperin Nikki Henderson verpflichtet, die bei schwierigen Wetterverhältnissen und großem Zeitdruck die Reise sehr gut meisterte.

Während Henderson und Whitelum das seglerische Kommando innehatten, waren Greta Thunberg und ihr Vater Svante mehr für das Freizeitprogramm zuständig – sie brachten der Besatzung das Würfelspiel Kniffel bei und läuteten die Adventszeit auf schwedische Art ein.

Greta Thunberg weigert sich wegen der hohen CO₂-Emissionen, das Flugzeug zu benutzen. Ob ihre Atlantiküberquerungen wirklich klimafreundlicher waren als ein Flug mit CO₂-Ausgleich, ist allerdings sehr fraglich. Bereits die Hinreise verursachte mindestens vier Transatlantikflüge, weil die Crew der „Malizia II“ in New York wechselte. Auch Henderson flog von England in die USA, wie sie in einem Facebook-Beitrag einräumte. Zudem besitzt die „La Vagabonde“ einen Dieselgenerator, um das Schiff mit Strom zu versorgen, wenn die Sonnenkollektoren nicht ausreichend Energie zuführen.

Dennoch, schreibt Henderson in ihrem Beitrag, wertet sie die Reise als Erfolg. „Wir haben diese Reise mit Greta gemacht, so wie sie am besten zur Jugendklimabewegung passt: Wir haben gezeigt, dass es noch keinen wirklich nachhaltigen Weg des Reisens gibt und dass sich das ändern muss.“

Die junge Schwedin war unter anderem für die in Chile geplante Weltklimakonferenz nach Amerika gereist, die dann wegen der dortigen Unruhen nach Madrid verlegt wurde. Der Gipfel, der am Montag begann, dauert noch bis mindestens 13. Dezember.

mit dpa

Von Jan Sternberg/RND