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Die Bahn wird ihr Pünktlichkeitsziel in diesem Jahr verfehlen. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Ziel verfehlt – so kämpft die Bahn gegen das Verspätungschaos

Stau auf der Schiene – in Deutschland ist das keine Seltenheit. Die Deutsche Bahn wird im laufenden Jahr ihr Pünktlichkeitsziel verfehlen. Für das kommende Jahr verspricht sie aber „eine deutliche Verbesserung“.

Berlin. Die Bahn sieht sich gut gerüstet – zumindest für die unmittelbar bevorstehenden Herausforderungen. „Wir glauben, dass wir auf den großen Weihnachtsverkehr optimal vorbereitet sind“, sagte gestern Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei einer Pressekonferenz in Berlin. Allerdings musste er auch einräumen, dass der Staatskonzern eines seiner großen Ziele im laufenden Jahr wohl verfehlen wird. Die Bahn hatte sich vorgenommen, dass 76,5 Prozent aller Fernzüge pünktlich sein sollten. Pünktlich heißt es in diesem Zusammenhang: Weniger als sechs Minuten zu spät. Im günstigsten Fall seien noch 76 Prozent zu erreichen.

2020 will die Bahn bei der Pünktlichkeit 78 Prozent erreichen. Infrastrukturvorstand Pofalla sagte am Donnerstag, er erwarte eine „deutliche Verbesserung“. Grund für die Zuversicht sind die beiden so genannten „Plankorridore“, die im kommenden Jahr eingerichtet werden sollen – rund um Hamburg und zwischen Nürnberg und Würzburg. Darunter ist ein spezielles Management des Verkehrs auf besonders hoch belasteten Streckenabschnitten zu verstehen.

„In zwei, drei Jahren nicht alles perfekt“

Nach Konzernangaben sind mit den ersten beiden dieser Korridore – zwischen Köln und Dortmund sowie Fulda und Mannheim – beachtliche Verbesserungen erzielt worden. So habe man auf dem Streckenabschnitt in Nordrhein-Westfalen durch eine bessere Steuerung des Verkehrs seit November 2018 rund 6.000 Zugverspätungen im Fernverkehr vermeiden können – was pro Fahrt im Schnitt sieben Minuten entspricht. Dennoch wird der Konzern sein Verspätungsproblem nicht über Nacht loswerden.

„Es wird nicht in zwei, drei Jahren alles perfekt“, hatte Bahnchef Richard Lutz bereits am Mittwoch die Erwartungen gedämpft. „Das wird eine Generationenaufgabe.“ Allerdings stehen dem Staatskonzern für die Zukunft erheblich mehr Mittel für Investitionen zur Verfügung. 2019 war in diesem Zusammenhang ein Jahr mit wichtigen Weichenstellungen. Je nach Betrachtungsweise und Berechnungsgrundlage kann der Konzern im kommenden Jahrzehnt zwischen 156 und knapp 200 Milliarden Euro für Ausbau und Erhalt des Schienennetzes ausgeben.

Die am Mittwochabend von Bund und Bahn unterzeichnete Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung hat ein Volumen von 86,2 Milliarden Euro: Geld, das ausschließlich für die Sanierungen der bestehenden Infrastruktur bestimmt ist. Für 2020 hat die Bahn bereits Bauaufträge mit einem Volumen von neun Milliarden Euro vergeben.

Zeitplan für Mehrwertsteuersenkung unklar

Im vergangenen Jahr sind nach Bahn-Angaben 1.500 Kilometer Gleise und 1.600 Weichen modernisiert worden, 3,5 Millionen Tonnen Schotter wurden ausgetauscht, 2,5 Millionen Schwelle erneuert. Eines der größten Sanierungsvorhaben im zurückliegenden Jahr war die Schnellstrecke zwischen Hannover und Göttingen. „Wir werden fristgerecht am 14. Dezember erfolgreich die Sanierung dieses Streckenabschnitts abschließen“, so Infrastrukturvorstand Pofalla. Für das kommende Jahr ist unter anderem die Sanierung der ICE-Strecke zwischen Stuttgart und Mannheim geplant.

Offen ist noch, wie es mit den Ticketpreisen im kommenden Jahr weitergeht. Hintergrund ist, dass Teile des schwarz-roten Klimapakets, darunter auch die für Anfang Januar geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehrtickets, derzeit im Vermittlungsausschuss festhängen. Bei einer Einigung bis zum 20. September könnte die Mehrwertsteuersenkung noch zu Jahresbeginn in Kraft treten. Bei der Bahn wachsen jedoch die Zweifel, dass es so kommt.

Von Rasmus Buchsteiner/RND