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Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer in einem Gymnasium während des Englischunterrichts. Quelle: Marijan Murat/dpa

GEW zur PISA-Studie: “Soziale Herkunft bleibt Achillesferse”

Man kann die neueste Pisa-Studie so oder so lesen. Die Schüler in Deutschland haben sich überall verschlechtert – das klingt nicht gut. Aber ihre Leistungen sind trotzdem weiterhin überdurchschnittlich.

Berlin. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) prangert angesichts der Ergebnisse der Pisa-Studie die enge Koppelung von Bildung und sozialer Herkunft in Deutschland an und fordert gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern.

“Die große Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems”, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schule, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). “Auch fast 20 Jahre nach dem Pisa-Schock schafft es Schule nicht entscheidend, Nachteile abzubauen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen”, setzte sie hinzu. “Im Gegenteil: Der Lehrkräftemangel verstärkt das Problem.”

Hoffmann sagte: “Die Schere geht weiter auf.” Die Lehrergewerkschafterin forderte: “Deutschland braucht einen Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen, um länderübergreifende Anstrengungen für mehr Chancengleichheit zu stemmen.”

Karliczek: Mittelmaß ist nicht unser Anspruch

Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kann Deutschland mit den Ergebnissen seiner Schüler bei der Vergleichsstudie Pisa nicht zufrieden sein. “Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein”, sagte die CDU-Politikerin laut einer gemeinsamen Mitteilung ihres Ministeriums und der Kultusministerkonferenz vom Dienstag.

Karliczek hob hervor, dass Deutschland ein gutes Schulsystem habe und auch in dieser Pisa-Studie leicht über dem OECD-Durchschnitt liege. “Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei.”

Besonders bedenklich sei, dass jeder fünfte 15-Jährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen könne, sagte Karliczek. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, das Bildungssystem weiter zu verbessern, “jeder in seinem Verantwortungsbereich”. So werde der Bund Programme zur frühkindlichen Leseförderung “noch konsequenter weiterverfolgen”.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Ressortchef Alexander Lorz (CDU), erklärte im internationalen Vergleich verfügten 15-Jährige in Deutschland über gute Kompetenzen. “Es gelingt den Schulen, bei einer deutlich stärkeren Heterogenität der Schülerschaft, weiterhin gute Ergebnisse im internationalen Vergleich zu erzielen.”

Ihn stimme zuversichtlich, dass Schüler mit Zuwanderungshintergrund in der zweiten Generation sich gegenüber früheren Pisa-Studien deutlich verbessert hätten. “Es belegt, dass die Schulen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Integration in unsere Gesellschaft leisten.”

Nach mehrjährigem Aufwärtstrend bis 2013 erlebt Deutschland nun den zweiten Pisa-Knick in Folge. Die deutschen Schüler haben sich in allen drei Bereichen der internationalen Vergleichsstudie – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – leicht verschlechtert. Sie erzielten jeweils etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Untersuchung, die 2016 veröffentlicht wurde. Auch damals waren die Werte in zwei Bereichen schon gesunken.

Von Tobias Peter/RND